{"id":7563,"date":"2026-05-11T00:00:50","date_gmt":"2026-05-10T22:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/soldatenschicksale.de\/?p=7563"},"modified":"2025-10-24T15:49:21","modified_gmt":"2025-10-24T13:49:21","slug":"soldatenschicksale-des-2-weltkrieges-teil-619-heinrich-behre","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/soldatenschicksale.de\/?p=7563","title":{"rendered":"Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 619: Heinrich Behre"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Heinrich Behre wurde am 28.01.1884 in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kettenkamp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kettenkamp<\/a> geboren, einem Ortsteil der Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Samtgemeinde_Bersenbr%C3%BCck\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bersenbr\u00fcck<\/a> im heutigen Bundesland Niedersachsen. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Gefreiter in der 3. Kompanie des 74. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 16.06.1915 fiel er w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe in den Vogesen nahe der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Munster_(Haut-Rhin)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnster<\/a> (franz\u00f6sisch: Munster, els\u00e4ssisch: Menschter). Heinrich Behre wurde 31 Jahre alt.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Heinrich Behre berichtet die Regimentsgeschichte des 74. Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die Nacht vom 15. auf 16. Juni vergeht ziemlich ruhig. Jeder Zug hat alle H\u00e4nde voll zu tun, um die eingedepperten Gr\u00e4ben auszubessern, die Toten und Verwundeten zu bergen.<\/p>\n<p>Aber der Franzmann muss aus dem kleinen Grabenst\u00fcck, da er noch besetzt h\u00e4lt, wieder heraus, koste es, was es wolle!!<\/p>\n<p>Am folgenden Tage, dem 16. Juni, soll deshalb ein zweiter Gegensto\u00df erfolgen. Diesmal unter Mitwirkung der Artillerie. Er beginnt am linken Fl\u00fcgel mit der 9. und 10. Kompanie. Der 9. Kompanie weit voraus st\u00fcrmt ihr F\u00fchrer Oberleutnant Engel. Er will den Graben wiedergewinnen. Ein f\u00fcrchterliches, jeder Beschreibung spottendes Artillerie-, Minen- und Gewehrfeuer setzt ein. Aber Oberleutnant Engel f\u00fchrt seine todesmutige Schar immer n\u00e4her heran. Als erster springt er in den Graben, wird schwer verwundet. Seine Leute ihm nach. Mit blankem Bajonett s\u00e4ubern sie das Grabenst\u00fcck, das so eingeebnet ist, dass es kaum noch den Namen &#8222;Graben&#8220; verdient.<\/p>\n<p>Besonders bew\u00e4hrt sich jetzt der Unteroffizier G\u00f6tze von der 1. Kompanie. Kurz vorher war er versch\u00fcttet worden. Es gelingt ihm aber, sich von den Steinmassen selbst zu befreien. Da wird er von den Franzosen umzingelt. Einen unbewachten Augenblick benutzt er durchzubrechen. Erreicht die 9. Kompanie und ist jetzt f\u00fcr den schwer verwundeten Oberleutnant Engel die Seele des Angriffs. Bald ist auch der letzte Franzmann herausgehauen. Die Stellung ist wieder unser.<\/p>\n<p>Gleich darauf setzt ein m\u00f6rderisches Trommelfeuer ein. Es konzentriert sich auf dieses soeben wiedergewonnene Grabenst\u00fcck. Unm\u00f6glich, es zu halten. Die kleine heldenhafte Schar muss wieder zur\u00fcck. Sie ist ja schutzlos dem Feuer ausgesetzt. Vorher schnappt sie sich aber noch Alpenj\u00e4ger und bringt sie mit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Am rechten Fl\u00fcgel ist unser Gegenangriff erfolgreicher. Hier st\u00fcrmt Leutnant Bernett mit seiner 11. Kompanie den fast ebenen Graben, in dem sich schon der Franzmann eingenistet hat. Mit Handgranaten werfen sie ihn hinaus. Den zu unserm zerst\u00f6rten Maschinengewehr f\u00fchrenden Graben, den die Alpenj\u00e4ger besetzt halten, riegeln sie rasch mit einer Barrikade aus Steinen und Sands\u00e4cken ab.<\/p>\n<p>Immer wieder versuchen die Franzosen, in unseren Linien Fu\u00df zu fassen. Geschickt nutzen sie jede L\u00fccke, jede Verwirrung aus. Einmal gelingt es ihnen sogar, mit etwa 20 Mann in den R\u00fccken der 2. Kompanie zu gelangen. Aber die Freude dauert nicht lange. Unsere Leute pfeffern ihnen gewaltig auf den Balg. In wenigen Minuten ist auch diese Gefahr beseitigt.<\/p>\n<p>Immer schwieriger wird jetzt die Verteidigung. Der Franzmann sitzt in dem Grabenst\u00fcck der 1. Kompanie auf dem Braunkopf und schie\u00dft uns dauernd von oben herab in die Flanke. Wir verschanzen uns hinter Sandsackpackungen. Hauptmann Meyer, der gerade mit seinen Leuten zu einem Gegenangriff antritt, sinkt durch die Brust getroffen nieder. Er f\u00fchlt, dass seine Wunde t\u00f6dlich ist. Er dr\u00fcckt noch dem Tambour R\u00f6skamp die Hand und beauftragt ihn, seine Frau und Kinder zu gr\u00fc\u00dfen. Dann verl\u00e4sst ihn das Bewusstsein. Kurz darauf schl\u00e4gt sein Herz den letzten Schlag.<\/p>\n<p>Zu allem \u00dcberfluss schie\u00dft jetzt auch unsere eigene Artillerie zu kurz. Ein Volltreffer zerst\u00f6rt die Sandsackbarrikade, so dass wir wieder dem Flankenfeuer ausgesetzt sind. Leutnant Bernett wird schwer verwundet. Schnell wird aus den Sands\u00e4cken ein neuer Riegel aufgebaut. Dabei zeichnet sich besonders der Gefreite Buttjer, 11. Kompanie, aus.<\/p>\n<p>Gegen 5 Uhr nachmittags setzt die feindliche Artillerie mit ganzer Kraft ein. Sie trommelt den linken Fl\u00fcgel des Abschnitts Bowien derart zusammen, dass selbst die letzten Verbindungswege und Unterst\u00e4nde versch\u00fcttet werden. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck der Stellung br\u00f6ckeln ab. Unter den Steintr\u00fcmmern der versch\u00fctteten Gr\u00e4ben liegt ein Teil der braven 6. Kompanie. Viele sind verwundet, nur ein kleiner Rest h\u00e4lt todesmutig aus.<\/p>\n<p>Alle Reserven sind bereits l\u00e4ngst eingesetzt und zum Teil aufgerieben. Auf Unterst\u00fctzung der Artillerie ist nicht zu rechnen, da alle Fernsprechleitungen zerst\u00f6rt sind. Unter solchen Umst\u00e4nden wird Befehl erteilt, den Abschnitt Bowien, also den Braunkopf zu r\u00e4umen. Ordnungsm\u00e4\u00dfig wird bei Einbruch der Dunkelheit der R\u00fcckzug auf Metzeral angetreten. Hier werden unsere Leute dem Hauptmann Lorenz zur Verteidigung des Ortes zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p>Die K\u00e4mpfe der Kompanien einzeln und ausf\u00fchrlich zu schildern, ist nicht m\u00f6glich. Jede Stellung hatte ihre besondere Eigenart, die durch das wechselreiche Gel\u00e4nde bestimmt wurde. Und eshalb haben sich auch Abwehr und Angriff innerhalb der Kompanien ganz verschieden abgespielt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Heinrich Behre auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-root=\"1\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/P4rSTZbxnXm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Munster<\/a><\/span> in <span data-sheets-root=\"1\">Block 3, Grab 23.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_4126\" aria-describedby=\"caption-attachment-4126\" style=\"width: 652px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4126\" src=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Heinrich-Behre-Wilhelm-Juergens.jpg\" alt=\"\" width=\"652\" height=\"800\" srcset=\"http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Heinrich-Behre-Wilhelm-Juergens.jpg 652w, http:\/\/soldatenschicksale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Heinrich-Behre-Wilhelm-Juergens-245x300.jpg 245w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4126\" class=\"wp-caption-text\">Das Grab von Heinrich Behre und Wilhelm J\u00fcrgens auf dem Soldatenfriedhof M\u00fcnster<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Heinrich Behre wurde am 28.01.1884 in Kettenkamp geboren, einem Ortsteil der Gemeinde Bersenbr\u00fcck im heutigen Bundesland Niedersachsen. 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