{"id":4064,"date":"2025-03-24T00:00:55","date_gmt":"2025-03-23T23:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/soldatenschicksale.de\/?p=4064"},"modified":"2025-02-18T08:39:03","modified_gmt":"2025-02-18T07:39:03","slug":"soldatenschicksale-des-1-weltkrieges-teil-214-jakob-waller","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/soldatenschicksale.de\/?p=4064","title":{"rendered":"Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 214: Jakob Waller"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Jakob Waller stammte aus der bayerischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oberaudorf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oberaudorf<\/a>. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Gefreiter in der 2. Kompanie des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 18.08.1915 fiel er w\u00e4hrend der Vogesenk\u00e4mpfe n\u00f6rdlich der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Munster_(Haut-Rhin)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnster<\/a> (franz\u00f6sisch: Munster, els\u00e4ssisch: Menschter) am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Collet_du_Linge\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lingekopf<\/a>.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Anton Gassenhuber berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;In der Nacht zum 18. August \u00fcbernahm das I. Bataillon die Stellungen am Lingekopf.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Teil der Lingekopf-Stellung hatte den Besitzer wiederholt gewechselt, er war am 4. August den Franzosen wieder entrissen worden und es war deshalb damit zu rechnen, dass dieselben ihn wieder zu erlangen trachten w\u00fcrden.<\/em><\/p>\n<p><em>Am 17. August hatte ab 4 Uhr nachmittags feindliches Artilleriefeuer auf dem Lingekopf und dem Raum \u00f6stlich davon gelegen und bis 10 Uhr nachts mit ziemlicher Heftigkeit angedauert. Ein Infanterieangriff war aber nicht erfolgt. In der Nacht vom 17.\/18. August hielt der Feind die Stellung unter m\u00e4\u00dfig starkem Infanteriefeuer, warf zahlreiche schwere Minen auf den Ostabhang und machte zeitweise kurze Artillerie\u00fcberf\u00e4lle.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Vormittag des 18. verlief ruhig. 3., 1. und 4. Kompanie waren vorne eingesetzt, 2. Kompanie Reserve. Die vorderste Linie war nur mit schwachen Postierungen besetzt, die \u00fcbrigen Teile der Kompanien waren gruppenweise in den Unterschlupfen der Reservestellung untergebracht. Die 2. Kompanie lag mit zwei Z\u00fcgen in den Unterst\u00e4nden n\u00e4chst dem Bataillonsunterstand, ein Zug hatte die Riegelstellung besetzt.<\/em><\/p>\n<p><em>3.45 setzte lebhaftes Artilleriefeuer auf den Lingekopf ein, vom Schwarzberg kam Flankenfeuer auf den Ostabhang. Vor diesem \u00e4u\u00dferst heftigen Feuer wich die 1. Kompanie unter Zur\u00fccklassung von Postierungen bis zur Riegelstellung zur\u00fcck, ebenso ein Teil der 4. Kompanie.<\/em><\/p>\n<p><em>Da nun ein Angriff mit Sicherheit zu erwarten war, zog der Kommandeur I.\/Landwehr-Infanterie-Regiment 1 das ihm unterstellte III.\/Reserve-Infanterie-Regiment 74 heran, das aber nur mit ganz geringer Gefechtsst\u00e4rke eintraf.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Artilleriefeuer dauerte bis gegen 7 Uhr abends.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann brach der Angriff so wuchtig los, dass die Alpenj\u00e4ger die nur schwach besetzte erste und die nahe dahinter liegende zweite Linie \u00fcberrannten und fast bis an den sogenannten Riegel-Graben (3. Linie) vordrangen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Kompanien des Bataillons hatten den Tag \u00fcber im heftigsten Feuer ausharrend hinter den Resten von Unterst\u00e4nden, hinter Felsen und abgeschossenen Baumst\u00e4mmen einigerma\u00dfen Deckung suchend auf den feindlichen Angriff gewartet.<\/em><\/p>\n<p><em>Der schon in den Morgenstunden in der Stellung vorne gegebene Befehl des Regimentskommandeurs hatte gelautet: &#8220; Herr Major, Angriff ist geute bestimmt zu erwarten. Treffen Sie alle Vorbereitungen, sodass das Bataillon dem Angriff in augenblicklichem Gegensto\u00df entgegentritt. Sorgen Sie besonders f\u00fcr Aufrechterhaltung der Verbindung mit den vorne zu belassenden Posten und behalten Sie selber so Verbindung mit den Kompanien, dass diese auf ihren Befehl unverz\u00fcglich losgehen k\u00f6nnen. Dem Feind darf keine Minute Zeit gelassen werden, sich festzusetzen und einzurichten!&#8220; Auf wiederholte Anfragen w\u00e4hrend des schweren Artillerie- und Minenfeuers antwortete der Bataillonskommandeur, Major Orff, stets: &#8222;Herr Oberstleutnant k\u00f6nnen sich verlassen, alles ist bereit, Verbindung nach oben (1. Linie) und zu den Kompanien besteht fortw\u00e4hrend; sobald der Angriff kommt, gehen wir augenblicklich los!&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Die Sicherheit zu dieser beruhigenden Meldung erhielt Major Orff durch das vorbildliche Verhalten der Leutnants Burre und Hampp, wie des Feldwebel-Leutnants Niggl, die die Verbindungsposten zur ersten Linie trotz schwersten Feuers immer wieder nachsahen und f\u00fcr Erg\u00e4nzung der Verluste sorgten.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Gegensto\u00df wurde auch augenblicklich angesetzt, mit bewundernswerter Kraft und verbissener Entschlossenheit erst\u00fcrmte das tapfere Bataillon &#8211; voran die 4. Kompanie &#8211; den steilen felsigen Gipfel, \u00fcber den die Alpenj\u00e4ger, wie oben gesagt, schon ein erhebliches St\u00fcck vorgebrochen waren.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Franzosen, die bereits zwei Maschinengewehre herangebracht hatten, wurden &#8211; \u00fcber unsere erste Linie hinaus &#8211; wieder restlos in ihre eigene Stellung zur\u00fcckgeworfen. Ein franz\u00f6sischer Gefangener erz\u00e4hlte gelegentlich, dass ihnen das furcht- und schreckenserregende, allen Gefechtsl\u00e4rm \u00fcbert\u00f6nende &#8222;Hurra&#8220; der anst\u00fcrmenden Germanen durch Mark und Bein gefahren sei, so dass ihm niemand standzuhalten vermochte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Franzosen musste auch geradezu eine Panik ergriffen haben, da sie ihre Gewehre, die mit der M\u00fcndung in den Graben hereinsahen, dutzendweise liegen lie\u00dfen und zun\u00e4chst davon rannten, im Graben selbst lagen massenhaft tote Franzosen, einer neben dem anderen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der feindliche Graben lag auf n\u00e4chste Entfernung gegen\u00fcber, w\u00fctender Handgranatenkampf folgte gegen die weiter folgenden Angriffswellen der Franzosen.<\/em><\/p>\n<p><em>Seine eigenen Handgranaten hatte das Bataillon bald verworfen. Die Alpenj\u00e4ger hatten jedoch massenhaft Handgranaten, die die Leute wie an einer Perlenschnur um den Hals getragen und dann im Graben niedergelegt hatten, bei ihrer Flucht zur\u00fcckgelassen &#8211; wohl \u00fcber 1.000 -, die zun\u00e4chst niemand zu gebrauchen wusste. Feldwebelleutnant Niggl jedoch versuchte so lange daran herum, bis es ihm gelang, sie zu handhaben. Dann wurden auch diese noch s\u00e4mtlich in die Gr\u00e4ben der Franzosen geschleudert. Hieran hatte Niggl ein besonderes Verdienst.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Verluste des Bataillons betrugen in einer Stunde vier Offiziere (Hauptmann Becker, der erst tags zuvor aus Krankenurlaub gekommen war, und Offiziersstellvertreter Fischer tot, Hauptmann Reisinger und Offizierstellvertreter Gut, dieser schwer verwundet).<\/em><\/p>\n<p><em>26 tote, 174 verwundete und 6 vermisste Unteroffiziere und Mannschaften, zusammen 210.<\/em><\/p>\n<p><em>Trotzdem f\u00fchrte das Bataillon den schweren Angriff durch mit dem Erfolg, dass es die ihm anvertraute Stellung restlos behauptete, dass damit der Lingekopf in deutscher Hand blieb, w\u00e4hrend der gleichzeitig angegriffene, von preu\u00dfischen Truppen besetzte Schratzm\u00e4nnele-Nordr\u00fccken und die Spitze des Schratzm\u00e4nnele verloren gingen.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Jakob Weller auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-root=\"1\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Ammerschwihr,+Frankreich\/@48.1167085,7.2318824,13z\/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x479161162b7e2d4f:0x40a5fb99a3940d0!8m2!3d48.1256119!4d7.281956\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ammerschwihr<\/a><\/span> in Grab 47.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3397\" aria-describedby=\"caption-attachment-3397\" style=\"width: 393px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3397\" src=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Jakob-Waller.jpg\" alt=\"\" width=\"393\" height=\"800\" srcset=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Jakob-Waller.jpg 393w, http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Jakob-Waller-147x300.jpg 147w\" sizes=\"auto, (max-width: 393px) 85vw, 393px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3397\" class=\"wp-caption-text\">Das Grab von Jakob Waller auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Jakob Waller stammte aus der bayerischen Gemeinde Oberaudorf. 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