{"id":3695,"date":"2025-02-26T00:00:46","date_gmt":"2025-02-25T23:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/soldatenschicksale.de\/?p=3695"},"modified":"2025-01-31T20:45:29","modified_gmt":"2025-01-31T19:45:29","slug":"soldatenschicksale-des-1-weltkrieges-teil-187-heinrich-brueckweh","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/soldatenschicksale.de\/?p=3695","title":{"rendered":"Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 187: Heinrich Br\u00fcckweh"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Heinrich Br\u00fcckweh wurde am 10.04.1893 geboren stammte aus der nieders\u00e4chsischen Landeshauptstadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hannover\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hannover<\/a>. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Kriegsfreiwilliger in der 3. Kompanie des 74. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 04.08.1915 fiel er w\u00e4hrend der Vogesenk\u00e4mpfe im Elsass im Alter von 22 Jahren n\u00f6rdlich der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Munster_(Haut-Rhin)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnster<\/a> (franz\u00f6sisch: Munster, els\u00e4ssisch: Menschter).<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Heinrich Br\u00fcckweh berichtet die Regimentsgeschichte des 74. Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Erst\u00fcrmung des Lingekopfes<\/p>\n<p>4. August 1915<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil des ganzen Abschnitts, den wir jetzt besetzt halten, ist nur eine Notstellung. Urspr\u00fcnglich waren die deutschen Gr\u00e4ben oben auf dem Kamm des Lingekopfes. Aber der Franzmann hat sie im Juli unseren Truppen weggenommen, ja er war teilweise noch dar\u00fcber hinaus vorgedrungen. Ein sp\u00e4terer Gegenangriff hatte ihn aber wieder bis auf den Gipfel zur\u00fcckgeworfen.<\/p>\n<p>Hier liegt es nun in naher Entfernung \u00fcber uns &#8211; w\u00f6rtlich zu nehmen! Denn der Berg hat etwa 30 Grad Steigung! Das ist nat\u00fcrlich auf Dauer ein unhaltbarer Zustand. Er muss beseitigt werden, koste es was es wolle. Division, Brigade und Regiment haben schon fieberhaft vorgearbeitet. Bis ins einzelne ist alles erwogen. Heute soll der Lingekopf zur\u00fcck in deutschen Besitz!<\/p>\n<p>3. August sp\u00e4tabends Fernspruch. Die Bataillonskommandeure und einige andere Offiziere werden zum Regimentsgefechtsstand gerufen. Oberstleutnant von Bieberstein erteilt mit knappen, klaren Worten den Befehl: &#8222;Morgen abend um 6 Uhr greift das Regiment, in drei Sturmkolonnen geteilt, die Stellung des Gegners an und nimmt die alten deutschen Gr\u00e4ben. Die linke Sturmkolonne f\u00fchrt Hauptmann Settmaier, die mittlere Hauptmann Bowien, die rechte Leutnant Heweker&#8220;. \u00dcbersichtliche Skizzen werden ausgeteilt. Noch eine kurze Besprechung, Erkl\u00e4rung der Unterst\u00fctzung durch Artillerie und Minenwerfer. Dann: &#8222;Hat einer der Herren noch eine Frage?&#8220; Nein? Auf Wiedersehen!&#8220; &#8211; Auf Wiedersehen!&#8220; Jeder strebt seiner Behausung zu, den Kopf voll von Gedanken, wie man wohl dem Franzmann am besten beikommt.<\/p>\n<p>Z\u00f6gernd d\u00e4mmert der Morgen des 4. August herauf. Die Kompanief\u00fchrer rufen ihre Zugf\u00fchrer zu sich in den Unterstand, machen sie mit dem Befehl und den Einzelheiten des Sturmes bekannt.<\/p>\n<p>Als Angriffstruppen sollen am rechten Fl\u00fcgel die 3. und 4., in der Mitte die 7. und 8. und links die 11. und 12. Kompanie in vorderer Linie verwendet werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3691\" aria-describedby=\"caption-attachment-3691\" style=\"width: 691px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3691\" src=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Stellung-am-Lingekopf-am-05.08.1915-nach-dem-Sturm.jpg\" alt=\"\" width=\"691\" height=\"881\" srcset=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Stellung-am-Lingekopf-am-05.08.1915-nach-dem-Sturm.jpg 691w, http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Stellung-am-Lingekopf-am-05.08.1915-nach-dem-Sturm-235x300.jpg 235w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3691\" class=\"wp-caption-text\">Stellung am Lingekopf am 05.08.1915 nach dem Sturm<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jeder Sturmkolonne werden \u2154 Zug Pioniere, ein Fernsprechtrupp und eine Artilleriebeobachter mit Kabel zugeteilt. Au\u00dferdem erhalten die beiden Abteilungen auf dem rechten und linken Fl\u00fcgel je ein schweres Maschinengewehr.<\/p>\n<p>Die Zeiteinteilung f\u00fcr den Sturm ist folgende:<\/p>\n<p>10 Uhr &#8211; 12.45 Uhr Einschie\u00dfen der Artillerie<\/p>\n<p>12.50 Uhr &#8211; 1 Uhr Pause<\/p>\n<p>1 Uhr &#8211; 3.30 Uhr Artilleriefeuer mittlerer St\u00e4rke<\/p>\n<p>3.30 Uhr &#8211; 3.40 Uhr Artillerie-Feuerpause, Maschinengeweher-Feuer von den benachbarten Bergen Eichenrain und Schratzm\u00e4nnle<\/p>\n<p>3.40 Uhr &#8211; 4.20 Uhr Artilleriefeuer<\/p>\n<p>4.20 Uhr &#8211; 4.30 Uhr v\u00f6llige Pause<\/p>\n<p>4.30 Uhr &#8211; 5.10 Uhr Artilleriefeuer<\/p>\n<p>5.10 Uhr &#8211; 5.20 Uhr Artillerie-Feuerpause, Maschinengewehr-Feuer vom Eichenrain und Schratzm\u00e4nnle<\/p>\n<p>5.20 Uhr &#8211; 6 Uhr h\u00f6chste Steigerung des Artilleriefeuers<\/p>\n<p>6 Uhr Infanteriesturm und Vorverlegen des Artilleriefeuers<\/p>\n<p>Der Ernst und die Schwere der Aufgabe, die zu l\u00f6sen ist, steht jedem auf dem Gesicht geschrieben. Die Kuppe des Lingekopfes hat ja nach dem ersten Verlust schon mehrfach den Besitzer gewechselt. Wiederholt sind deutsche Truppen gegen diese starke Begbefestigung todesmutig angerannt, immer wieder ist sie in die Hand der Feinde zur\u00fcckgefallen. Nun sollen Niedersachsen sich endg\u00fcltig in den Besitz des Berges setzen.<\/p>\n<p>Aber bei Einsicht in die sorgsame Vorbereitung dieses Angriffs muss einem das Herz leicht werden. und so ist es auch. Keiner zweifelt mehr an dem Erfolg des Unternehmens. Auch unsere Leute nehmen den Befehl ruhig und gefasst auf. Den Ernst der Lage erkennt jeder, jeder wei\u00df auch, dass es Opfer kosten wird. Aber nirgends eine Spur von Niedergeschlagenheit!. Nur eines behagt der am rechten Fl\u00fcgel liegenden 3. Kompanie niecht: In dem Angriffsplan ist nicht erw\u00e4hnt, ob das vor ihrer Stellung liegende franz\u00f6sische Blockhaus gest\u00fcrmt werden soll. Es hei\u00dft nur, dass die 3. Kompanie die Flankensicherung \u00fcbernehmen und der 4. Kompanie folgen soll. Leutnant Presler eilt rasch zum Bataillon und erh\u00e4lt die Erlaubnis f\u00fcr die Erst\u00fcrmung des Blockhauses. Leutnant Conrad soll dabei mit einem Maschinengewehr helfen. Nach dieser wertvollen Erg\u00e4nzung des Angriffsplanes ist alles klipp und klar. In unserem Tatendrang ist uns der Besitz des Berges schon so gut wie sicher.<\/p>\n<p>Auch au\u00dferhalb der Sturmkolonnen wird Klarheit geschaffen. Handgranatentrupps werden ausgesondert, den Z\u00fcgen in 1., 2. und 3. Linie ihre Stellung angewiesen. Die Reservekompanien erhalten die n\u00f6tigen Befehle. Munition und Handgranaten werden erg\u00e4nzt. Kurz, es wird alles bis ins kleinste vorbereitet.<\/p>\n<p>Um 9 Uhr morgens werden unsere vordersten Gr\u00e4ben unauff\u00e4llig ger\u00e4umt. Nur einige Beobachtungsposten bleiben vorne. Gen\u00fcgend Freiwillige haben sich zu diesem gef\u00e4hrlichen Dienst gemeldet.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich ein donnerartiges Krachen. Der Berg erzittert. Unsere schweren Minenwerfer haben ihre Arbeit begonnen. Schuss auf Schuss folgt jetzt. Gespannt blicken wir hinauf auf die H\u00f6he. Schl\u00e4gt so ein Brocken ungef\u00e4hr richtig ein, dann halten wir nicht mit unserem Beifall zur\u00fcck. Es r\u00fchrt sich in uns ein Gef\u00fchl der Vergeltungsfreude. Wurscht wider Wurscht. Damals vom Altmattkopf her haben uns die Franzm\u00e4nner das Leben mit ihren Minen sauer gemacht. Heute sollen sie selber einmal sp\u00fcren, wie wohl das tut.<\/p>\n<p>Nach einer Stunde, um 10 Uhr, kommt ein neuer Ton in das Konzert. Heulend saust die erste Granate \u00fcber unsere K\u00f6pfe weg in die feindliche Stellung. Die Artillerie schie\u00dft sich ein. Eine Batterie nach der andern beginnt das Feuer. Vom kleinkalibrigen Gebirgsgesch\u00fctz bis zum 21-cm-M\u00f6rser. Auch ein Artilleriebeobachter hat sich vorne bei uns eingefunden. Er sucht Anschluss an seine Zentrale, aber es gelingt ihm nicht.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr steigert sich der Ehrgeiz unserer Artillerie, feindliche Stellung kurz und klein zu hauen. Schon fliegen die Balken und Felsdeckungen eines franz\u00f6sischen Unterstandes hoch durch die Luft. Im n\u00e4chsten Augenblick sitzt auch schon ein 21er in unserem Graben. Fernsprecher her! Aber die Verbindung zur Artillerie klappt immer noch nicht. Also Meldeg\u00e4nger los! Sie hasten den Berg hinab. Einige Posten kommen von vorn zur\u00fcck: der eigene Graben liegt unter Feuer. Wieder wird an der Artilleriestrippe gebastelt. Vergebens! Kein Schwanz meldet sich.<\/p>\n<p>Inzwischen hauen die Granaten immer k\u00fcrzer ein. Ein Pioniertrupp, der an der Riegelstellung arbeitet, verliert durch ein Schrapnell 7 Mann. Auch in unsern Reihen f\u00e4llt hier und dort einer aus. Die Sturmkolonnen m\u00fcssen weiter zur\u00fcckgenommen werden. Noch k\u00fcrzer schlagen die Geschosse ein. Noch mehr zur\u00fcck die Sturmmannschaften! Bange taucht die Frage auf, ob wir bei der Steilheit des Berges \u00fcberhaupt fr\u00fchzeitig genug oben sein k\u00f6nnen, bevor der Franzmann wieder in seinen Gr\u00e4ben ist.<\/p>\n<p>Endlich ist die Verbindung mit der Artillerie hergestellt. Unsere Meldung \u00fcber das Zukurzschie\u00dfen wird aber nicht geglaubt. Die &#8222;eigene feindliche Artillerie&#8220;, wie sie schnell getauft wird, schie\u00dft weiter. Sie r\u00e4umt zwar gut in der franz\u00f6sischen Stellung auf, leistet sich aber immer noch Kurzsch\u00fcsse, die uns immer neue Verluste zuf\u00fcgen. Bis zum Abend 200 Mann!<\/p>\n<p>Sichtbar belebt wird die Stimmung, als um 1 Uhr mittags das Wirkungsschie\u00dfen beginnt. Ein Hagel von Geschossen aller Kaliber, vom dumpfen Krachen schwerer Minen unterbrochen, zerschl\u00e4gt die feindlichen Gr\u00e4ben. Beunruhigt tacken die franz\u00f6sischen Maschinengewehre. Die H\u00f6henstellung verschwindet im Rauch und Pulverqualm. Aber immer noch schl\u00e4gt das unruhige Gewehrgeknatter an unser Ohr. Noch ist der Franzmann nicht m\u00fcrbe!<\/p>\n<p>Eine wohltuende Abwechslung in das bet\u00e4ubende Krachen der Granaten und Minen bringen mehrere Feuerpausen von 10 Minuten. Dann setzen unsere Maschinengewehre hinter uns ein und fegen mit ihren Garben \u00fcber unsere K\u00f6pfe hinweg. Deutlich h\u00f6ren wir jetzt die angstvollen Schreie der verwundeten Franzosen \u00fcber uns. Unser Wirkungsschie\u00dfen muss ja auch f\u00fcrchterlich da oben gew\u00fctet haben.<\/p>\n<p>Aber auch diese Feuerpausen haben f\u00fcr die Franzm\u00e4nner schreckliche Folgen, wie die mit Leichen angef\u00fcllten Gr\u00e4ben sp\u00e4ter zeigen. Mit dem auf die Minute festgesetzten Abbrechen unseres Artilleriefeuers glauben n\u00e4mlich die Franzosen, dass nun unser Angriff beginnt. Sie st\u00fcrzen aus ihrer Reservestellung nach vorne und stehen schussbereit da. Gespannt warten sie auf die ersten Ziele, die sich zeigen &#8211; warten und warten &#8211; da haut auch schon wieder nach der Feuerpause die erste schwere Granat mitten unter sie und vernichtet alles.<\/p>\n<p>Von 5.15 Uhr ab erh\u00f6ht sich die Feuergeschwindigkeit unserer Artillerie. Ein Orkan von Eisen und Stahl fegt durch die Luft. Baumst\u00e4mme st\u00fcrzen mit dumpfen Aufschlag, Felsen bersten krachend und \u00fcbersch\u00fctten uns mit einem Steinhagel.<\/p>\n<p>Aber je toller es zugeht, desto mehr steigert sich unsere Angriffslust. Der Zeitpunkt f\u00fcr das Hervorbrechen kann kaum abgewartet werden. Bajonette blitzen schon \u00fcber den Gewehrm\u00fcndungen, im Sturmgep\u00e4ck steht Mann an Mann an den Ausfallstufen.<\/p>\n<p>Schlag 6 Uhr springen die Zugf\u00fchrer aus den Gr\u00e4ben, gefolgt von ihren tapferen Mannschaften. Jetzt alles heran an den Feind, auch die Reserven. Handgranatentrupps vor! Kein Gewehrschuss darf fallen, bevor wir nicht oben sind. In keuchender Eile geht es den Berg hinauf. Schon im eigenen Drahtverhau ganz am rechten Fl\u00fcgel f\u00e4llt als erster des Sturmes Leutnant Kruse von der 3. Kompanie. Eine wohlgezielte Infanteriekugel hat ihn zu Tode getroffen. Handgranaten- und Maschinengewehr-Feuer aus dem Blockhaus empf\u00e4ngt die St\u00fcrmenden.<\/p>\n<p>\u00dcber alles kann den ungest\u00fcmen Schwung von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften nicht mehr schw\u00e4chen. Schon k\u00fcnden die ersten Detonationen von Handgranaten, dass die Kuppe erreicht ist. Am rechten Fl\u00fcgel st\u00fcrmen mit hocherhobenem Stock und die Pistole in der linken Leutnant Presler und Zizefeldwebel Kr\u00fcger ihren Kameraden voraus. Bald sind sie am Blockhaus. Leutnant Presler steht eben aufrecht davor. Da l\u00e4uft ein Alpenj\u00e4ger mit dem Bajonett auf ihn los. Er wehrt den Angreifer mit dem Stock ab. Jetzt sind auch schon die ersten von der Gruppe da. &#8222;Packt ihn!&#8220; Sie st\u00fcrzen sich auf den Alpenj\u00e4ger. Der wirft aber das Gewehr fort. In w\u00fctendem Nahkampf werden die Reste der Besatzung den Berg hinabgeworfen. Wer sich von den Alpenj\u00e4gern noch wehrt, wird niedergemacht oder gefangengenommen.<\/p>\n<p>Unweit davon st\u00fcrmt mit seltenem Schneid ein anderer Trupp in die feindliche Stellung. Leutnant Warnecke ist es von der 4. Kompanie an der Spitze seines aus lauter Freiwilligen bestehenden Handgranatentrupps. Mit lautem Hurra werden die Gr\u00e4ben genommen.<\/p>\n<p>Unteroffizier G\u00f6tze (1. Kompanie) ist einer der ersten und geht der Besatzung mit bekannter Furchtlosigkeit zu Leibe. Vier Offiziere und \u00fcber 20 Mann werden zu Gefangenen gemacht.<\/p>\n<p>Unteroffizier Schnelle steht ihm als F\u00fchrer eines weiteren Freiwilligentrupps an heroischer Tapferkeit nichts nach. Als er den zweiten feindlichen Graben noch besetzt findet, geht er mit blanker Waffe vor, springt als erster mitten unter die verdutzten Franzosen und r\u00e4umt nun mit Hilfe seiner braven Leute gr\u00fcndlich auf. Da st\u00fcrmt ihm mit aufgepflanztem Bajonett Verst\u00e4rkung entgegen. Kaltbl\u00fctig l\u00e4sst er sie herankommen und erledigt sie im Nahkampf. Schnelle h\u00e4lt mit wenigen Leuten seinen Graben gegen vielfache \u00dcbermacht. Dabei findet der heldenhafte Gefreite Bakemeyer den Tod durch Handgranate.<\/p>\n<p>Soweit das Auge reicht, rechts und links, \u00fcberall ist der Nahkampf entbrannt. Wir wissen kaum, wie wir hinaufgekommen sind, aber wir sind oben. Schrapnells krepieren \u00fcber, Handgranaten neben uns. Wir stehen im erstickenden Pulverdampf. Gesichter tauchen auf aus dem Dunst. Hier auf einem Felsblock der Kompanief\u00fchrer der 3., Leutnant Heweker. Mit bombiger Ruhe leitet er durch Zeichen den Sturm. Im n\u00e4chsten Augenblick h\u00fcllt ihn wieder eine Dampfwolke ein. und wie die Leute k\u00e4mpfen! Jeder einzelne! Ein Bild f\u00fcr einen Schlachtenmaler!<\/p>\n<p>Fast \u00fcberall wehrt sich der Franzmann tapfer. Wenn man bedenkt, dass er viele Stunden im zerm\u00fcrbenden Wirkungsfeuer gestanden hat, so k\u00f6nnen wir heute seiner Z\u00e4higkeit und seinem Mut nur Achtung zollen. Mitten im Kampf versucht er seine Maschinengewehre in T\u00e4tigkeit zu setzen. Aber umsonst. Er wird von unseren w\u00fctenden Leuten einfach \u00fcberrannt. Das Gewehr spielt jetzt keine Rolle mehr. Sie gehen ihm mit Handgranaten zu Leibe. Als der Vorrat zu Ende geht, nehmen sie Felsst\u00fccke. Dicke Steine fliegen in hohem Bogen hinter den Fl\u00fcchtenden her. Derbe, f\u00fcr den Franzmann wenig schmeichelhafte Kraftworte begleiten sie.<\/p>\n<p>Da! Ein Lager franz\u00f6sische Handgranaten. Irgendeiner hat es entdeckt. Ein Alpenj\u00e4ger wird geschnappt, der muss schnell Unterricht erteilen. In der n\u00e4chsten Minute schon sausen die kleinen Dinger den Berg hinunter, mitten unter die feindlichen Wellen, die im Gegensto\u00df nach oben dr\u00e4ngen. Gerade noch rechtzeitig kommt von r\u00fcckw\u00e4rts ein neuer Vorrat an Handgranaten. Wum &#8230; Wum &#8230; Wum &#8230; Krachend bersten sie und rei\u00dfen blutige L\u00fccken. Der Angreifer gibt f\u00fcr diesmal auf. Hinter Feldbl\u00f6cken Schutz suchend springt er wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Derweilen wird aus dem Blockhaus schon das erste Maschinengewehr als Beute herausgetragen. In heller Begeisterung springt der junge Vizefeldwebel Kr\u00fcger, ungeachtet der feindlichen Geschosse, oben auf einen freisthenden Felsblock, schwenkt die M\u00fctze und stimmt das Lied &#8222;Deutschland, Deutschland \u00fcber alles&#8220; an. Wie ein Sturmgesang braust es durch die Reihen der Lingekopferoberer &#8222;\u00fcber alles, \u00fcber alles in der Welt!&#8220;<\/p>\n<p>Leutnant Conrad hat inzwischen sein Maschinengewehr unter uns\u00e4glichen Schwierigkeiten und Gefahren an einer vorspringenden Bergnase in Stellung gebracht und feuert mit eiserner Ruhe in die abziehenden Reihen der Alpenj\u00e4ger. Sein Ziel ist lohnend, denn schon setzen ganze Trupps von Franzosen dicht unter ihm zum Gegensto\u00df an. Er schie\u00dft sie alle, ehe sie sich richtig entwickeln k\u00f6nnen, mit staunenswerter Sicherheit zusammen. Ein Bild eigener Gr\u00f6\u00dfe, wie er seinen tapferen Leuten, den Kugeln preisgebend, auf einem freien, erh\u00f6hten Fels liegt und ins Tal hinunterfeuert.<\/p>\n<p>Doch pl\u00f6tzlich verstummt sein Gewehr. Von einem Querschl\u00e4ger in die Schulter getroffen, sinkt der tapfere Offizier blut\u00fcberstr\u00f6mt hinter seiner Waffe zusammen. W\u00e4hrend er verbunden wird, hat schon ein anderer das Gewehr ergriffen und feuert in den Berg heraufkommender Reihen. Zu Tode getroffen sinkt auch dieser Brave in die Kniee. Ein dritter wagt es, die Handgriffe zu nehmen und auf den Abzugshebel zu dr\u00fccken. Nur wenige Kugeln sind heraus, da schweigt sein tack-Tack wie abgerissen. Eine Kugel in den Bauch hat den Tapferen hingerafft. Sekunden nur, da liegt der vierte ohne Zaudern an den Griffen und m\u00e4ht den Hang hinunter, bis auch dieser nach wenigen Augenblicken verwundet heruntergetragen wird.<\/p>\n<p>Das Mschinengewehr muss aus allern\u00e4chster N\u00e4he Flankenfeuer bekommen. Das ist den wenigen \u00dcberlebenden klar. Und wirklich! Als einige Leute sich kriechend an den Bergvorsprung der rechten Flanke heranpirschen, gewahren sie nur 15 Meter unter sich hinter einem Felsen einen einzelnen Alpenj\u00e4ger, wie er in aller Gem\u00fctsruhe sein Gewehr l\u00e4dt und gerade anlegen will. Im Nu kracht ein Hagel von Handgranaten zu ihm hinunter und macht ihn unsch\u00e4dlich. Ganz allein hatte sich dieser verwegene Bursche dort gehalten und unsere gesamte Maschinengewehr-Besatzung auf kurze Entfernung abgeknallt.<\/p>\n<p>Gott sei Dank ist diese Gefahr nun endg\u00fcltig beseitigt. Die vordere Linie links vom blockhaus ist unter F\u00fchrung des Unteroffizier B\u00fcnnemeyer eifrig dabei, Sands\u00e4cke zu f\u00fcllen und die eingenommene Stellung zu beseitigen. Reserven schieben sich ein und f\u00fcllen die L\u00fccke. Es ist aber auch h\u00f6chste Zeit! Denn ganze Gruppen von Alpenj\u00e4gern dr\u00e4ngen hinter Felsbl\u00f6cken und Baumst\u00fcmpfen aufw\u00e4rts. Sie wollen mit aller Gewalt wieder die Kuppe haben. Aber Handgranate auf Handgranate fliegen ihnen vor die F\u00fc\u00dfe, so dass keiner von ihnen an die von B\u00fcnnemeyer verteidigte Linie herankommt. Fest ist sie in der Hand der Unsrigen.<\/p>\n<p>Unvergessen bleibt die tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung der 9. Kompanie, die am 4. August zusammen mit dem I. Bataillon eingesetzt wurde. Auch sie hat gro\u00dfen Anteil an den erfolgen der Sturmabteilung Heweker. Im Verbande dieser Abteilung dringen Teile der 9. Kompanie unter F\u00fchrung des bei diesem Sturm gefallenen Offizierstellvertreter Eschenb\u00fcscher bis \u00fcber den zweiten feindlichen Graben vor. Der Gefreite Recksieck bem\u00e4chtigt sich eines franz\u00f6sischen Maschinengewehrs und macht erst vor dem dritten feindlichen Graben halt.<\/p>\n<p>Was nun geschieht, schildert uns Kamerad Schwarting in lebendigen Worten:<\/p>\n<p>&#8222;Auf der granatenzerstampften Kuppe liegen die Sieger in fieberhafter T\u00e4tigkeit. Sands\u00e4cke werden in ununterbrochener Kette von unten heraufgelangt und am Rande der Kuppe aufgebaut. Auf dem Leibe kriechend, schiebt jeder die Verteidigungslinie so weit hinaus, wie es eben geht. Zerschossene Baumst\u00e4mme werden zur Befestigung zwischen die Sands\u00e4cke gelegt. Dann werden die Stahlschilde mit den Schie\u00dfscharten eingebaut. Von Minute zu Minute wird der Verteidigungsdamm h\u00f6her und fester. Schon kann der Mann in seinem Schutze dahinter knien, bald steht er aufrecht und sp\u00e4ht durch die Scharten den Hang hinunter, wo hinter Felsen noch Feinde kauern und Schuss auf Schuss gegen die entstehende Brustwehr senden. Aber sie m\u00fcssen zur\u00fcck, Schritt f\u00fcr Schritt; denn w\u00e4hrend bei uns die einen bauen, schleudern andere Handgranaten, die mit furchtbarem Get\u00f6se explodieren und Schrecken und Verw\u00fcstung verbreiten.&#8220;<\/p>\n<p>Die Beute des I. Bataillons ist gro\u00df. Allein vier Offiziere, ein Arzt und ca. f\u00fcnfzig unverletzte Alpenj\u00e4ger werden an Gefangenen gez\u00e4hlt. Eine gro\u00dfe Anzahl tote und schwerverwundete Franzosen bedecken den Kampfplatz. Zwei Maschinengewehre mit viel Munition, Hunderte von Handgranaten, zwei Fernsprechapparate (aus dem Blockhaus) und wertvolles Feldbefestigungsmaterial ist in unsere H\u00e4nde gefallen. Die eigenen Verluste betragen 1 Offizier, 7 Unteroffiziere, 28 Mann tot; 1 Offizier, 18 Unteroffiziere, 103 Mann verwundet.<\/p>\n<p>Die Sturmkolonne des II. Bataillons war von gleichem Angriffsgeist beseelt. Als erster verl\u00e4sst Hauptmann Bowien um 6.10 Uhr den Graben und geht mit seiner Abteilung mit gro\u00dfem Schnei vor. Da schl\u00e4gt ein Volltreffer in die 7. Kompanie. Das Hurra erstirbt auf den Lippen. Elf Mann tot! Schon scheint die Sturmkolonne an dieser Stelle zu schwanken, da springt Hauptmann Bowien vor und rei\u00dft seine Leute mit sich vorw\u00e4rts. Gewehr- und Handgranatenfeuer prasselt ihnen entgegen. Durch einen Brustschuss schwer getroffen sinkt Hauptmann Bowien zu Boden.<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Leute gibt es jetzt kein Halten mehr. W\u00fctend arbeiten sie sich der Kuppe zu. Der Sturm gelingt der 7. und 8. Kompanie bis \u00fcber die feindliche Stellung hinaus. Vierzig Franzosen werden zu Gefangenen gemacht. Die Beute betr\u00e4gt: 1 Maschinengewehr, 300 Gewehre und einige hundert Handgranaten. Erst als die Meldung von dem sicheren Besitz der feindlichen Stellung zu ihm gelangt, l\u00e4sst sich Hauptmann Bowien mit einem letzten Hoch auf seine 7. Kompanie nunmehr v\u00f6llig entkr\u00e4ftet zur\u00fccktragen. Tags darauf erliegt er in Kolmar seinen Wunden. Mit ihm fielen Leutnant Schleip durch Herzschuss und 16 tapfere Leute. Verwundet wurden Leutnant Sahlmann, Offizierstellvertreter Sommerlatte und 106 Mann.<\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich wird das Gefechtsfeld \u00fcbersichtlich. Der Lingekopf ist unser. Die rechte Sturmkolonne hat zwei Gr\u00e4ben genommen und beherrscht jetzt den jenseitigen Berghang. Auch die mittlere Kolonne hat ihr Ziel erreicht bis auf ein Grabenst\u00fcck von etwa 100 Meter Breite, das die Franzosen noch z\u00e4h verteidigen.<\/p>\n<p>Nur dem linken Fl\u00fcgel war trotz r\u00fccksichtslosen Draufgehens kein Erfolg beschieden. Sein Angriffsziel war das sogenannte Franzosennest, das zwischen Lingekopf und Schratzm\u00e4nnle liegt. Eine Befestigungsanlage, die durch Blockh\u00e4user und Sappen stark gesichert ist.<\/p>\n<p>Schon bei der Artillerievorbereitung gehen mehrere Volltreffer schweren Kalibers in die eigenen Gr\u00e4ben, wie \u00fcberhaupt der ganze linke Fl\u00fcgel am schwersten unter den verh\u00e4ngnisvollen Kurzsch\u00fcssen zu leiden hat. Heillose Verwirrung entstehnt. Man rennt bald hier, bald dorthin, um sich vor den eigenen Granaten zu sch\u00fctzen. Aber nirgends ist man sicher. Hier steht eine Gruppe der 10. Kompanie angstvoll zusammengepresst. Da&#8230;ein einziger Aufschrei! Ein gutes Dutzend blutender Leiber windet sich im schwefeldampfenden Erdreich. Sechs Mann allein tot, darunter der schneidige Unteroffizier M\u00fcrrle. Die \u00fcbrigen schwer verwundet. Verzweifelte Rufe der N\u00e4chststehenden. Schon schl\u00e4gt dicht dabei eine neue Granate ein. Wohin? Wohin? Wut, Angst, Entsetzen spricht aus den Gesichtern.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass die Verb\u00e4nde auseinanderrei\u00dfen. Die \u00dcbersicht geht verloren. An eine Bildung von Sturmgruppen ist jetzt nicht mehr zu denken. Denn die Zeit des Sturmbeginns r\u00fcckt immer n\u00e4her. Schnelles Handeln ist n\u00f6tig, um den Anschluss an den vorgehenden Nachbarn nicht zu verlieren.<\/p>\n<p>Hauptmann Settmaier setzt daher die 12. Kompanie unter seiner F\u00fchrung frontal ein, w\u00e4hrend die 11. Kompanie von links flankierend eingreifen soll. Kaum aber haben die ersten Gruppen den Graben verlassen, als ihnen ein wahres H\u00f6llenfeuer entgegenschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Mit dem Degen in der Hand springt Vizefeldwebel Klug von der 11. Kompanie seinem Zuge weit voraus. Als er sich nach einer Atempause zum letzten Vorsto\u00df gegen das Franzosennest anschickt und zum Sprung aufrichtet, sinkt er in die Stirn getroffen lautlos zu Boden. M\u00e4chtig setzt sich der Feind zur Wehr. Ungeschw\u00e4cht empf\u00e4ngt er die Unsrigen mit einer Anzahl von Handgranaten. Bis auf 20 und 30 Meter gelangen die Vorw\u00e4rtsst\u00fcrmenden an das Franzosennest heran. Die Verluste mehren sich bedenklich. Besonders fegt franz\u00f6sisches Maschinengewehr-Feuer vom Schratzm\u00e4nnle her in die Reihen der Angreifer, die jetzt dicht vor ihrem Ziel liegen.<\/p>\n<p>Es macht den letzten entscheidenden Sto\u00df unm\u00f6glich. Ein Verbleiben in dieser Lage ist zwecklos. Nur der Ersatz-Reservist Starke von der 12. Kompanie bleibt in opferbereiter Soldatentreue 15 Meter vor dem feindlichen Drahtverhau bei einem Schwerverwundeten in einem Granatloch liegen, schneidet seinen Mantel in Streifen und bindet seinem verblutenden Kameraden das Bein ab. Sp\u00e4ter bringt er den so geretteten wohlbehalten in den deutschen Graben zur\u00fcck.<\/p>\n<p>An anderer Stelle st\u00fcrmen unsere braven Leute noch weiter und gelangen bis in die feindlichen Gr\u00e4ben. Sie haben m\u00f6rderische Verluste. W\u00e4hrend rechts beim I. und II. Bataillon die H\u00f6henstellung des Feindes g\u00e4nzlich von Artillerie und Minen zertr\u00fcmmert waren, ist hier am linken Fl\u00fcgel das stark ausgebaute Franzosennest noch vollst\u00e4ndig intakt. Unsere Artillerie hat unter den Kompanien des III. Bataillons fast noch st\u00e4rker aufger\u00e4umt als oben in dem Felsennest beim Franzmann. Von allen Seiten tacken Gewehre und Maschinengewehre hinter unbesch\u00e4digten Grabenwehren und speien ihre todbringenden Geschosse \u00fcber unsere hinter Felsst\u00fccken geduckten K\u00f6pfe. Trotzdem kommen einzelne Gruppen Schritt f\u00fcr Schritt, Sprung f\u00fcr Sprung n\u00e4her heran. Sie wollen doch hinter den Kameraden von rechts nicht zur\u00fcckstehen. Ein ma\u00dfloser Ehrgeiz beseelt sie, es den anderen gleich zu tun. Sie wissen nur nicht, dass sie unter bedeutend schwereren Verh\u00e4ltnissen k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Jetzt gelingt es dem Reservisten Sp\u00f6r von der 10. Kompanie zusammen mit 2 Kameraden in den feindlichen Graben zu springen. Da steht in n\u00e4chster N\u00e4he ein feuerndes Maschinengewehr. Wie die L\u00f6wen st\u00fcrzen sie auf die Besatzung, entrei\u00dfen ihr die furchtbare Waffe. Mit ihnen sind noch andere durch den Kugelregen nach oben gekommen. Schnell versuchen sie sich einzurichten. Aber es ist unm\u00f6glich. Sie erhalten vom nahen Schratzm\u00e4nnle aus, der einige Meter h\u00f6her liegt, ein derartig heftiges Flankenfeuer, dass sie sich nicht halten k\u00f6nnen. Ganz wenigen nur gl\u00fcckt es, unseren Graben wieder zu erreichen. Darunter auch der Reservist Sp\u00f6r, der allein seine kostbare Beute, das franz\u00f6sische Maschinengewehr zur\u00fcckschleppt.<\/p>\n<p>Wenn der Sturmkolonne Settmaier auch kein greifbarer Erfolg beschieden ist: sie hat sich unter den ung\u00fcnstigsten Bedingungen heldenhaft geschlagen. Ihre Leistungen sind vollkommen ebenb\u00fcrtig. Trotz schwerer Verluste versucht sie noch am gleichen Tage, 8.30 Uhr abends mit Unterst\u00fctzung der 5. Kompanie des bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments 2 einen neuen Sturm auf das Franzosennest. Aber auch dieser scheitert an der Wachsamkeit und z\u00e4hen Gegenwehr der Alpenj\u00e4ger. Ohne Zerst\u00f6rung der feindlichen Blockh\u00e4user muss jedes Anrennen gegen diese kleine Bergfestung zerschellen.<\/p>\n<p>Inzwischen ist auch schon die Nacht hereingebrochen. Das Get\u00f6se in den Bergen verhallt. Nur ab und zu platzten dumpf ein paar Handgranaten. Vereinzelte Gewehrsch\u00fcsse durchschneiden scharf die n\u00e4chtliche Stille. So bleibt es bis zum fr\u00fchen Morgen.<\/p>\n<p>Unterdessen wird fieberhaft daran gearbeitet, die eroberten Gr\u00e4ben zur Verteidigung herzurichten und zu verst\u00e4rken. Sands\u00e4cke werden gef\u00fcllt und aufget\u00fcrmt, Handgranaten, Stacheldraht, Schutzschilder, Munition nach oben geschleppt. Denn wir rechnen damit, dass der Franzmann alles versuchen wird, die beherrschende H\u00f6he zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n<p>Wieder andere gehen einer Besch\u00e4ftigung nach, die viel trauriger stimmt. In langen Z\u00fcgen sieht man die Sanit\u00e4ter talw\u00e4rts ziehen. Auf Bahren und in Zeltbahnen schleppen sie m\u00fchsam die Schwerverwundeten und toten Kameraden den Berg hinab. Unsere Regimentsmusiker helfen dabei tapfer mit, wie sie uns auch Essen und Munition auf die H\u00f6he heraufgebracht haben.<\/p>\n<p>Was sind das hier f\u00fcr Unterst\u00e4nde? Matter Kerzenschimmer dringt heraus. Es ist ein fortw\u00e4hrendes Kommen und Gehen. Die schwankenden Lasten der Krankentr\u00e4ger verschwinden in den schmalen Eing\u00e4ngen. Leer kommen die Leute mit der Roten Kreuzbinde wieder zur\u00fcck, oder aber sie st\u00fctzen einen Kameraden, dessen wei\u00dfer Verband gespenstisch durch die Dunkelheit leuchtet.<\/p>\n<p>Das sind die Verbandstellen des Regiments. In ihnen sehen wir unsere \u00c4rzte Dr. Willms, Dr. Eichwald, Dr. Grenacher und Dr. Cordua mit aufgekrempelten Hemd\u00e4rmeln und blutigen Kitteln hantieren. Sie leisten die erste Hilfe, geben Tetanusspritzen, verbinden, lindern, sprechen gut zu. Unaufh\u00f6rlich kommen sie hereingetragen oder herangehumpelt; jeder verl\u00e4sst erleichtert, gest\u00e4rkt und aufgemunutert den von frischem Blut geschw\u00e4ngerten Raum. Der Abtransport ist gut organisiert. Sie brauchen nicht lange zu warten, die Verwundeten, dann geht ein neuer Schub nach r\u00fcckw\u00e4rts, Wagen nehmen sie auf und bringen sie in saubere Lazarette, wo ein wei\u00dfes Bett, eine liebevolle Pflege ihrer wartet.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Heinrich Br\u00fcckweh auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-root=\"1\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Ammerschwihr,+Frankreich\/@48.1167085,7.2318824,13z\/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x479161162b7e2d4f:0x40a5fb99a3940d0!8m2!3d48.1256119!4d7.281956\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ammerschwihr<\/a><\/span> in <span data-sheets-root=\"1\">Grab 76.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_3325\" aria-describedby=\"caption-attachment-3325\" style=\"width: 477px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3325\" src=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Heinrich-Brueckweh.jpg\" alt=\"\" width=\"477\" height=\"800\" srcset=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Heinrich-Brueckweh.jpg 477w, http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Heinrich-Brueckweh-179x300.jpg 179w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 85vw, 477px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3325\" class=\"wp-caption-text\">Das Grab von Heinrich Br\u00fcckweh auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Heinrich Br\u00fcckweh wurde am 10.04.1893 geboren stammte aus der nieders\u00e4chsischen Landeshauptstadt Hannover. 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