Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 636: Ludwig Marioneck

Der Soldat Ludwig Marioneck stammte aus der Stadt Kaiserslautern im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 8. bayerischn Reserve-Sanitäts-Kompanies. Am 25.08.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Man begrub Ludwig Marioneck auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 2, Grab 145.

Das Grab von Karl Tscharke und Ludwig Marioneck auf dem Soldatenfriedhof Münster

Sonderbeitrag: Michael Rieg

Der Soldat Michael Rieg wurde am 12.11.1878 in Niederhochstadt geboren, einem Ortsteil der Gemeinde Hochstadt im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter. Am 25.12.1916 starb er während der Kämpfe in den Vogesen in Frankreich nach einem Unglück.

Man begrub Michael Rieg auf dem Soldatenfriedhof Avricourt in Grab 211.

Das Grab von Michael Rieg auf dem Soldatenfriedhof Avricourt

Sonderbeitrag: August Leiffels

Der Soldat August Leiffels stammte aus Kleinenberg, heute ein Stadtteil von Lichtenau im heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter. Am 07.05.1918 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen.

Man begrub August Leiffels auf dem Soldatenfriedhof Illfurth in Block 4, Grab 315.

Das Grab von Friedrich Kracht und August Leiffels auf dem Soldatenfriedhof Illfurth

Soldatenschicksale des 2. Weltkrieges Teil 629: Erich Przyrembel

Der Soldat Erich Przyrembel wurde am 26.03.1903 in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden geboren. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der deutschen Wehrmacht. Am 27.09.1944 verstarb er nach schwerer Verwundung im Alter von 41 Jahren im Lazarett Altenberg, nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Man begrub Erich Przyrembel auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 3, Grab 8.

Das Grab von Erich Przyrembel und Theodor Hildebrand auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 619: Heinrich Behre

Der Soldat Heinrich Behre wurde am 28.01.1884 in Kettenkamp geboren, einem Ortsteil der Gemeinde Bersenbrück im heutigen Bundesland Niedersachsen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 3. Kompanie des 74. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 16.06.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter). Heinrich Behre wurde 31 Jahre alt.

Über den Todestag und die Todesumstände von Heinrich Behre berichtet die Regimentsgeschichte des 74. Reserve-Infanterie-Regiments:

„Die Nacht vom 15. auf 16. Juni vergeht ziemlich ruhig. Jeder Zug hat alle Hände voll zu tun, um die eingedepperten Gräben auszubessern, die Toten und Verwundeten zu bergen.

Aber der Franzmann muss aus dem kleinen Grabenstück, da er noch besetzt hält, wieder heraus, koste es, was es wolle!!

Am folgenden Tage, dem 16. Juni, soll deshalb ein zweiter Gegenstoß erfolgen. Diesmal unter Mitwirkung der Artillerie. Er beginnt am linken Flügel mit der 9. und 10. Kompanie. Der 9. Kompanie weit voraus stürmt ihr Führer Oberleutnant Engel. Er will den Graben wiedergewinnen. Ein fürchterliches, jeder Beschreibung spottendes Artillerie-, Minen- und Gewehrfeuer setzt ein. Aber Oberleutnant Engel führt seine todesmutige Schar immer näher heran. Als erster springt er in den Graben, wird schwer verwundet. Seine Leute ihm nach. Mit blankem Bajonett säubern sie das Grabenstück, das so eingeebnet ist, dass es kaum noch den Namen „Graben“ verdient.

Besonders bewährt sich jetzt der Unteroffizier Götze von der 1. Kompanie. Kurz vorher war er verschüttet worden. Es gelingt ihm aber, sich von den Steinmassen selbst zu befreien. Da wird er von den Franzosen umzingelt. Einen unbewachten Augenblick benutzt er durchzubrechen. Erreicht die 9. Kompanie und ist jetzt für den schwer verwundeten Oberleutnant Engel die Seele des Angriffs. Bald ist auch der letzte Franzmann herausgehauen. Die Stellung ist wieder unser.

Gleich darauf setzt ein mörderisches Trommelfeuer ein. Es konzentriert sich auf dieses soeben wiedergewonnene Grabenstück. Unmöglich, es zu halten. Die kleine heldenhafte Schar muss wieder zurück. Sie ist ja schutzlos dem Feuer ausgesetzt. Vorher schnappt sie sich aber noch Alpenjäger und bringt sie mit zurück.

Am rechten Flügel ist unser Gegenangriff erfolgreicher. Hier stürmt Leutnant Bernett mit seiner 11. Kompanie den fast ebenen Graben, in dem sich schon der Franzmann eingenistet hat. Mit Handgranaten werfen sie ihn hinaus. Den zu unserm zerstörten Maschinengewehr führenden Graben, den die Alpenjäger besetzt halten, riegeln sie rasch mit einer Barrikade aus Steinen und Sandsäcken ab.

Immer wieder versuchen die Franzosen, in unseren Linien Fuß zu fassen. Geschickt nutzen sie jede Lücke, jede Verwirrung aus. Einmal gelingt es ihnen sogar, mit etwa 20 Mann in den Rücken der 2. Kompanie zu gelangen. Aber die Freude dauert nicht lange. Unsere Leute pfeffern ihnen gewaltig auf den Balg. In wenigen Minuten ist auch diese Gefahr beseitigt.

Immer schwieriger wird jetzt die Verteidigung. Der Franzmann sitzt in dem Grabenstück der 1. Kompanie auf dem Braunkopf und schießt uns dauernd von oben herab in die Flanke. Wir verschanzen uns hinter Sandsackpackungen. Hauptmann Meyer, der gerade mit seinen Leuten zu einem Gegenangriff antritt, sinkt durch die Brust getroffen nieder. Er fühlt, dass seine Wunde tödlich ist. Er drückt noch dem Tambour Röskamp die Hand und beauftragt ihn, seine Frau und Kinder zu grüßen. Dann verlässt ihn das Bewusstsein. Kurz darauf schlägt sein Herz den letzten Schlag.

Zu allem Überfluss schießt jetzt auch unsere eigene Artillerie zu kurz. Ein Volltreffer zerstört die Sandsackbarrikade, so dass wir wieder dem Flankenfeuer ausgesetzt sind. Leutnant Bernett wird schwer verwundet. Schnell wird aus den Sandsäcken ein neuer Riegel aufgebaut. Dabei zeichnet sich besonders der Gefreite Buttjer, 11. Kompanie, aus.

Gegen 5 Uhr nachmittags setzt die feindliche Artillerie mit ganzer Kraft ein. Sie trommelt den linken Flügel des Abschnitts Bowien derart zusammen, dass selbst die letzten Verbindungswege und Unterstände verschüttet werden. Stück für Stück der Stellung bröckeln ab. Unter den Steintrümmern der verschütteten Gräben liegt ein Teil der braven 6. Kompanie. Viele sind verwundet, nur ein kleiner Rest hält todesmutig aus.

Alle Reserven sind bereits längst eingesetzt und zum Teil aufgerieben. Auf Unterstützung der Artillerie ist nicht zu rechnen, da alle Fernsprechleitungen zerstört sind. Unter solchen Umständen wird Befehl erteilt, den Abschnitt Bowien, also den Braunkopf zu räumen. Ordnungsmäßig wird bei Einbruch der Dunkelheit der Rückzug auf Metzeral angetreten. Hier werden unsere Leute dem Hauptmann Lorenz zur Verteidigung des Ortes zur Verfügung gestellt.

Die Kämpfe der Kompanien einzeln und ausführlich zu schildern, ist nicht möglich. Jede Stellung hatte ihre besondere Eigenart, die durch das wechselreiche Gelände bestimmt wurde. Und eshalb haben sich auch Abwehr und Angriff innerhalb der Kompanien ganz verschieden abgespielt.“

Man begrub Heinrich Behre auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 3, Grab 23.

Das Grab von Heinrich Behre und Wilhelm Jürgens auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 608: Walter Jahns

Der Soldat Walter Jahns stammte aus der Stadt Werben an der Elbe im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 6. Kompanie des 133. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 18.06.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Man begrub Halter Jahns auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 3, Grab 30.

Das Grab von Karl Biermann und Walter Jahns auf dem Soldatenfriedhof Münster

Sonderbeitrag: Wilhelm Hang

Der Soldat Wilhelm Hang  stammte aus der Stadt Gau-Algesheim im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter. Am 15.07.1918 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe Lagarde.21

Man begrub Wilhelm Hang auf dem Soldatenfriedhof Lagarde in Grab 79.

Das Grab von Stephan Haas und Wilhelm Hang auf dem Soldatenfriedhof Lagarde

Sonderbeitrag: Das Grab von Hermann Mehnert in Runkel (Hessen)

Der Soldat Hermann Mehnert wurde am 06.06.1878 geboren und stammte aus Neumarkt, eine Ortsteil der Stadt Jüterbog im heutigen Bundesland Brandenburg, und lebte in der Reichshauptstadt Berlin. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 3. Kompanie des 42. Armierungs-Bataillons. Am 16.06.1916 starb er im Alter von 38 Jahren im Vereinslazarett Frickhofen an einer Krankheit.

Man begrub Hermann Mehnert auf dem Soldatenfriedhof Runkel in Reihe 14, Grab 249.

Das Grab von Hermann Mehnert auf dem Soldatenfriedhof Runkel

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 587: Paul Sutor-Wernick

Der Soldat Paul Sutor-Wernick wurde am 08.09.1896 in Nastätten im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz geboren und war Apotheker-Praktikan. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 1. Batterie des 9. bayerischen Reserve-Feldartillerie-Regiments. Am 22.07.1915 fiel er im Alter von 18 Jahren während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) am Mönchberg.

Man begrub Paul Sutor-Wernick auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 4, Grab 46.

Das Grab von Peter Dornbusch und Paul Sutor-Wernick auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 585: Gottfried Quinzler

Der Soldat Gottfried Quinzler stammte aus der Gemeinde Gechingen im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 2. Kompanie des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 19.02.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Über den Todestag und die Todesumstände von Gottfried Quinzler berichtet die Regimentsgeschichte des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Die erste Schlacht bei Münster

Deutscher Boden sollte vom Feind gesäubert werden, andere Brennpunkte der elsässischen Front waren zu entlasten. 17 Bataillone Infanterie waren zusammengezogen: die vier bayerischen Infanterie-Regimenter, L. 121 und Landsturm-Infanterie-Bataillon Karlsruhe, an Artillerie das (bayerische) Reserve-Feldartillerie-Regiment 9, mehrere 15-cm-Haubitzbatterien, 2 oder 3 weittragende 10- und 13-cm-Langrohre und ein paar 21-cm-Nörser, außerdem die zwei Landwehr- und die zwei außerplanmäßigen Batterien des Münstertals; neben der 2. (badischen) Landwehr-Pionier-Kompanie XIV standen die Pioniere der 8. Reserve-Division zur Verfügung; die Armierungssoldaten waren auf die Pionierkompanien, die Material- und Munitionsdepots und das Sanitätswesen verteilt. Die 6. (bayerische) Landwehr-Division befehligte den Abschnitt nördlich Münster, in dessen Nordteil die „Gruppe Jehlin“ (16. bayerische Reserve-Infanterie-Brigade mit R. 22, R. 23 und IV./L. 121 mit (Feld-M.-G.-Zug Villinger zu 3 M.-G.) den Groß-Hörnleskopf (1.000 Meter), den Combekopf (983 Meter), den Barrenkopf (980 Meter) und den Kleinkopf (943 Meter) angriff, links anschließend „Gruppe von Sprösser“ mit der Linie Wahlenstall-Hörnleskopf (841 Meter)-Höhen westlich Nordrand Münster als erstem Ziel. Angelehnt an den Westrand von Münster war „Brigade Pechmann“ (15. bayerische Reserve-Infanterie-Brigade) mit I./L. 121 nebst Feld-Maschinengewehr-Abteilung „A“ (sechs Maschinengewehre, Führer Oberleutnant Naumann) gegen den Reichackerkopf und Mönchberg (771 Meter) angesetzt; links davon gingen R. 18 und 19 mit Front nach Nordwest aus dem Großtal den Sattel, den Sattelkopf (892 Meter), die Klitzersteine und den Altmattkopf an. In 10 Kilometer Breite fasste die 8. (bayerische) Reserve-Division, bei der die Oberleitung des Ganzen lag, neun in fünf Monaten stark befestigte Berge als ersten Kampfpreis an; welche Anlagen und Geheimnisse in deren Walddecken staken, konnte erst erkennen, wer unmittelbar davorstand.

Nicht ganz zwei Bataillone auf jeder Kuppe – viel war das nicht. Auf Überraschung und der Wucht des ersten Stoßes baute unsere Führung auf, da Reserven von Belang nicht zurückgehalten werden konnten; schon zum ersten Takt des Gefechts mussten sämtliche verfügbaren Kräfte eingeteilt werden. – Ob die Franzosen wirklich überrascht wurden? Aus dem Verlauf der Kämpfe und den Gefangenenaussagen ergab sich hernach kein klares Bild; merkte der Feind auf, so mussten ihn der verstärkte Patrouillengang, das Einschießen der Batterien und der zunehmende Verkehr im Münstertal stutzig machen, Begleiterscheinungen, die sich bei aller Vorsicht und Überlegenheit nicht ganz unterdrücken ließen.

Für unser Regiment war es das erste, in jeder Richtung mit peinlicher Sorgfalt vorbereitete Unternehmen. Gefechtsverbindung und Nachrichtenwesen waren studiert und organisiert, alle Einzelheiten und Besprechungen geregelt, die Abschnitte, die Nachbarn rechts und links und die Angriffsziele an Hand  von Karten bekanntgegeben; jedermann wusste Bescheid. Jede Infanteriekompanie hatte Drahtscherenkommandos ausgerüstet, den Stoßtrupps waren Pioniere beigegeben; Pionierparks mit Kampfmitteln, Stellungsbaumaterial und Trägertrupps waren hinter der ganzen Front angelegt, Verbandplätze eingerichtet, Sanitätler und Krankenträger eingewiesen, Lazarettzüge zur Verbindung mit Colmar bereitgestellt.

Schwarze Nacht; schwere Wolken hingen über dem Münstertal und in Regenschauern und Schneeböen bezogen die Truppen in den ersten Frühstunden des 19. Februar ihre Ausgangsstellungen. Den Mantel umgerollt, das Gewehr am Riemen über der Schulter, die Patronengurte und Rocktaschen voll Munition, schweigend, lautlos; flüsternd wurden die Befehle erteilt und von Mund zu Mund durchgegeben; das Straucheln eines Fußes, das leise Klingen der Waffen deckten die Quellen und Wasserfäden zu, die überall talwärts rieselten. General von Sprösser ließ in Günsbach seine Bataillone unbemerkt an sich vorüberziehen, ehe er seinen Gefechtsstand auf dem Frauenackerkopf einnahm; in entschlossenem Ernst, die Gedanken weitab in der Heimat und dann wieder Auge in Auge mit den nächsten Stunden schritt jeder die ihm vorgeschriebene Bahn. Ohne Regung lagen die Wälder und Täler, während wir uns aufbauten und nichts verriet die gehäufte Energie, die zur Entladung drängte. Die Spannung des Wartens wurde zur drückenden Last; Stunden waren vergangen, der Tag graute. Punkt 6.30 Uhr morgens zerriss die erste Granate die Luft und die Truppen des Großtals traten an; eine Viertelstunde später knatterte Infanteriefeuer auf: am Reichackerkopf hatte I./L. 121 die französische Vorstellung erreicht, deutsches und feindliches Maschinengewehrfeuer hämmerte los und rauschte durch die Wälder; es klang, als brausten Wasserfälle in der Ferne über Felsen nieder.

Eine Stunde später nahm auch die Artillerie nördlich des Münstertals das Feuer auf. In gemessenen Abständen wühlten sich die 15-cm-Haubitzgranaten heulend, wie mühsam, durch die Luft, mit hellem Klang zischten die Geschosse der Feldkanonen dazwischen, eilig, als wollten sie die dicken und langsamen Brüder vom Steilfeuer überholen; sie schmetterten in die alten Tannenbestände des Barrenkopfes, auf den Kleinkopf und den Hörnleskopf vorerst in langsamer Folge nieder. Rastlos schossen französische Batterien hierhin und dorthin; ihre Infanterie schwieg. Und immer rascher zogen unsere Kanoniere ab, bis um 3/4 10 Uhr die höchste Feuersteigerung erreicht war: ein Gewölbe von Gefechtsbahnen verdichtete sich hoch über uns, die einschlageneden Eisenmassen knickten die dicken Stämme, zersplitterten den Steingrund und bohrten Trichter in den Waldboden; Wolken von Dampf, Rauch und Staub lagerten auf den Höhen. 10 Uhr. Unsere Artillerie stellte die Rohre um einige Striche steiler, verlegte sich feindwärts: Sperrfeuer, und die Infanterie ging vor. Eine schwüle Viertelstunde: jetzt klommen die lichten Sturmketten zwischen den Bäumen die Hänge aufwärts und noch hatte allein das Geschütz das Wort; dann brandete Kleingewehrfeuer auf und das Unwetter brach auf die gegen den Combekopf, den Barren- und Kleinkopf anlaufenden Bayern los.

Hatte unsere Artillerievorbereitung nicht im Ziel gesessen oder nicht genügt, war man der Vorverlegung des Granatengürtels nicht dicht genug gefolgt, hatte der Verteidiger sich sammeln und erholen können? Vor der Kuppe etagenweise angelegte Gräben, gefüllt von Verteidigern, die durchaus keinen niedergekämpften Eindruck machten, sondern sich die Büchsen glühend schossen, tiefe Streifen kaum beschädigter Verhaue davor – wo hatten unsere schweren Granaten und Kirns Zentnerladungen gewirkt? Hier blieb die bayerische Reserve-Infanterie hängen, hier packten und warfen sie seitliche Maschinengewehre des Feindes beim Zerschneiden des Stacheldrahts reihenweise und auch die französische Artillerie war auf dem Posten; das Gelände war von meisterhaft berechneten Flankierungsanlagen durchsetzt. Unterstützung füllte die Lücken. Unsere 16. Kompanie und 3 Maschinengewehre unterstützten vom Schratzmännle aus mit Feuer und wurde dafür vom Feind gefährlich eingeseift; gruppenweise schossen, bohrten und wanden sich Teile der Angriffsfront weiter; ein erbittertes Hin und Her, Vorschnellen, Gegenstoß, blutige Teilerfolge hier, Rückschläge daneben, stundenlang – aber der deutsche Angriff reifte nicht bis zum Einbruch in die Hauptstellung, er erlahmte unter der Wirkung der hohen Verluste. 14. und 15./L. 121 wurden kurz vor Mittag zur Verstärkung der Gruppe Zenker gegen den Barren- und Kleinkopf vorgeführt; da die Höhen nicht im ersten Anlauf überrannt worden waren, galt es, den Franzosen jeden Schritt abzuzwingen. Wütend kämpften sich unsere Truppen voran, mit verzweifelter Heftigkeit wehrte sich der Gegner; die Wage stand, unser frontaler Angriff stockte, neue Artillerievorbereitung war nötig, ein Eingreifen von der Seite die aussichtsreichste Hilfe und General Jehlin richtete die Blicke nach links zur Gruppe von Sprösser; konnte sie nicht von Süden vorstoßen?

General von Sprösser hatte inzwischen den Hörnleskopf gestürmt. II. und III. Bataillon L. 121 (ohne 12.) waren vom Günsbachtalgrund angetreten, während Hauptmann Schwend mit seiner 12., den Fest.-M.-G.-Trupp „B“ unter Leutnant Drißner, einem Geschütz der 3. Batterie Reserve-Feldartillerie-Regiment 9 unter Leutnant Herrenberg und 2 leichten Minenwerfern auf dem Frauenackerkopf südlich Schneiden lauerte. Den Westhang des Frauenackerkopfs hielt Landsturm-Infanteriebataillon Karlsruhe unter Major Freiherr von Puttkammer besetzt; er hatte vorerst nicht vorzugehen. Das II. und III. Bataillon schob sich während der Artillerievorbereitung den Steilhang hinauf, soweit die eigenen Granaten das zuließen; Offizierspatrouillen mit Pionieren und Drahtscherenkommandos brachen voraus Bahn über den wohl bekannten Waldhang, den die Bataillone am 3. November schon einmal gestürmt und manches liebe Mal auf Patrouille durchstreift hatten. Verbindung mit dem für den Wahlenstall eingeteilten II./R. 23 wurde vergeblich gesucht. Französische Artillerie tastete den Hang ab, vom Krepieren eigener Granaten sprühten unsere Sturmlinie Eisensetzen auf den Hintern – schadete nichts. Oben auf der Höhe Einschlag auf Einschlag; unsere Kanonen arbeiteten brav vor. 10 Uhr! „Antreten!“ Feindliche Maschinengewehre und Gewehre knatterten herab, aber auch deutsche Waffen rührten sich mächtig, denn Hauptmann Schwend nahm die Höhe aus naher Entfernung vom Frauenackerkopf unter seine Gewehre und leichten Minenwerfer und deckte sie bis zum Augenblick des Einbruchs mit aller Kraft zu.

Die Sturmpatrouillen des II. und III. Bataillons erreichen die Hindernisse, schneiden und reißen Gassen frei; der Feind erkennt die Gefahr, er tut, was er kann; vergeblich: mit prächtigem Schwung schnellt unsere Linie aufwärts. Plötzlich etwas Unerwartetes und Unerhörtes – Musik: „O Deutschland hoch in Ehren!“ Dicht hinter den Stürmenden lässt Musikleiter Grieser die Regimentskapelle blasen und ihre Klänge steigen über den Kampflärm auf; eine Welle der Begeisterung schlägt, alles vorwärtsreißend, über uns zusammen; keuchend, um Atem ringend, singen die Kompanien mit, während sie vorwärts dringen, stürzen und sich wieder hochraffen. – Trommeln, die Hörner „Seitengewehr!“, tobendes Feuer. 12. Kompanie jagt über Schneiden vor, von Osten und Süden wachsen Feldgraue vor den Höhenstellungen des Feindes zugleich aus dem Boden, winden sich durch Astverhaue und Stacheldrahtgewirre, brechen in die Gräben, an ein, zwei, drei Punkten, in ganzer Frontbreite, brüllend, schießend, um sich hauend und stechend und spülen wie eine Woge über den Feind. Nach einer halben Stunde ist der ganze Kopf in unserer Hand. Verfolgungsfeuer vom Hörnles- und Frauenackerkopf auf die über die Steinabfälle von Hohrodberg Rettung suchenden Alpenjäger. II. und III. Bataillon graben sich auf dem Hörnleskopf ein, die Gefangenen werden zurückgeführt.

Denn heute wie am 3. November: sollte Höhe 841 nach Westen überschritten werden, so musste vorher der beherrschende Kleinkopf genommen sein. General von Sprösser setzte nach Festigung der Verhältnisse auf de genommenen Kuppe sein II. Bataillon (ohne 6.) vom Hörnleskopf zunächst gegen den Wahlenstall und das „Wahlenstallköpfchen“, die Vorhöhe des Kleinkopfs, an. Deutsche und feindliche Artillerie verlegten den Weg; ein Fernspruch zum Artilleriekommandeur und die eigenen Granaten waren beseitigt; nun warf sich das Bataillon in den Sperrfeuergürtel des Feindes, überwand ihn und schoss sich in halbstündigem Kampf auf das Köpfchen durch, dessen Besatzung, Alpenjäger 11 und 12, viel Blut lassen musste.

Als Gegenwirkung des Feindes auf die verlorenen Höhen erst schwere Bombadements aus allen Kalibern – gut, dass ein Teil der Eisenlast zu hoch lag und in den Günsbachtalgrund hinter den Hörnleskopf polterte, wo sie unschädlich verpufften. Dann traten Alpenjägerformationen von Hohrod und der Gegend von Gebräch zum Gegenangriff an, – wie die Bevölkerung nachher erzählte, voll Hoffnungslosigkeit: „Mein Gott, diese Felshänge sollen wir stürmen?“ Die einen zerstreute unsere Artillerie schon bei der Versammlung, die anderen kamen weiter oben im Feuer unserer Gewehre und Maschinengewehre unter die Sense.

Ausgezeichnet arbeiteten unsere Gefechtstelephone, die Bau- und Störungstrupps leisteten Hervorragendes; unaufhörlich riefen die Summer, Meldungen und Wünsche drängten sich von allen Seiten zur Gefechtsleitung durch die Drähte, die als ruhiger Mittelpunkt des Getriebes kühl abwägend Weisungen und Entscheidungen zurückgab.

Vom Wahlenstallköpfchen war’s ein Schritt zum Angriff auf die nächste Kuppe, den Kleinkopf selbst, und General von Sprösser dirigierte 4 Uhr nachmittags auf die immer dringlicheren Rufe hin 3/4 II. Bataillon mit Maschinengewehren unter Hauptmann Spindler gegen ihn. „Gruppe Jehlin kommt von Osten nicht auf den berg herauf, jetzt müssen’s die tapferen Württemberger von Süden schaffen,“ meinte der bayerische Hauptmann Kiesser vom Divisionsstab, der Verbindungsoffizier bei der Gruppe von Sprösser. Der Kleinkopf ist auf seiner Ostseite bewaldet, sein Südhang gegen den Hörnleskopf dagegen ein kahler, felsiger Satan, damals dazu mit Schnee bedeckt und gleich der erste Versuch zeigte das Aussichtslose, hier durchzukommen: mörderisches Feuer von vorn, noch vernichtenderes von links fegte alles Lebendige fort; rückwärtige Flankierungsanlagen des Feindes bei Londenbach und Gebräch wurden überraschend fühlbar; der Franzose hatte vorn und hinten besetzt und erhebliche Kräfte standen gegen uns. Unsere Batterien schadeten, da ohne hinreichende Beobachtung nach Gebräch und Umgebend, mehr als sie nützten; jeder Kurzschuss saß bei diesem steilen Gebiet sofort in der eigenen Truppe. Hauptmann Spindler erkannte: So ging das nicht und schob sein Bataillon um eine Breite nach Osten; den linken Flügel dem Waldrand entlang ging er von Südosten aufs neue auf die Kuppe vor. In hartem Ringen brachte sich das II. Bataillon schrittweise bergauf; es blieb allein: der bayerische Nachbar, der gleichzeitig zufassen sollte, stellte sich nicht ein und der Feind konnte seine gesamten Kampfmittel gegen unser Bataillon vereinigen. Die Dunkelheit war völlig eingebrochen, bis II./L. 121 sich vor die Hauptstellung des Kleinkopfs vorgebracht hatte; die Nacht machte der Bewegung ein Ende.

Auch im Abschnitt Großtal war viel Blut geflossen. In den ersten Morgenstunden hatte unser I. Bataillon die französischen Vorstellungen am Reichackerkopf gestürmt; dann waren Graben um Graben, ein Nest und ein Stützpunkt nach dem anderen einzeln zu bezwingen, die, oft überraschend und scheinbar wahllos angelegt, sich meistens geschickt kombiniert und gut befestigt erwiesen. Das Bataillon arbeitete ohne Artillerieunterstützung, an die in dem unübersichtlichen Gebiete nicht zu denken war; seine Kämpfe und Stürme am Reichackerkopf und Mönchsberg waren rein infanteristische Leistungen. Das unwegsame und zerrissene Gelände spaltete das Bataillon in verschiedene Angriffskörper, jeden gegen andere Feinde; die Verbindung riss und man kam mit der Nase nach allen Himmelsrichtungen zu liegen, wie das Gefechtsbild es mit sich brachte. Flanke und Rücken blieben nicht selten bedenklich unbedeckt, bis die Kompanien, Züge oder Gruppen sich im nächsten Takt des Vordringens wiederfanden oder gegenseitig durch Flankenwirkung willkommene Entlastung brachten. Stückweise wurde das Land gereinigt. Major Timmermann aber wahrte die Direktion, fasste die Seinen unermüdlich neu zusammen, ordnete, half nach und brach sich fächerförmig nach Nordwesten Bahn trotz Schanzen, Buschverstecken und den Überraschungen der Schluchten und Felsecken. Erbitterte Gefechte während des ganzen Tages; bis zur Nacht war die für heute befohlene Linie erreicht und nur die höchste Kuppe des Mönchbergmassivs und der Hof Brezel – gegenüber dem äußersten linken und rechten Flügel des Bataillons – waren noch nicht gefallen.

Links neben dem I./L. 121 würgten sich die bayerischen Regimenter bis zur Nacht dicht an den Sattel und an den Hängen westlich davon etwa bis zur halben Höhe empor. Dieser Teil des Gefechtsfeldes erlangte keinen Einfluss auf die Lage unseres Regiments und wird daher im folgenden Zusammenhang unerwähnt gelassen; entscheidende Vorteile wurden in ihm nicht errungen und der Sattelkopf, der Gaschney und der Tännlekopf blieben ungenommen.

Wo sie lagen, verbrachten die Kompanien die kalte Nacht. Essen, Munition und Stroh wurden auf den in der Dunkelheit helsbrecherischen Pfaden von Verpflegungsoffizieren, Feldwebeln und Armierungssoldaten zugeführt; unser Infanteriefeuer war verstummt, während die Franzosen aufgeregt und planlos weiter schossen. Beide Artillerien pausierten und nur unsere Langrohre sperrten die Schluchtstraße hinten durch Granaten,die sie alle 10 Minuten hinüberjagten. Teilerfolge waren errungen worden, Teilerfolge, die hinter dem Voranschlag zurückblieben, und in der Nacht führte der Feind frische Kräfte heran trotz unseres Feuerriegels auf der Schluchtstraße, während wir keine Reserven hinter und hatten.“

Man begrub Gottfried Quinzler auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 4, Grab 47.

Das Grab von Gottfried Quinzler auf dem Soldatenfriedhof Münster