Sonderbeitrag: Josef Schuster

Der Soldat Josef Schuster stammte aus Lendsiedel, einem Stadtteil von Kirchberg an der Jagst im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier in der  3.Kompanie des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 15.08.1914 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Markirch (französisch: Sainte-Marie-aux-Mines)

Man begrub Josef Schuster auf dem Soldatenfriedhof Ste.-Marie-aux-Mines in Block 1, Grab 33.

Das Grab von Josef Schuster auf dem Soldatenfriedhof Markirch (französisch: https://de.wikipedia.org/wiki/Sainte-Marie-aux-Mines)

Sonderbeitrag: Max Kuhn

Der Soldat Max (Viktor) Kuhn wurde am 28.01.1876 in der Hauptstadt des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg, Stuttgart, geboren und war von Beruf Goldschmied. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann und Kompanieführer in der 5. Kompanie des 180. Infanterie-Regiments. Am 09.08.1914 fiel er im Alter von 38 Jahren während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Markirch (französisch: Sainte-Marie-aux-Mines).

Über den Todestag und die Todesumstände von Max Kuh berichtet die Regimentsgeschichte des 180. Infanterie-Regiments:

„In den Vogesen.

Nun sollte es wahr werden, es ging dem Feinde entgegen, jenem französischen Erbfeinde, der seit Jahrunderten Deutschland bedrohte, immer wieder mit Krieg überzog, und seit dem Jahre 1870, als seine Eitelkeit durch unseren Waffenruhm aufs tiefste verletzt wurde, fortgesetzt auf Rache sann und schon lange mit Russland enge Fühlung suchte und fand, um das verhasste Deutschland von beiden Seiten her zu erdrücken. Es galt also, diesem hartnäckigen Feinde gegenüber seine ganze Kraft einzusetzen, und da war auch kein Mann im Regiment, der nicht den festen Willen gehabt hätte, für die Ehre des Vaterlandes sein Leben bis zum letzten Blutstropfen einzusetzen. Bei drückender Hitze, aber in froher Kampfesstimmung, marschierte man vormittags über Baldenheim auf Schlettstadt, das gegen 11.15 Uhr erreicht wurde, da kam der Befehl, dass das Regiment der in Kolmar befindlichen 82. Infanterie-Brigade unterstellt sei und sofort nach Sigolsheim, nordwestlich Kolmar, marschieren sollte. Demgemäß wurde in Schlettstadt nach Süden abgebogen, und man war noch im Marsche durch die Stadt, als ein befehl dieser 82. Brigade kam, dass ein Bataillon des Regiments sofort nach Markirch geschickt werden sollte zur Unterstützung der dort den Grenzschutz haltenden Jäger-Bataillone, die in ernsten Kämpfen überlegenen feindlichen Kräften gegenüberstanden. Dazu wurde das hinterste Bataillon, d. h. das II., bestimmt; welches nach dem Bahnhof abrückte und dort, solange der Zug bereitgestellt wurde, aus den Feldküchen sich verpflegte. Um 2.45 Uhr nachmittags traf das Bataillon in Markirch ein, legte am Bahnhof die Tornister ab, ließ auf Befehl die 7. Kompanie als Reserve zurück und marschierte nach der bewaldeten Kasinohöhe 908 nördlich des Städtchens. Der Aufstieg war bei der glühenden Hitze überaus anstrengend, ein Forstbeamter diente als Führer, auf den engen Waldpfaden zog sich die Kolonne auf etwa 3 Kilometer Tiefe auseinander, und etwa 4.45 Uhr nachmittags traf die Spitze auf der Höhe ein. Die Jäger hatten im Laufe des Tages mehrere Angriffe der Franzosen erfolgreich abgeschlagen, doch gegen 5 Uhr nachmittags drohte ein erneuter Angriff von der linken Flanke her, und so war es notwendig, die einzelnen Teile des Bataillons gleich nach ihrem Eintreffen, erschöpft und atemlos, wie sie waren, nach links in das Gefecht eingreifen zu lassen. Der Angriff der Franzosen wurde immer drohender, der Bataillonsstab sah sich beinahe in die Linie der zurückweichenden Jäger verwickelt, da ließ der Bataillonskommandeur, Major Fleischmann, das Signal „Seitengewehr pflanzt auf!“ geben und führte persönlich die ankommenden Teile vor. Diesen vereinten Kräften gegenüber wichen die Franzosen zurück unter Zurücklassung zahlreicher Toter und Verwundeter. Etwa 6.30 Uhr nachmittags war die Lage vollständig wiederhergestellt, die Kompanien konnten ihre Verbände wieder ordnen und das Bataillon stellte sich auf dem linken Flügel bereit, um von dort aus gegen 7 Uhr abends zum Angriff gegen den anscheinend schwachen Feind vorzugehen. Anfangs ging alles gut, als man aber im dichten Hochwalde auf einen starkbesetzten feindlichen Schützengraben stieß, da entspann sich ein heftiger Kampf. Von Baum zu Baum springend näherte man sich der feindlichen Stellung bis auf etwa 80 Meter, als man sah, dass der Rest der Besatzung den Schützengraben in wilder Flucht verließ. Nun ging’s rasch vorwärts unter dem Schlagen des Tambours und dem Blasen der Hornisten bis in den Schützengraben hinein, der gefüllt war mit Toten, Schwerverwundeten, Waffen und Gepäckstücken. Weiter vorwärts ging die Verfolgung des geschlagenen Gegners, doch bald kam der Vormarsch zum Stehen infolge allgemeiner Erschöpfung, erheblicher Verluste und weil sich auf französischer Seite Verstärkungen fühlbar machten. Jetzt war es geboten, das Bataillon wieder in die ursprüngliche Stellung zurückzunehmen, wo es von frischen Jägertrupps aufgenommen wurde. Hier bekam der Bataillonskommandeur einen Schuss in den rechten Unterschenkel, der ihn leicht verwundete, aber ihm noch ermöglichte, alle weiteren Anordnungen für die Aufstellung des Bataillons selbst zu treffen. Die Franzosen folgten nicht und als gegen 10 Uhr abends die Dunkelheit eingetreten war, konnten die Kompanien zur Ruhe übergehen, litten aber während der Nacht an Hunger und Durst, der erst am anderen Morgen gestillt werden konnte, als Essen und Trinkwasser heraufgeschafft worden war.

Die Feuertaufe des Bataillons hatten sich die Angehörigen, Führer wie Mannschaften, aufs glänzendste geschlagen. Der Fahnenträger, Sergant Schuppert, befand sich mit entfalteter Fahne in vorderster Linie und fiel sehr bald. Ein zweiter Unteroffizier, der sie ergriff, fiel ebenfalls und jetzt nahm sie der tapfere Musketier Härer (8. Kompanie), der Bursche des dreimal verwundeten Leutnant Stauch, brachte sie zurück und übergab sie dem Bataillonsadjutanten. Sie war von zwanzig Schüssen durchbohrt worden. Härer erhielt für seine Heldentat das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse, sowie die Goldene Militärverdienstmedauille.

Hauptmann Kuhn und tapfere 60 andere Kameraden erlitten den Heldentod, Hauptmann Freiherr von Mühlen und Leutnant Stauch wurden schwer, Major Fleischmann leicht verwundet, 132 Unteroffiziere und Mannschaften verwundet und 20 vermisst.

Auf telegrafischen Bericht des kommandierenden Generals antwortete Seine Majestät der König: „Besten Dank für gütige Mitteilung. Sehr glücklich, dass meine II./180 so brav seine Schuldigkeit getan.“

Man begrub Max Kuhn auf dem Soldatenfriedhof Ste.-Marie-aux-Mines in Block 2, Grab 73.

Das Grab von Max Kuhn auf dem Soldatenfriedhof Markirch (französisch: Ste.-Marie-aux-Mines)

Sonderbeitrag: Josef Ketterer

Der Soldat Josef Ketterer stammte aus der Stadt Emmendingen im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier und Kriegsfreiwilliger in der 2. Kompanie des 29. Ersatz-Infanterie-Regiments. Am 23.04.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Markirch (französisch: Sainte-Marie-aux-Mines).

Man begrub Julius Kantorowiz auf dem Soldatenfriedhof Ste.-Marie-aux-Mines in Block 4, Grab 57.

In seiner Heimatstadt Emmendingen gedenkt man Josef Ketterer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2016/emmendingen_lk-emmendingen_wk1_bw.html

Das Grab von Josef Ketterer und Alois Spitzemberger auf dem Soldatenfriedhof Markirch (französisch: Sainte-Marie-aux-Mines)

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 323: Rudolf Renner

Der Soldat Rudolf Renner stammte aus Leimen im heutigen Bundesland Baden-Württemberg, und kämpfte im Ersten Weltkrieg als Wehrmann in der 5. Kompanie des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am  24.07.1915 starb er nach schwerer Verwundung während der zweiten Schlacht bei Münster nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) während der Kämpfe in den Vogesen. Er erlitt seine schwere Verwundung während der Kämpfe am LingekopfSchratzmänneleBarrenkopf. Rudolf Renner starb im Lazarett Drei Ähren (französisch: Trois-Épis).

Man begrub Rudolf Renner auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr in Grab 184.

Das Grab von Josef Maier und Rudolf Renner auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 302: Friedrich Dreher

Der Soldat Friedrich Dreher stammte aus Eichenkirnberg, einem Ortsteil der Gemeinde Gschwend im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Ersatz-Reservist in der 11. Kompanie des 40. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 16.03.1915 fiel er während der Vogesenkämpfe nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Man begrub Friedrich Dreher auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr in Grab 123.

Das Grab von Friedrich Dreher auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 287: Bernhard Simianer

Der Soldat Bernhard Simianer wurde am 16.08.1880 in der Gemeinde Hambrücken im heutigen Bundesland Baden-Württemberg geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 11. Kompanie des 40. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 16.03.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Man begrub Bernhard Simianer auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr in Grab 178.

In seiner Heimatgemeinde Hambrücken gedenkt man Bernhard Simianer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2023/hambruecken_lk_karlsruhe_wk1_wk2_bw.html

Das Grab von Bernhard Simianer auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 272: Peter Raudenbusch

Der Soldat Peter Raudenbusch stammte aus Rohrbach, einem Stadtteil von Heidelberg im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Armierungs-Soldat in der 2. Kompanie des 70. Armierungs-Bataillons. Am 11.07.1916 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Man begrub Peter Raudenbusch auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr in Grab 109.

Das Grab von Peter Raudenbusch auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 267: Hermann Maurer

Der Soldat Hermann Maurer wurde am 11.05.1900 in Ulm im heutigen Bundesland Baden-Württemberg geboren. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier in der Wehrmacht. Am 15.12.1946 starb er im Alter von 46 Jahren in einem Lazarett bei Drei Ähren (französisch: Trois-Épis).

Man begrub Hermann Maurer auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr in Grab Grab 104.

Das Grab von Hermann Maurer auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 241: Wilhelm Hihn

Der Soldat Wilhelm Hihn stammte aus Herkausen bei Stuttgart. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 5. Kompanie des 187. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 15.10.1915 fiel er nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsäsisch: Menschter) am Lingekopf / Schratzmännle.

Man begrub Wilhelm Hihn auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr in Grab 22.

In Wolfschlugen gedenkt man Wilhelm Hihn noch heute auf einem Denkmal http://www.denkmalprojekt.org/2012/wolfschlugen_lk-esslingen_wk1_bawue.html

Das Grab von Wilhelm Hihn auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 209: Hermann Schuster

Der Soldat Hermann Schuster wurde am 16.12.1877 in Lendsiedel geboren, einem Stadteil von Kirchberg an der Jagst im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier in der 3. Kompanie des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 04.09.1914 fiel er bei der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) in den Vogesen. Er wurde während der Erstürmung des Reichackerkopfs-Mönchbergs am Waldrand des Mönchsbergs getötet.

Über den Todestag und die Todesumstände von Hermann Schuster berichtet die Regimentsgeschichte des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Der 4. September

„Brigade von Frech“ hatte sich morgens in Günsbach zum geschlossenen Vormarsch auf Münster versammelt; IV. und I./L. 121 mit Maschinengewehren als Vorhut, II. und III. sowie das L. 123 als Gros. Wohlgemut zogen wir in der Spätsommerhitze im Talgrund auf der staubigen nördlichen Fechtstraße nach Westen, voll Erwartung auf den Übergang auf französischen Boden, den wir für heute oder morgen erwarteten, denn danach stand jedem der Sinn; Krieg heißt Feindesland. Der Grenzkamm schloss weit hinten den Horizont ab, mächtige Waldkuppen türmten sich davor, ganz vorn der Reichackerkopf und der Mönchberg, die dicht hinter Münster ansteigen; Kirchturm und Dächer des Städtchens wurden allgemach sichtbar. Links hatten wir das ziemlich breite Münstertal , rechts ragten neben der Straße steile bewaldete Hänge auf; lange Reihen von Kopfscheiben hatten die Franzosen dort oben vor dem Waldrand aufgestellt; wir sollten wohl da hinauf einen Angriff in Szene setzen.

Mädchen kamen uns entgegengeradelt. „Seid ihr endlich das?“, aus allen Häusern winkten die Münsterer, und überall wurden Erfrischungen angeboten. „Gestern Abend sind sie abgezogen. Aber Vorsicht: hinter der Stadt sitzen sie noch in den Bergen!“

Die Vorhut erhielt Befehl, über den „Sattel“ und den „Sattelkopf“ zu marschieren; II./L. 121 hatte im „Kleintal“, nördlich davon, die Linie Weiher-Widenthal zu erreichen und mit der bayerischen Landwehr auf den Höhen rechts Verbindung zu suchen; der Rest der Brigade sollte der Vorhut folgen.

11.30 Uhr trat 15./L. 121 als Spitze an; das II. Bataillon zog sich nach seinem nordwestlichen Ortsausgang und schickte die 6. Kompanie zur Aufklärung und Flankendeckung gegen die kahlen Felshänge von Hohrodberg halbrechts hinaus.

300 Meter weit war die 15. Kompanie aus Münster die bergstraße nach dem Reichackerkopf angestiegen, als an den „Spitaläckern“ aus naher Entfernung ein schwerer Infanteriefeuerüberfall auf sie niederging, der nur zu gut lag. Es kam aus Dickicht, Gehölz und dem Waldrand oberhalb – die Warnung der Männer von Münster: hier hatten sie gelauert und uns dicht herankommen lassen. So rasch das böse Gelände es zuließ, entwickelte die 15. beiderseits des Fahrweges ihre Schützen, – Raum dazu fehlte, da der Berg rechts scharf abfiel, zur Linken steil aufstieg und begann gegen den Feind zu klimmen. Die 13. Kompanie trat ins Gefecht, dann 14. und 16./L. 121, die Schützenlinie beiderseits verlängernd; hierauf wurde das I. Bataillon eingeschoben. Der Regimentskommandeur und beide Bataillonskommandeure führten ihre Truppen persönlich vor, gruppenweise im heftigsten Feuer, so gut es ging; furchtbar hinderte die Enge der Örtlichkeit jede einfachste Bewegung. Unsere Verluste wuchsen rapid: Oberstleutnant Brpck, Kommandeur des IV. Bataillons und neben ihm sein Adjutant, Leutnant Hauber, unser Regimentskommandeur Oberstleutnant Bechtinger, der Adjutant des I., Oberleutnant Paul, die Oberleutnants Schittenhelm und Stübler, Kompanieführer der 16. und 3., Leutnant Müller, 2., einen nach dem andern rafften die Feuergarben der Franzosen in einer Viertelstunde fort, wie sie ihre Leute vorbrachten, und um sie ihre Zug- und Gruppenführer, ihre Mannschaften, und die Zahl der Toten und Verwundeten schwoll mit jeder Minute weiter an. An einheitliche Leitung war nicht zu denken; jeder Führer suchte mit den nächstliegenden Leuten auf dem steinigen Boden aufwärtskriechend, an Wurzel und Gesträuch sich hochziehend, Überblick und Schussfeld, jeder einzelne kämpfte wütend für sich gegen die Hunde in ihren Buschverstecken und Bäumen oben.

Inzwischen hatte das II. Bataillon, beim Verlassen des Nordwestrands von Münster heftig, aber wirkungslos von französischen Batterien beschossen, sein Ziel Weiher fahren lassen und sich in breiter Front quer durch die fecht und das „Kleintal“ auf den Gefechtslärm am Reichackerkopf zugestürzt; die feindliche Artillerie folgte ihm durch den Grund mit ihren Granaten und Schrapnells. Es lief den Reichackerkopf von Norden an. Am linken Flügel unserer Linie griff III./L. 121 mit 3 Kompanien und Maschinengewehren ein, Front nach Nordost und fand brauchbares Schussfeld. Der konzentrische Druck duckt die Franzosen, unser zunehmendes Feuer wirkt und sie wurden bescheidener. Unsere Batterie ließ vom Nordwestrand von Münster ihre Schüsse gegen rückwärtige Ziele beim Feind krachen; sie tat gut, sich nicht in das Infanteriegefecht zu mischen, von dessen Stand von unten nichts zu erkennen war. Genug, dass Gruppen des IV. mit ihren blauen Röcken von eigenen Verstärkungen für Franzosen gehalten und von hinten beschossen worden waren.

Wir waren so weit: Sturm. Mit Zusammenraffung aller Kraft warf die Linie sich den letzten Sprung über die felsigen Hänge aufwärts und brach in den Wald ein; einiges Handgemenge, ein paar Gefangene, im übrigen flüchtete der Feind. Erschöpft und keuchend nahm die Truppe die Verfolgung auf; sie führte über die obere „Hangstraße“ auf den „Sattel“ zu; Tornister, Waffen und Kleidungsstücke der Franzosen markierten den Weg. Beim Wegekreuz am Osthang der Kuppe 771 sammelten und ordneten sich unsere vier Bataillone, dann wurde die Höhe 771 besetzt; Reichackerkopf und Mönchberg waren überwunden.

Der nächste Waldberg in Richtung auf den Vogesenkamm und die deutsche Grenze ist der „Sattelkopf“, von dem nach Stoßweiher, wie in entgegengesetzter, südlicher Richtung tief eingeschnittene Wiesentäler abfallen; jenseits setzt die Walddecke des Sattelkopfmassivs dicht oberhalb des „Sattels“ an. Am Waldrand stehen die „Sattelhäuser“, wenige einzelne Gebäude.

Unsere Bataillone hielten rückwärts der diesseitigen Waldgrenze, um zunächst mit schwachen Patrouillen auf den Wiesengrund vorzufühlen. und kaum waren diese aus den Bäumen getreten, als wildes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer von drüben auf sie einschlug; Hauptmann Lang, der Kompanieführer der 1. wurde tödlich getroffen. Der Feind hielt im übrigen vielfach zu hoch, so dass uns weitere Blutopfer erspart blieben. Was uns interessierte, wussten wir nun und zogen die Aufklärer zurück, denen der Boden auf ihrem dem Gegner zugeneigten Wiesenhang heiß genug geworden war.

Zwecklos, den Sattel ohne Vorbereitung anzurennen; er war ohne schwere Einbußen nur zu stürmen, wenn seine Verteidiger während unseres Vorgehens durch den Wiesengrund von Artillerie und Maschinengewehren niedergehalten wurden und dafür war’s zu spät; der Abend war da. Ein dünner Schützenschleier wurde als Sicherung an den Waldrand postiert, dahinter legten sich die Reste der geschlossenen Kompanien; einige Reserven wurden ans Wegekreuz zurückgenommen. Die Verpflegungsoffiziere brachten um Mitternacht Leiterwagen voll Brot und Fleischkonserven vor, aber die Truppe wollte nicht viel davon wissen, obschon sie den Tag über nichts genossen hatte. Besser etwas Schlaf, der auf dem feuchten Waldboden in der Nachtkühle nicht recht kommen wollte. Zu gleicher Zeit befahl die Brigade, bei Tagesanbruch den Sattel anzugreifen. Ohne Vorbereitung und Feuerunterstützung durch Artillerie? Gleichgültig; nur Ruhe jetzt! Zwei Stunden später wurde die Räumung der Höhen in völliger Stille angeordnet; 4.30 Uhr morgens war damit zu beginnen und der Verstand stand uns vollends still: den Reichackerkopf und den Mönchberg, die eben unter schweren Verlusten gestürmt waren, räumen?

Die Beweggründe zu dieser Entschließung? Jenseits des Großtals, beim Hörnleskopf, Hohrodberg und Hohrod, im bayerischen Abschnitt, schien es nicht nach Wunsch gegangen zu sein. Unsere 6. Kompanie hatte auf ihrer Erkundung nahe bei Hohrod Kampfspuren, ein zerschossenes Geschütz und anderes angetroffen, Bayern nicht! Die auf die Höhe nordwestlich Münster vorgeschobenen Züge der 6. und 7./L. 121, unsere Artilleriebedeckung, Flankensicherung und Verbindungstruppe nach Norden hatte bis in den nachmittag nach rechts hinauf Fühlung mit einem bayerischen Unteroffiziersposten im Hof Bergbrochen gehabt, abends war Bergbrochen plötzlich von Franzosen besetzt und dass die Bayern ohne Nachricht abgezogen waren, kostete uns einen Mann, den der Feind aus unserer nächsten Verbindungspatrouille abschoss. Sie waren demnach zurückgegangen, die Franzosen gefolgt, und wenn der Gegner auf den nördlichen Münstertalbergen über Münster vorgekommen war, so beherrschte er unsere Zufahrtsstraße und konnte uns abschneiden. Später hörten wir, dass auch vom Gebweilertal her Alpenjäger mit Gebirgsartillerie gemeldet waren, kurz, es war in unserem Rücken wohl nicht geheuer und was die Einnahme und Wiederaufgabe einiger Berge angeht, so war man damals und im Bewegungskrieg überhaupt nicht überbedenklich. Im dämmernden Morgen stiegen die Bataillone schweigend wieder ins Tal hinab, vorbei den beiderseits des Weges liegenden stillen Kameraden und den gafallenen Franzosen, von denen viele noch nicht hatten geborgen werden können; die Verluste waren zu groß gewesen. Dann durch das schlummernde Münster; an seinem Ortsausgang wurde gesammelt. – Einer war auf dem Reichackerkopf geblieben: der lange Vizefeldwebel und Offiziersaspirant Brudermüller – „antürlich wieder ein früherer Einjähriger“ – hatte abseits seiner Kompanie unter einem lauschigen Strauch den Abmarsch und alles miteinander verschlafen und war in der Dunkelheit auch nicht vermisst worden; es fehlten so viele. Als er erwachte, war’s hell um ihn und alles leer, worauf er, allein der Verteidigung des Reichackerkopfes sich nicht gewachsen fühlend, beunruhigt den Rückzug antrat und bei der Rückmeldung in seiner Kompanie kein geringes Gelächter hervorrief. Es pflanze sich durch das ganze Regiment fort und tat wunderbar gut; ermuntert und schon etwas gehoben gingen wir in den neuen Tag.“

Man an begrub Hermann Schuster auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 1, Grab 3.

Das Grab von Hermann Schuster und Heinrich Bahlinger auf dem Soldatenfriedhof Münster