{"id":13262,"date":"2026-07-16T21:00:02","date_gmt":"2026-07-16T19:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/soldatenschicksale.de\/?p=13262"},"modified":"2026-07-16T19:33:16","modified_gmt":"2026-07-16T17:33:16","slug":"sonderbeitrag-hauptmann-adam-becker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/soldatenschicksale.de\/?p=13262","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Hauptmann Adam Becker"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Adam Becker stammte aus der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deidesheim\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deidesheim<\/a> im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Hauptmann in der 1. Kompanie des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 18.08.1915 fiel er im Kampf in den Vogesen n\u00f6rdlich der Stadt M\u00fcnster (franz\u00f6sisch: Munster, els\u00e4ssisch: Menschter) am Lingekopf.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Adam Becker berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p>In der Nacht zum 18. August \u00fcbernahm das I. Bataillon die Stellungen am Lingekopf.<br \/>\nEin Teil der Lingekopf-Stellung hatte den Besitzer wiederholt gewechselt, er war am 4. August den Franzosen wieder entrissen worden und es war deshalb damit zu rechnen, da\u00df dieselben ihn wieder zu erlangen trachten w\u00fcrden.<br \/>\nAm 17. August hatte ab 4\u00b0 nachm. feindliches Artilleriefeuer auf dem Lingekopf und dem Raum \u00f6stlich davon gelegen und bis 10\u00b0 nachts mit ziemlicher Heftigkeit angedauert. Ein Infanterieangriff war aber nicht erfolgt. In der Nacht vom 17.\/18. August hielt der Feind die Stellung unter m\u00e4\u00dfig starkem Infanteriefeuer, war zahlreiche schwere Minen auf den Ostabhang und machte zeitweise kurze Artillerie\u00fcberf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Der Vormittag des 18. August verlief ruhig. 3., 1. und 4. Komp. waren vorne eingesetzt, 2. Komp. Reserve. Die vorderste Linie war nur mit schwachen Postierungen besetzt, die \u00fcbrigen Teile der Kompagnien waren gruppenweise in den Unterschl\u00fcpfen der Reservestellung untergebracht. Die 2. Komp. lag mit zwei Z\u00fcgen in den Unterst\u00e4nden n\u00e4chst dem Bataillonsunterstand, ein Zug hatte die Riegelstellung besetzt.<\/p>\n<p>3\u2074\u2075 nachm. setzte lebhaftes Artilleriefeuer auf den Lingekopf ein, vom Schwarzberg kam Flankenfeuer auf den Ostabhang. Vor diesem \u00e4u\u00dferst heftigen Feuer wich die 1. Komp. unter Zur\u00fccklassung von Postierungen bis zur Riegelstellung zur\u00fcck, ebenso ein Teil der 4. Komp.<\/p>\n<p>Da nun ein Angriff mit Sicherheit zu erwarten war, zog der Kommandeur I.\/L.S.R.\u202f1 das ihm unterstellte III.\/R.I.R.\u202f74 heran, das aber nur mit ganz geringer Gefechtsst\u00e4rke eintraf.<\/p>\n<p>Das Artilleriefeuer dauerte bis gegen 7\u2070 abends. Dann brach der Angriff so wuchtig los, da\u00df die Alpenj\u00e4ger die nur schwach besetzte erste und die nahe dahinter liegende zweite Linie \u00fcberrannten und fast bis an den sogenannten Riegel\u2011Graben (3.\u202fLinie) vordrangen.<\/p>\n<p>Die Kompagnien des Bataillons hatten den Tag \u00fcber im heftigsten Feuer ausharrend hinter den Resten von Unterst\u00e4nden, hinter Felsen und abgeschossenen Baumst\u00e4mmen einigerma\u00dfen Deckung suchend den feindlichen Angriff abgewartet.<\/p>\n<p>Der schon in den Morgenstunden in der Stellung vorne gegebene Befehl des Regimentskommandeurs hatte gelautet:<br \/>\n\u201eH.\u202fMajor, Angriff ist heute bestimmt zu erwarten. Treffen Sie alle Vorbereitungen, soda\u00df das Bataillon dem Angriff in augenblicklichem Gegensto\u00df entgegentritt. Sorgen Sie besonders f\u00fcr Aufrechthaltung der Verbindung mit den vorne zu belassenden Posten und behalten Sie selber so Verbindung mit den Kompagnien, da\u00df diese auf ihren Befehl unverz\u00fcglich losgehen k\u00f6nnen. Dem Feind darf keine Minute Zeit gelassen werden, sich festzusetzen und einzurichten!\u201c<br \/>\nAuf wiederholte Anfragen w\u00e4hrend des schweren Artillerie\u2011 und Minenfeuers antwortete der Bataillonskommandeur, Major Drff, stets:<br \/>\n\u201eHerr Oberstlt. k\u00f6nnen sich verlassen, alles ist bereit, Verbindung nach oben (1.\u202fLinie) und zu den Kompagnien besteht fortw\u00e4hrend; sobald der Angriff kommt, gehen wir augenblicklich los!\u201c<\/p>\n<p>Die Sicherheit zu dieser beruhigenden Meldung erhielt Major Orff durch das vorbildliche Verhalten der Leutnants Burre und Hampp, wie des Feldwebel\u2011Leutnants Niggl, die die Verbindungsposten zur ersten Linie trotz schwersten Feuers immer wieder nachsahen und f\u00fcr Erg\u00e4nzung der Verluste sorgten.<\/p>\n<p>Der Gegensto\u00df wurde auch augenblicklich angesetzt, mit bewundernswerter Kraft und verbissener Entschlossenheit erst\u00fcrmte das tapfere Bataillon \u2014 voran die 4.\u202fKomp. \u2014 den steilen felsigen Gipfel, \u00fcber den die Alpenj\u00e4ger, wie oben gesagt, schon ein erhebliches St\u00fcck vorgebrochen waren.<\/p>\n<p>Die Franzosen, die bereits zwei Maschinengewehre herangebracht hatten, wurden \u00fcber unsere erste Linie hinaus \u2014 wieder restlos in ihre alte Stellung zur\u00fcckgeworfen. Ein franz\u00f6sischer Gefangener erz\u00e4hlte gelegentlich, da\u00df ihnen das furcht\u2011 und schreckenerregende, allen Gefechtsl\u00e4rm \u00fcbert\u00f6nende \u201eHurra\u201c der anst\u00fcrmenden Germanen durch Mark und Bein gefahren sei, so da\u00df ihm niemand standzuhalten vermochte.<\/p>\n<p>Die Franzosen mu\u00dfte auch geradezu eine Panik ergriffen haben, da sie ihre Gewehre, die mit der M\u00fcndung in den Graben herein sahen, dutzendweise liegen lie\u00dfen und zun\u00e4chst davon rannten, im Graben selbst lagen massenhaft tote Franzosen, einer neben dem anderen.<\/p>\n<p>Der feindliche Graben lag auf n\u00e4chste Entfernung gegen\u00fcber, w\u00fctender Handgranatenkampf folgte gegen die weiter folgenden Angriffswellen der Franzosen.<\/p>\n<p>Seine eigenen Handgranaten hatte das Bataillon bald verworfen. Die Alpenj\u00e4ger hatten jedoch massenhaft Handgranaten, die viele wie an einer Perlenschnur um den Hals getragen und dann wohl \u00fcber 1000 bei ihrer Flucht zur\u00fcckgelassen \u2014 Handgranaten, die zun\u00e4chst nicht zu gebrauchen wu\u00dfte.<\/p>\n<p>Feldwebelleutnant Niggl jedoch versuchte so lange daran herum, bis es ihm gelang, sie zu handhaben. Dann wurden auch diese noch s\u00e4mtlich in die Gr\u00e4ben der Franzosen geschleudert. Hieran hatte Niggl ein besonderes Verdienst.<\/p>\n<p>Die Verluste des Bataillons betrugen in einer Stunde vier Offiziere (Hptm. Becker, der erst tags vorher aus Krankenurlaub gekommen war, und Offizierstellvertreter Fischer tot, Hptm. Reissinger und Offizierstellvertreter Gut, dieser schwer verwundet.)<\/p>\n<p>26 tote, 174 verwundete und 6 vermi\u00dfte Unteroffiziere und Mannschaften, zusammen 210.<\/p>\n<p>Trotzdem f\u00fchrte das Bataillon den schweren Angriff durch mit dem Erfolg, da\u00df es die ihm anvertraute Stellung restlos behauptete, da\u00df damit der Lingekopf in deutscher Hand blieb, w\u00e4hrend der gleichzeitig angegriffene, von preu\u00dfischen Truppen besetzte Schrazm\u00e4nnele\u2011Nordr\u00fccken und die Spitze des Schrazm\u00e4nnele verloren gingen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Adam Becker auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-root=\"1\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/La+n%C3%A9cropole+allemande+du+Linge+Hohrod\/@48.0789162,7.1419617,494m\/data=!3m1!1e3!4m12!1m6!3m5!1s0x4793d8d8db925e89:0xba92ac4cb3276849!2sLinge+Memorial!8m2!3d48.083526!4d7.140328!3m4!1s0x4793d8ddb8ffffff:0xf865918dce0a94d2!8m2!3d48.0789042!4d7.1443239\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hohrod<\/a><\/span> in <span data-sheets-root=\"1\">Block 1, Grab 68.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_13263\" aria-describedby=\"caption-attachment-13263\" style=\"width: 528px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13263\" src=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Adam-Becker.jpg\" alt=\"\" width=\"528\" height=\"800\" srcset=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Adam-Becker.jpg 528w, http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Adam-Becker-198x300.jpg 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 528px) 85vw, 528px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13263\" class=\"wp-caption-text\">Hauptmann Adam Becker<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_13264\" aria-describedby=\"caption-attachment-13264\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13264\" src=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Adam-Becker-2.jpg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"800\" srcset=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Adam-Becker-2.jpg 410w, http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Adam-Becker-2-154x300.jpg 154w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 85vw, 410px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13264\" class=\"wp-caption-text\">Das Grab von Hauptmann Adam Becker<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Adam Becker stammte aus der Stadt Deidesheim im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz. 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