Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 606: Anton Baumeister

Der Soldat Anton Baumeister stammte aus der bayerischen Stadt Günzburg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Oberstleutnant und Stabskommandeur im Stab des II. Bataillons des 23. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 20.02.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Über den Todestag und die Todesumstände von Anton Baumeister berichtet die Regimentsgeschichte des 23. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Der neue Tag (20.02.1915) brachte wieder frischen Mut, insbesondere wurde freudig begrüßt, dass erneutes zusammengefasstes Artilleriefeuer von 10 Uhr vormittags ab die feindliche Stellung sturmreif schießen sollte.

Mit inzwischen geordneten Verbänden wurde um 11 Uhr vormittags zum vierten Sturm angetreten. In der Front unterstützt durch 12/bayerisches Landwehr-Infanterie-Regiment 3, von Süden her durch 3. Kompanie des Landwehr-Infanterie-Regiments 121, erkämpfte das Bataillon wieder Schritt für Schritt die Höhe bis zur Sturmentfernung.

Als es dem Bataillonskommandeur, Oberstleutnant z. D. Baumeister, schien, als käme der Angriff wieder ins Stocken, eilte er mit Handgranaten in der Hand in die dicht am Feind befindliche vordere Linie des Bataillons und feuerte durch sein Beispiel zum mutigen Vorwärtsstürmen an. Während unter seiner Führung die vordersten Reihen auf den Gegner eindrangen, brach der tapfere Held, der als verabschiedeter Offizier trotz vorgerückten Alters freiwillig zum Frontdienst zu den Fahnen geeilt war, von mehreren Geschossen tödlich getroffen, zusammen. Mit den Worten „Gott sei Dank, wir haben den Berg!“ fiel er an der Spitze seines Bataillons, ein leuchtendes Beispiel deutschen Heldenmuts und deutschen Pflichtgefühls. Bei dem Versuch, ihn zur Seite zu bringen, fielen drei Leute seines Bataillons, deren Namen dem Verfasser leider nicht bekannt geworden sind, erst dem vierten gelang es, den Sterbenden zu bergen.

Kurze Zeit darauf hatten die Gefechtsgruppen Utz, Eißenberger, Straßer und Zimmermann (die Kompanien waren vollständig vermischt) mit jugelndem Hurra die Höhe genommen, die vom Feinde in wilder Flucht geräumt wurde.

Die Verluste betrugen 36 Tote, 75 Verwundete, 38 Vermisste. Unter den Toten befand sich auch der tapfere Führer der 8./R. 23, Oberleutnant Neumeier, der, an der Spitze seiner Leute in den feindlichen Drahtverhau eingedrungen, von zwei feindlichen Geschossen getroffen, zu Boden sank.

Für den gefallenen Oberstleutnant Baumeister übernahm Hauptmann Utz die Führung des Bataillons.“

Man begrub Anton Baumeister auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 463.

Das Grab von Anton Baumeister auf dem Soldatenfriedhof Hohrod

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 605: Josef Lang

Der Soldat Josef Lang stammte aus der bayerischen Gemeinde Tittling. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Offiziersstellvertreter in der 5. Kompanie des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 22.07.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) am Lingekopf.

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Lang berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Am 22. Juli um 5.30 Uhr vormittags setzte starkes Artilleriefeuer leichten und schweren Kalibers auf die Hauptstellung am Lingekopf ein, wodurch die 8. Kompanie schwere Verluste erlitt. (Leutnant Drangmeister gefallen). Auch bei der in Reserve befindlichen 6. Kompanie gab es Verluste.

Als zwischen 9 Uhr und 10 Uhr vormittags das Artilleriefeuer schwächer wurde, ließ der Kommandeur von II./Landwehr-Infanterie-Regiment 1 in Erwartung des Infanterieangriffs die Hauptstellung am Lingekopf noch durch zwei Züge verstärken, nahm sie aber alsbald wieder zurück, weil neuerdings heftiges Artilleriefeuer, untermischt mit Infanterie- und Maschinengewehrfeuer, eingesetzt.

12 Uhr mittags verlegte die feindliche Artillerie ihr Feuer nach rückwärts, was auf einen bevorstehenden Angriff deutete. Deshalb erhielt die 6. Kompanie den Befehl, die Hauptstellung am Lingekopf durch sämtliche drei Züge zu verstärken. Tatsächlich setzte auch gleich darauf der Angriff ein. Der Feind griff den ganzen Lingekopf an und gelangte bis zu dem durch Artilleriefeuer stark beschädigten Drahthindernis vor der Lingekopfstellung, durch welches er an einigen Stellen durchdrang. Beim Vorgehen versteckten sich die französischen Alpenjäger sehr gewandt hinter Steinblöcken und Büschen. Sie feuerten weiße und rote Signalkugeln ab. Infolge unseres heftigen Infanteriefeuers gelang es ihnen jedoch nicht, obwohl sie sich stellenweise im toten Winkel Deckung verschaffen konnten, an die Hauptstellung heranzukommen. Als sie die Unmöglichkeit hiezu erkannt hatten, versuchten sie, wie durch eine von der Nordseite des Lingekopfs vorgeschickte Patrouille erkundet wurde, sich unter Benützung des toten Winkels etwa 100 Meter vor der Lingekopf-Stellung einzugraben. Einem von Norden her vorgeschickte Halbzug der 10. Kompanie Landwehr-Infanterie-Regiment 3 gelang es, durch Flankenfeuer diesen Versuch zu vereiteln. Auch durch Flankenfeuer eines Maschinengewehrs aus Bastion I auf dem Eichenrain wurde der Lingekopf-Hang bestrichen, was die Lage wesentlich erleichterte. Dem weiteren Versuch der Franzosen, ein Maschinengewehr heranzubringen, wurde mit Handgranaten wirksam begegnet. Zwischen 4 Uhr und 5 Uhr 30 nachmittags lag starkes Artilleriefeuer auf dem Bärenstall, zwischen 6.30 Uhr und 8.30 Uhr abends desgleichen auf Schratzmännele, Lingekopf und Lingehang.

Bei diesen Kämpfen zeichnete sich besonders Wehrmann Josef Sattler der 8. Kompanie aus. Nachdem Zugführer, Leutnant Drangmeister, und stellvertretender Zugführer, Unteroffizier Oelkofner, gefallen waren, übernahm bei Beginn des Angriffs Sattler die Führung von drei Gruppen, warf die Franzosen zurück und brachte durch Handgranaten einen Versuch des Feindes, sich ungefähr 100 Meter vor der Stellung im toten Winkel einzugraben, zum Scheitern. Den Gefreiten Digeser, der bei dieser Gelegenheit schwer verwundet wurde, holte er zwei Stunden später herein. Fürsein Verhalten wurde ihm das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen und durch den Regimentskommandeur persönlich überreicht.“

Man begrub Josef Lang auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 280.

Das Grab von Josef Langgartner auf dem Soldatenfriedhof Hohrod

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 588: Eugen Liebendörfer

Der Soldat Eugen Liebendörfer wurde am 04.03.1882 in Telicherry (indisch: Thalassery) in Indien geboren und war von Beruf Kaufmann. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Vizefeldwebel in der 7. Kompanie des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 04.09.1914 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter). Eugen Liebendörfer wurde 32 Jahre alt.

Über den Todestag und die Todesumstände von Eugen Liebendörfer berichtet die Regimentsgeschichte des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Der 4. September

Ein heißer Tag war es fürwahr
Mittag schlug es vom Turm
Als unsere brave Landwehrschar
Den Mönchberg nahm im Sturm.

In dunklen Waldeshöhen
Der Feind lag gut gedeckt
Wir konnten nichts erspähen
Bis uns sein Feuer schreckt

Ein grausam Kugelregen
Schlägt ein in unsere Reih’n
Nun gilt es sich zu regen
„Kameraden, jetzt haut drein“.

So ruft der tapfre Hauptmann
Zum langersehnten Kampf
Es blitzt, es kracht und Mann für Mann
Liegt nun im Pulverdampf

Das Sturmsignal „Kartoffelsupp“
Tönt drauf an unser Ohr
Mit aufgepflanztem Bajonett
Geht jetzt die Landwehr vor.

Man denkt noch kurz an Weib und Kind
UNd auch ans Mütterlein
Dann „Gott mit uns – furchtlos und treu“
Der Sieg muss unser sein.

Dies die Verse des Wehrmanns Domminik, 2. Kompanie, über den ernsten Tag, um den viele Tränen fließen mussten. – „Brigade von Frech“ hatte sich morgens in Günsbach zum geschlossenen Vormarsch auf Münster versammelt; IV. und I./Landwehr-Infanterie-Regiment 121 mit Maschinengewehren als Vorhut, II. und III. sowie das Landwehrregiment 123 als Gros. Wohlgemut zogen wir in die Spätsommerhitze im Talgrund auf der staubigen nördlichen Fechtstraße nach Westen, voll Erwartung auf den Übergang auf französischen Boden, den wir heute oder morgen erwarteten, denn danach stand jedem der Sinn; Krieg heißt Feindesland. Der Grenzkamm schloss weit hinten den Horizont ab, mächtige Waldkuppen türmten sich davor, ganz vorn der Reichackerkopf und Mönchberg die dicht hinter Münster anstiegen; Kirchturm und Dächer des Städtchens wurden allgemach sichtbar. Links hatten wir das ziemlich breite Münstertal, rechts ragten neben der Straße steile bewaldete Hänge auf; lange Reihen von Kopfscheiben hatten die Franzosen dort oben vor dem Waldrand aufgestellt; wir sollten wohl da hinauf einen Angriff in Szene setzen.

Mädchen kamen uns entgegengeradelt. „Seid ihr endlich da?“, aus allen Häusern winkten die Münsterer, und überall wurden uns Erfrischungen angeboten. „Gestern Abend sind sie abgezogen. Aber Vorsicht: hinter der Stadt sitzen sie in den Bergen!“

Die Vorhut erhielt Befehl, über den Reichackerkopf auf den „Sattel“ und den „Sattelkopf“ zu marschieren; II./L. 121 hatte im „Kleintal“, nördlich davon, die Linie Weiher-Widenthal zu erreichen und mit der bayerischen Landwehr auf den Höhen rechts Verbindung zu suchen; der Rest der Brigade sollte der Vorhut folgen.

11.30 Uhr trat 15./L. 121 als Spitze an; das II. Bataillon zog sich nach seinem nordwestlichen Ortsausgang und schickte die 6. Kompanie zur Aufklärung und Flankendeckung gegen die kahlen Felshänge von Hohrodberg halbrechts hinauf.

300 Meter weit war die 15. Kompanie aus Münster die Bergstraße nach dem Reichackerkopf angestiegen, als an den „Spitaläckern“ aus naher Entfernung ein schwerer Infanteriefeuerüberfall auf sie niederging, der nur zu gut lag. Es kam aus Dickicht, Gehölz und dem Waldrand oberhalb – die Warnung der Männer von Münster: hier hatten sie gelauert und uns dicht herankommen lassen. So rasch das böse Gelände es zuließ, entwickelte die 15. beiderseits des Fahrwegs ihre Schützen, – Raum dazu fehlte, da der Berg rechts scharf abfiel, zur Linken steil aufstieg und begann gegen den Feind zu klimmen. Die 13. Kompanie trat ins Gefecht, dann 14. und 16./L. 121, die Schützenlinie beiderseits verlängernd; hierauf wurde das I. Bataillon eingeschoben. Der Regimentskommandeur und beide Bataillonskommandeure führten ihre Truppen persönlich vor, gruppenweise im heftigsten Feuer, so gut es ging; furchtbar hinderte die Enge der Örtlichkeit jede einfachste Bewegung. Unsere Verluste wuchsen rapid; Oberstleutnant Brock, unser Regimentskommandeur Oberstleutnant Bechtiger, der Adjutant des I., Oberleutnant Paul, die Oberleutnants Schittenhelm und Stübler, Kompanieführer der 16. und 3., Leutnant Müller, 2., einen nach dem andern rafften die Feuergarben der Franzosen in einer Viertelstunde fort, wie sie ihre Leute vorbrachten, und um sie ihre Zug- und Gruppenführer, ihre Mannschaften, und die Zahl der Toten und Verwundeten schwoll mit jeder Minute weiter an. An einheitliche Leitung war nicht zu denken; jeder Führer suchte mit den nächstliegenden Leuten auf dem steinigen Boden aufwärtskriechend, an Wurzeln und Gesträuch sich hochziehend, Überblick und Schussfeld, jeder einzelne kämpfte wütend für sich gegen die Hunde in ihren Buschverstecken und Bäumen oben.

Inzwischen hatte das II. Bataillon, beim Verlassen des Nordwestrands von Münster heftig, aber wirkungslos von französischen Batterien beschossen, sein Ziel Weiher fahren lassen und sich in breiter Front quer durch die Fecht und das „Kleintal“ auf den Gefechtslärm am Reichackerkopf zugestürzt; die feindliche Artillerie folgte ihm durch den Grund mit ihren Granaten und Schrapnells. Es lief den Reichackerkopf von Norden an. Am linken Flügel unserer Linie griff III./L. 121 mit 3 Kompanien und Maschinengewehren ein, Front nach Nordost und fand brauchbares Schussfeld. Der konzentrische Druck duckte die Franzosen, unser zunehmendes Feuer wirkte und sie wurden bescheidener. Unsere Batterie ließ vom Nordwestrand von Münster ihre Schüsse gegen rückwärtige Ziele beim Feind krachen; sie tat gut, sich nicht in das Infanteriegefecht zu mischen, von dessen Stand von unten nichts zu erkennen war. Genug, dass Gruppen des IV. mit ihren blaueb Röcken von eigenen Verstärkungen für Franzosen gehalten und von hinten beschossen worden waren.

Wir waren so weit: Sturm. Mit Zusammenraffung allerKraft war die Linie sich den letzten Sprung über die felsigen Hänge aufwärts und brach in den Wald ein; einiges Handgemenge, ein paar Gefangene, im übrigen flüchtete der Feind. Erschöpft und keuchend nahm die Truppe die Verfolgung auf; sie führte über die obere „Hangstraße“ auf den „Sattel“ zu; Tornister, Waffen und Kleidungsstücke der Franzosen markierten ihren Weg. Beim Wegekreuz am Osthang der Kuppe 771 sammelten und ordneten sich unsere vier Bataillone, dann wurde die Höhe 771 besetzt; Reichackerkopf und Mönchberg waren überwunden.

Der nächste Waldberg in Richtung auf den Vogesenkamm und die deutsche Grenze ist der „Sattelkopf“, von dem nach Stoßweiher, wie in entgegengesetzter, südlicher Richtung tief eingeschnittene Wiesentäler abfallen; jenseits setzt die Walddecke des Sattelkopfmassivs dicht oberhalb des „Sattels“ an. Am Waldrand stehen die „Sattelhäuser“, wenige einzelne Grbäude.

Unsere Bataillone hielten rückwärts der diesseitigen Waldgrenze, um zunächst mit schwachen Patrouillen auf den Wiesengrund vorzufühlen. Und kaum waren diese aus den Bäumen angetreten, als wildes Infanterie- und Maschinengewehrfeuer von drüben auf sie einschlug; Hauptmann Lang, der Kompanieführer der 1. wurde tödlich getroffen. Der Feind hielt im übrigen vielfach zu hoch, so dass uns weitere Blutopfer erspart blieben. Was uns interessierte, wussten wir nun und zogen die Aufklärer zurück, denen der Boden auf ihrem dem Gegner zugeneigten Wiesenhang heiß genug geworden war.

Zwecklos, den Sattelkopf ohne Vorbereitung anzurennen; er war ohne schwere Einbußen nur zu stürmen, wenn seine Verteidiger während unseres Vorgehens durch den Wiesengrund von Artillerie und Maschinengewehren niedergehalten wurden und dafür war’s zu spät; der Abend war da. Ein dünner Schützenschleier wurde als Sicherung an den Waldrand postiert, dahinter legten sich die Reste der geschlossenen Kompanien; einige Reserven wurden ans Wegekreuz zurückgenommen. Die Verpflegungsoffiziere brachten um Mitternacht Leiterwagen voll Brot und Fleischkonserven vor, aber die Truppe wollte nicht viel davon wissen, obschon sie den Tag über nichts gegessen hatte. Besser etwas Schlaf, der auf dem feuchten Waldbosen in der Nachtkühle nicht recht kommen wollte. Zu gleicher Zeit befahl die Brigade, bei Tagesanbruch den Sattel anzugreifen. Ohne Vorbereitung und Feuerunterstützung durch Artillerie? Gleichgültig; nur Ruhe jetzt! Zwei Stunden später wurde die Räumung der Höhen in völliger Stille angeordnet; 4.30 Uhr morgens war damit zu beginnen und der Verstand stand uns vollends still: den Reichackerkopf und den Mönchberg, die eben unter schweren Verlusten gestürmt waren, räumen?

Die Beweggründe zu dieser Entschließung? Jenseits des Großtals, beim Hörnleskopf, Hohrodberg und Hohrod, im bayerischen Abschnitt, schien es nicht nach Wunsch gegangen zu sein. Unsere 6. Kompanie hatte auf ihrer Erkundung nahe bei Hohrod Kampfspuren, ein zerschossenes Geschütz und anderes angetroffen, Bayern nicht. Die auf die Höhe nordwestlich Münster vorgeschiebenen Züge der 6. und 7./L. 121, unsere Artilleriebedeckung, Flankensicherung und Verbindungstruppe nach Norden hatte bis in den Nachmittag nach rechts hinauf Fühlung mit einem bayerischen Unteroffiziersposten im Hof Bergbrochen gehabt, abends war Bergbrochen plötzlich von Franzosen besetzt und dass die Bayern ohne Nachricht abgezogen waren, kostete uns einen Mann, den der Feind aus unserer nächsten Verbindungspatrouille abschloss. Sie waren demnach zurückgegangen, die Franzosen gefolgt, und wenn der Gegner auf den nördlichen Münstertalbergen über Münster vorgekommen war, so beherrschte er unsere Zufahrtsstraße und konnte uns abschneiden. Später hörten wir, dass auch vom Gebweilertal her Alpenjäger mit Gebirgsartillerie gemeldet waren, kurz, es war in unserem Rücken wohl nicht geheuer und was die Einnahme und Wiederaufgabe einiger Berge angeht, so war man damals und im Bewegungskrieg überhaupt nicht überbedenklich. Im dämmernden Morgen stiegen die Bataillone schweigend wieder ins Tal hinab, vorbei an den beiderseits des Weges liegenden stillen Kameraden und den gefallenen Franzosen, von denen viele durch unsere Krankenträger und die Hilfe leistenden Einwohner von Münster noch nicht hatten geborgen werden können; die Verluste waren zu groß gewesen. Dann durch das schlummernde Münster; an seinem Ortsausgang wurde gesammelt. – Einer aber war auf dem Reichackerkopf geblieben: der lange Vizefeldwebel und Offiziersaspirant Brudermüller – „natürlich wieder ein früherer Einjähriger“ – hatte abseits seiner Kompanie unter einem lauschigen Strauch den Abmarsch und alles miteinander verschlafen und war in der Dunkelheit auch nicht vermisst worden; es fehlten so viele. Als er erwachte, war’s hell um ihn und alles leer, worauf er, allein der Verteidigung des Reichackerkopfes sich nicht gewachsen fühlend, beunruhigt den Rückzug antrat und bei der Rückmeldung in seiner Kompanie kein geringes Gelächter hervorrief. Es pflanzte sich durch das ganze Regiment fort und tat wunderbar gut; ermuntert und schon etwas gehoben gingen wir in den neuen Tag.“

Man begrub Eugen Liebendörfer auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 4, Grab 49.

Das Grab von Eugen Liebendörfer und Fritz Schauss auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 586: Peter Dornbusch

Der Soldat Peter Dornbusch wurde am 22.10.1882 in Metz geboren, das seit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zu Deutschland gehörte. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant der Reserve in der 4. Batterie des 8. bayerischen Reserve-Feldartillerie-Regiments. Am 05.03.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) im Alter von 32 Jahren. Er wurde während der Ersten Schlacht bei Münster getötet.

Über den Todestag und die Todesumstände von Peter Dornbusch berichtet die Regimentsgeschichte des 8. bayerischen Reserve-Feldartillerie-Regiments:

„Die belgische Geba, beim Schießen ganz unbrauchbar (Blindgänger, Mündungsfeuer), wird zurückgezogen. 3. und 4. werden heftig beschossen. Letztere hat wieder schmerzliche Verluste, darunter neuerdings einen Offizier. Eigene Batterien beschießen Gräben, Unterkünfte und Geba. 2./8. bezieht B.stelle bei Schönenklang (etwa 1.000 Meter) – wunderbarer Rundblick. Abends Geschütz Zierl zurückgezogen. 4./8. rückt abends aus Stellung nach Oberbergheim..“

Man begrub Peter Sornbusch auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 4, Grab 45.

Das Grab von Peter Dornbusch und Paul Sutor-Wernick auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 574: Florian Oswald

Der Soldat Florian Oswald wurde am 24.02.1894 in Altbabensham geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Babensham. Er kämpfte im Ersten Weltkrieg als Infanterist in der 2. Kompanie des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 20.04.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter). Er wurde bei der Stadt Metzeral im Alter von 21 Jahren getötet.

Über den Todestag und die Todesumstände von Florian Oswald berichtet die Regimentsgeschichte des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Die Nacht vom 19. zum 20. verläuft ruhig. Es werden Schanzarbeiten des Feindes am Waldrand beim roten Haus festgestellt und diese durch mehrere Feuerwellen unserer Artillerie gestört. Unsererseits wird die Nacht über die durch das feindliche Artillerie vollkommen zerstörte Stellung auf Höhe 830 wieder hergestellt.

Am Morgen des 20. April ist die Besetzung der Stellung folgende: Reserve-Radfahrer-Kompanie 8 in Steinabrück, zwei Züge von 1./18 und 5./19 am Hange, ein Halb 4./18 und ein Halb 4./19 auf dem Winterberg, Reste von 4./18, 4./19 und 2./18 und 830.

Nachdem die ersten Vormittagsstunden ruhig verlaufen, setzt gegen 10 Uhr vormittags das feindliche Artilleriefeuer wieder ein und zwar gegen Höhe 830. Gegen Mittag wird es stärker und erreicht seinen Höhepunkt gegen 2 Uhr nachmittags. Die ganze Stellung wird mit Geschossen schweren und leichten Kalibers überschüttet. Diese veranlasst die Heranziehung der Resre von 4./18 und 5./18, die allein noch zur Unterstützung bereitstanden.

Um 3 Uhr nachmittags erfolgte der Infanterieangriff, diesmal nicht nur gegen 830 und Winterberg, sondern auch gegen die Stellung der 8. Kompanie (Sillacker-Mitte). Der 8. Kompanie wird nunmehr der Rest von 5./18 und der 6. Kompanie der Rest von 4./18 als Unterstützung zugewiesen. Auch dieser Infanterieangriff endet mit einer vernichtenden Niederlage für den Feind. Unser Infanterie-, Maschinengewehr- und Artilleriefeuer bringen ihm schwere Verluste an Toten und Verwundeten bei. Sie betragen schätzungsweise 450 bis 500 Mann.

Auf dem Silackerwasen kommt so der feindliche Angriff gegen 5.30 Uhr nachmittags zum Stehen. Teile des Gegners halten am rechten Flügel der Stellung auf 830 in einer Entfernung von 400 bis 500 Meter den Wald am Silckerkopf besetzt, nur am linken Flügel, gegen die Winterbergstellung zu, sind geringe Teile nähergekommen. Gegen die westliche Flanke der Winterbergstellung setzt am Spätnachmittag noch ein Angriff vom Abhang her aus dem Wurmsatal ein, aber auch diesem wird durch das Feuer unserer Maschinengewehre und der Maschinengewehre der 14er Jäger am südlichen Hang des Fechtbachtales bald Halt geboten.

Am Abend beginnt der Feind neuerdings Steinabrück mit leichter und schwerer Artillerie zu beschießen. Abgesehen davon, dass Steinabrück in Brand geschossen ist, wird durch diesen Angriff auf Steinabrück nichts erreicht. Unserer Stellung in Steinabrück bleibt nach wie vor besetzt und ein Infanterieangriff auf Steinabrück findet nicht statt.“

Man begrub Florian Oswald auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 4, Grab 34.

Das Grab von Johann Steffinger und Florian Oswald auf dem Soldatenfriedhof Münster

Sonderbeitrag: Johann Geiger

Der Soldat Johann Geiger stammte aus der bayerischen Gemeinde Böhen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter der Reserve in der 3. Kompanie des 12. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 20.08.1914 fiel er in Frankreich Während der Kämpfe in Lothringen. Er wurde bei der Ortschaft Saaraltdorf getötet.

Über den Todestag und die Todesumstände von Johann Geiger berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Infanterie-Regiments:

In der Morgendämmerung des 20. 8. ging der Feind auf der ganzen Linie vor, aus nördlicher und südlicher Richtung schallender Gefechtslärm verkündete den Beginn der Schlacht. Vor der Front des Regiments war es vorerst noch ruhig. Plötzlich 6 Uhr morgens gingen feindliche Schützenlinien gegen das II. Batl. vor, wagten aber nicht die Saar zu überschreiten, weitere Linien folgten und über die Höhen südlich Dolvingen eilten starke feindliche Kräfte, 12—15 Kompagnien, in den Saarwald. Aber darauf hatte unsere Artillerie nur gewartet. Mit ganzer Wucht warf sie sich auf den Gegner; heulend zogen ihre Geschosse über den Saargrund und verbreiteten Tod und Verderben in den mit Franzosen angestopften Saarwald. Auf der Höhe nördlich Zittersdorf, wo die französische Artillerie in Stellung gegangen war barsten die schweren Geschosse der deutschen Mörser, haushohe Erdfontänen in die Luft schleudernd. Schon sah man einzelne Franzosen, da und dort auch ganze Trupps aus dem Saarwalde nach rückwärts eilen, da kam der Angriffsbefehl. Die 4. Inf.-Brig. hatte 2 Angriffsgruppen gebildet. Die Gruppe Policzka (II. u. III./12. Inf.-Rgts., 2/3 M.G.Komp. und eine Kompagnie 15. Inf.-Rgts.) sollte in Richtung Südrand Dolvingen—Schnackenhof antreten, wenn der linke Flügel der Gruppe Tutschek (I. u. III./15. Inf.-Rgts. mit M.G.Komp.) die Höhe 304 südwestlich Oberstinzel in Besitz genommen habe; I./12. Inf.-Rgts. und 1/3 M.G.Komp. 12. Inf.-Rgts. waren Brigadereserve. Als gegen $12^{30}$ nachm. die Schützenlinien der Gruppe Tutschek auf der genanten Höhe sichtbar wurden, ging das Regiment vor. Das II. Batl. überschritt bei Saareck und bei der Schnellenmühle die Saar und drang in den Saarwald ein, wo es 120 Gefangene des 10. u. 27. franz. Inf.Rgts. machte. III./12. und die Kompagnie des 15. Inf.Rgts. gingen bei Saaraltdorf über die Saar. Der Feind leistete nur geringen Widerstand. Auch die 4./12. hatte sich voll Kampfeseifer dem Angriff angeschlossen und war mit der Kompagnie des 15. Inf.Rgts. über Bahn und Saar vorgestürmt, wurde an der Saarmühle angehalten und zum Bataillon herangezogen. I./12. folgte in zweiter Linie als Brigadereserve. Wohl fügten zahlreiche Baumschützen und versteckte Schützennester den voreilenden Kompagnien manchen Schaden zu, aber die Widerstandskraft der Franzosen war schon durch das Artilleriefeuer gebrochen. Immer zahlreicher flohen sie aus den deckenden Waldungen und bald sah das Auge, so weit es blicken konnte, in kopfloser Flucht davoneilende blaue Tuchmäntel und rote Hosen. Unaufhaltsam ging es weiter bis zum Abend: wo der Feind Widerstand zu leisten suchte, so am Wald bei St. Ulrich und bei Misselhof, trieb ihn das gut sitzende Feuer unserer Schützen und Maschinengewehre rasch in die Flucht. Langsam sank die Sonne und in ihre Glut mischten sich die Flammen des brennenden Misselhofes, an dem das Regiment kurze Zeit hielt und sich ordnete. Reiche Arbeit fanden die Aerzte und das Sanitätspersonal. 28 Tote und 106 Verwundete hatte das Regiment zu beklagen. In ungeheurer Menge aber lagen verwundete Franzosen in Feld und Wald und nach deutscher Sitte nahm sich unser Sanitätspersonal des kampfunfähigen Gegners in gleicher Weise an, wie der eigenen Verwundeten. Von den Kompagnie- und Zugführern des Regiments war Lt. d. Res. Laupheimer tot, Hptm. Lutzenberger (Chef der 1. Komp.), Oblt. Diem (M.G.K.), die Lts. d. Res. Müller Otto (12. Komp.), Weiß (5. Komp.) und die Off.Stv. Madel (7. Komp.), Wiegand (1. Komp.) und Blankenhorn (M.G.K.) waren verwundet.

Man begrub Johann Geiger auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in Block 1, Grab 905.

Das Grab von Johann Geiger und Wilhelm Peil auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 503: Johann Maier

Der Soldat Johann Maier stammte aus der bayerischen Ortschaft Winden und kämpfte im Ersten Weltkrieg als Wehrmann in der 6. Kompanie des 19. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 14.03.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Über den Todestag und die Todesumstände von Johann Maier berichtet die Regimentsgeschichte des 19. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Am 14.03. vormittags wurden durch unsere Minenwerfer mehrere Barrikaden und Unterstände im Sättele zerstört und 5.45 Uhr abends konnte I./R. 18 melden „Die zerstörten Teile der Barrikade sind durch eigene Patrouillen besetzt.“ Eben freut man sich über diesen schönen Erfolg, als die Schreckensnachricht eintraf, dass drei Volltreffer unseres den Reichackerkopf beschießenden 21 Zentimeter-Mörsers in die nördlich der Kuppe eingesetzten 1./R. 19 (Leutnant Lindner) gegangen seien und 11 Mann getötet und 9 Mann verwundet hätten. Die trotz dieses furchtbaren Unglücks von der Kompanie Lindner bewiesenen Haltung wurde von der Division durch besonders anerkennenden Tagesbefehl gewürdigt.“

Man begrub Johann Maier auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 2, Grab 47.

Das Grab von Josef Kirner und Johann Maier auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 501: Arnulf Arnold

Der Soldat Arnulf Arnold stammte aus der bayerischen Gemeinde Tutzing. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 3. Kompanie des 19. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 14.03.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Über den Todestag und die Todesumstände von Arnulf Arnold berichtet die Regimentsgeschichte des 19. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Am 14.03. vormittags wurden durch unsere Minenwerfer mehrere Barrikaden und Unterstände im Sättele zerstört und 5.45 Uhr abends konnte I./R. 18 melden „Die zerstörten Teile der Barrikade sind durch eigene Patrouillen besetzt.“ Eben freut man sich über diesen schönen Erfolg, als die Schreckensnachricht eintraf, dass drei Volltreffer unseres den Reichackerkopf beschießenden 21 Zentimeter-Mörsers in die nördlich der Kuppe eingesetzten 1./R. 19 (Leutnant Lindner) gegangen seien und 11 Mann getötet und 9 Mann verwundet hätten. Die trotz dieses furchtbaren Unglücks von der Kompanie Lindner bewiesenen Haltung wurde von der Division durch besonders anerkennenden Tagesbefehl gewürdigt.“

Man begrub Arnulf Arnold auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 2, Grab 45.

In seiner Heimatgemeinde Tutzing gedenkt man Arnulf Arnold noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2020/tutzing_lk-starnberg_wk1_bay.html

Das Grab von Anton Flesch und Arnulf Arnold auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 489: Josef Schönenberger

Der Soldat Josef Schönenberger stammte aus Bad Saulgau. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 2. Kompanie des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 04.09.1914 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Schönenberger berichtet die Regimentsgeschichte des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Der 4. September

Ein heißer Tag war es fürwahr
Mittag schlug es vom Turm
Als unsere brave Landwehrschar
Den Mönchberg nahm im Sturm.

In dunklen Waldeshöhen
Der Feind lag gut gedeckt
Wir konnten nichts erspähen
Bis uns sein Feuer schreckt

Ein grausam Kugelregen
Schlägt ein in unsere Reih’n
Nun gilt es sich zu regen
„Kameraden, jetzt haut drein“.

So ruft der tapfre Hauptmann
Zum langersehnten Kampf
Es blitzt, es kracht und Mann für Mann
Liegt nun im Pulverdampf

Das Sturmsignal „Kartoffelsupp“
Tönt drauf an unser Ohr
Mit aufgepflanztem Bajonett
Geht jetzt die Landwehr vor.

Man denkt noch kurz an Weib und Kind
UNd auch ans Mütterlein
Dann „Gott mit uns – furchtlos und treu“
Der Sieg muss unser sein.

Dies die Verfse des Wehrmanns Domminik, 2. Kompanie, über den ernsten Tag, um den viele Tränen fließen mussten. – „Brigade von Frech“ hatte sich morgens in Günsbach zum geschlossenen Vormarsch auf Münster versammelt; IV. und I./Landwehr-Infanterie-Regiment 121 mit Maschinengewehren als Vorhut, II. und III. sowie das Landwehrregiment 123 als Gros. Wohlgemut zogen wir in die Spätsommerhitze im Talgrund auf der staubigen nördlichen Fechtstraße nach Westen, voll Erwartung auf den Übergang auf französischen Boden, den wir heute oder morgen erwarteten, denn danach stand jedem der Sinn; Krieg heißt Feindesland. Der Grenzkamm schloss weit hinten den Horizont ab, mächtige Waldkuppen türmten sich davor, ganz vorn der Reichackerkopf und Mönchberg die dicht hinter Münster anstiegen; Kirchturm und Dächer des Städtchens wurden allgemach sichtbar. Links hatten wir das ziemlich breite Münstertal, rechts ragten neben der Straße steile bewaldete Hänge auf; lange Reihen von Kopfscheiben hatten die Franzosen dort oben vor dem Waldrand aufgestellt; wir sollten wohl da hinauf einen Angriff in Szene setzen.

Mädchen kamen uns entgegengeradelt. „Seid ihr endlich da?“, aus allen Häusern winkten die Münsterer, und überall wurden uns Erfrischungen angeboten. „Gestern Abend sind sie abgezogen. Aber Vorsicht: hinter der Stadt sitzen sie in den Bergen!“

Die Vorhut erhielt Befehl, über den Reichackerkopf auf den „Sattel“ und den „Sattelkopf“ zu marschieren; II./L. 121 hatte im „Kleintal“, nördlich davon, die Linie Weiher-Widenthal zu erreichen und mit der bayerischen Landwehr auf den Höhen rechts Verbindung zu suchen; der Rest der Brigade sollte der Vorhut folgen.

11.30 Uhr trat 15./L. 121 als Spitze an; das II. Bataillon zog sich nach seinem nordwestlichen Ortsausgang und schickte die 6. Kompanie zur Aufklärung und Flankendeckung gegen die kahlen Felshänge von Hohrodberg halbrechts hinauf.

300 Meter weit war die 15. Kompanie aus Münster die Bergstraße nach dem Reichackerkopf angestiegen, als an den „Spitaläckern“ aus naher Entfernung ein schwerer Infanteriefeuerüberfall auf sie niederging, der nur zu gut lag. Es kam aus Dickicht, Gehölz und dem Waldrand oberhalb – die Warnung der Männer von Münster: hier hatten sie gelauert und uns dicht herankommen lassen. So rasch das böse Gelände es zuließ, entwickelte die 15. beiderseits des Fahrwegs ihre Schützen, – Raum dazu fehlte, da der Berg rechts scharf abfiel, zur Linken steil aufstieg und begann gegen den Feind zu klimmen. Die 13. Kompanie trat ins Gefecht, dann 14. und 16./L. 121, die Schützenlinie beiderseits verlängernd; hierauf wurde das I. Bataillon eingeschoben. Der Regimentskommandeur und beide Bataillonskommandeure führten ihre Truppen persönlich vor, gruppenweise im heftigsten Feuer, so gut es ging; furchtbar hinderte die Enge der Örtlichkeit jede einfachste Bewegung. Unsere Verluste wuchsen rapid; Oberstleutnant Brock, unser Regimentskommandeur Oberstleutnant Bechtiger, der Adjutant des I., Oberleutnant Paul, die Oberleutnants Schittenhelm und Stübler, Kompanieführer der 16. und 3., Leutnant Müller, 2., einen nach dem andern rafften die Feuergarben der Franzosen in einer Viertelstunde fort, wie sie ihre Leute vorbrachten, und um sie ihre Zug- und Gruppenführer, ihre Mannschaften, und die Zahl der Toten und Verwundeten schwoll mit jeder Minute weiter an. An einheitliche Leitung war nicht zu denken; jeder Führer suchte mit den nächstliegenden Leuten auf dem steinigen Boden aufwärtskriechend, an Wurzeln und Gesträuch sich hochziehend, Überblick und Schussfeld, jeder einzelne kämpfte wütend für sich gegen die Hunde in ihren Buschverstecken und Bäumen oben.

Inzwischen hatte das II. Bataillon, beim Verlassen des Nordwestrands von Münster heftig, aber wirkungslos von französischen Batterien beschossen, sein Ziel Weiher fahren lassen und sich in breiter Front quer durch die Fecht und das „Kleintal“ auf den Gefechtslärm am Reichackerkopf zugestürzt; die feindliche Artillerie folgte ihm durch den Grund mit ihren Granaten und Schrapnells. Es lief den Reichackerkopf von Norden an. Am linken Flügel unserer Linie griff III./L. 121 mit 3 Kompanien und Maschinengewehren ein, Front nach Nordost und fand brauchbares Schussfeld. Der konzentrische Druck duckte die Franzosen, unser zunehmendes Feuer wirkte und sie wurden bescheidener. Unsere Batterie ließ vom Nordwestrand von Münster ihre Schüsse gegen rückwärtige Ziele beim Feind krachen; sie tat gut, sich nicht in das Infanteriegefecht zu mischen, von dessen Stand von unten nichts zu erkennen war. Genug, dass Gruppen des IV. mit ihren blaueb Röcken von eigenen Verstärkungen für Franzosen gehalten und von hinten beschossen worden waren.

Wir waren so weit: Sturm. Mit Zusammenraffung allerKraft war die Linie sich den letzten Sprung über die felsigen Hänge aufwärts und brach in den Wald ein; einiges Handgemenge, ein paar Gefangene, im übrigen flüchtete der Feind. Erschöpft und keuchend nahm die Truppe die Verfolgung auf; sie führte über die obere „Hangstraße“ auf den „Sattel“ zu; Tornister, Waffen und Kleidungsstücke der Franzosen markierten ihren Weg. Beim Wegekreuz am Osthang der Kuppe 771 sammelten und ordneten sich unsere vier Bataillone, dann wurde die Höhe 771 besetzt; Reichackerkopf und Mönchberg waren überwunden.

Der nächste Waldberg in Richtung auf den Vogesenkamm und die deutsche Grenze ist der „Sattelkopf“, von dem nach Stoßweiher, wie in entgegengesetzter, südlicher Richtung tief eingeschnittene Wiesentäler abfallen; jenseits setzt die Walddecke des Sattelkopfmassivs dicht oberhalb des „Sattels“ an. Am Waldrand stehen die „Sattelhäuser“, wenige einzelne Grbäude.

Unsere Bataillone hielten rückwärts der diesseitigen Waldgrenze, um zunächst mit schwachen Patrouillen auf den Wiesengrund vorzufühlen. Und kaum waren diese aus den Bäumen angetreten, als wildes Infanterie- und Maschinengewehrfeuer von drüben auf sie einschlug; Hauptmann Lang, der Kompanieführer der 1. wurde tödlich getroffen. Der Feind hielt im übrigen vielfach zu hoch, so dass uns weitere Blutopfer erspart blieben. Was uns interessierte, wussten wir nun und zogen die Aufklärer zurück, denen der Boden auf ihrem dem Gegner zugeneigten Wiesenhang heiß genug geworden war.

Zwecklos, den Sattelkopf ohne Vorbereitung anzurennen; er war ohne schwere Einbußen nur zu stürmen, wenn seine Verteidiger während unseres Vorgehens durch den Wiesengrund von Artillerie und Maschinengewehren niedergehalten wurden und dafür war’s zu spät; der Abend war da. Ein dünner Schützenschleier wurde als Sicherung an den Waldrand postiert, dahinter legten sich die Reste der geschlossenen Kompanien; einige Reserven wurden ans Wegekreuz zurückgenommen. Die Verpflegungsoffiziere brachten um Mitternacht Leiterwagen voll Brot und Fleischkonserven vor, aber die Truppe wollte nicht viel davon wissen, obschon sie den Tag über nichts gegessen hatte. Besser etwas Schlaf, der auf dem feuchten Waldbosen in der Nachtkühle nicht recht kommen wollte. Zu gleicher Zeit befahl die Brigade, bei Tagesanbruch den Sattel anzugreifen. Ohne Vorbereitung und Feuerunterstützung durch Artillerie? Gleichgültig; nur Ruhe jetzt! Zwei Stunden später wurde die Räumung der Höhen in völliger Stille angeordnet; 4.30 Uhr morgens war damit zu beginnen und der Verstand stand uns vollends still: den Reichackerkopf und den Mönchberg, die eben unter schweren Verlusten gestürmt waren, räumen?

Die Beweggründe zu dieser Entschließung? Jenseits des Großtals, beim Hörnleskopf, Hohrodberg und Hohrod, im bayerischen Abschnitt, schien es nicht nach Wunsch gegangen zu sein. Unsere 6. Kompanie hatte auf ihrer Erkundung nahe bei Hohrod Kampfspuren, ein zerschossenes Geschütz und anderes angetroffen, Bayern nicht. Die auf die Höhe nordwestlich Münster vorgeschiebenen Züge der 6. und 7./L. 121, unsere Artilleriebedeckung, Flankensicherung und Verbindungstruppe nach Norden hatte bis in den Nachmittag nach rechts hinauf Fühlung mit einem bayerischen Unteroffiziersposten im Hof Bergbrochen gehabt, abends war Bergbrochen plötzlich von Franzosen besetzt und dass die Bayern ohne Nachricht abgezogen waren, kostete uns einen Mann, den der Feind aus unserer nächsten Verbindungspatrouille abschloss. Sie waren demnach zurückgegangen, die Franzosen gefolgt, und wenn der Gegner auf den nördlichen Münstertalbergen über Münster vorgekommen war, so beherrschte er unsere Zufahrtsstraße und konnte uns abschneiden. Später hörten wir, dass auch vom Gebweilertal her Alpenjäger mit Gebirgsartillerie gemeldet waren, kurz, es war in unserem Rücken wohl nicht geheuer und was die Einnahme und Wiederaufgabe einiger Berge angeht, so war man damals und im Bewegungskrieg überhaupt nicht überbedenklich. Im dämmernden Morgen stiegen die Bataillone schweigend wieder ins Tal hinab, vorbei an den beiderseits des Weges liegenden stillen Kameraden und den gefallenen Franzosen, von denen viele durch unsere Krankenträger und die Hilfe leistenden Einwohner von Münster noch nicht hatten geborgen werden können; die Verluste waren zu groß gewesen. Dann durch das schlummernde Münster; an seinem Ortsausgang wurde gesammelt. – Einer aber war auf dem Reichackerkopf geblieben: der lange Vizefeldwebel und Offiziersaspirant Brudermüller – „natürlich wieder ein früherer Einjähriger“ – hatte abseits seiner Kompanie unter einem lauschigen Strauch den Abmarsch und alles miteinander verschlafen und war in der Dunkelheit auch nicht vermisst worden; es fehlten so viele. Als er erwachte, war’s hell um ihn und alles leer, worauf er, allein der Verteidigung des Reichackerkopfes sich nicht gewachsen fühlend, beunruhigt den Rückzug antrat und bei der Rückmeldung in seiner Kompanie kein geringes Gelächter hervorrief. Es pflanzte sich durch das ganze Regiment fort und tat wunderbar gut; ermuntert und schon etwas gehoben gingen wir in den neuen Tag.“

Man begrub Josef Schönenberger auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 1, Grab 20.

Das Grab von Johann Rudolf und Josef Schoenen auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 488: Johann Rudolf

Der Soldat Johann Rudolf stammte aus der Stadt Creglingen im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 2. Kompanie des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 04.09.1914 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: menschter).

Über den Todestag und die Todesumstände von Johann Rudolf berichtet die Regimentsgeschichte des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Der 4. September

Ein heißer Tag war es fürwahr
Mittag schlug es vom Turm
Als unsere brave Landwehrschar
Den Mönchberg nahm im Sturm.

In dunklen Waldeshöhen
Der Feind lag gut gedeckt
Wir konnten nichts erspähen
Bis uns sein Feuer schreckt

Ein grausam Kugelregen
Schlägt ein in unsere Reih’n
Nun gilt es sich zu regen
„Kameraden, jetzt haut drein“.

So ruft der tapfre Hauptmann
Zum langersehnten Kampf
Es blitzt, es kracht und Mann für Mann
Liegt nun im Pulverdampf

Das Sturmsignal „Kartoffelsupp“
Tönt drauf an unser Ohr
Mit aufgepflanztem Bajonett
Geht jetzt die Landwehr vor.

Man denkt noch kurz an Weib und Kind
UNd auch ans Mütterlein
Dann „Gott mit uns – furchtlos und treu“
Der Sieg muss unser sein.

Dies die Verfse des Wehrmanns Domminik, 2. Kompanie, über den ernsten Tag, um den viele Tränen fließen mussten. – „Brigade von Frech“ hatte sich morgens in Günsbach zum geschlossenen Vormarsch auf Münster versammelt; IV. und I./Landwehr-Infanterie-Regiment 121 mit Maschinengewehren als Vorhut, II. und III. sowie das Landwehrregiment 123 als Gros. Wohlgemut zogen wir in die Spätsommerhitze im Talgrund auf der staubigen nördlichen Fechtstraße nach Westen, voll Erwartung auf den Übergang auf französischen Boden, den wir heute oder morgen erwarteten, denn danach stand jedem der Sinn; Krieg heißt Feindesland. Der Grenzkamm schloss weit hinten den Horizont ab, mächtige Waldkuppen türmten sich davor, ganz vorn der Reichackerkopf und Mönchberg die dicht hinter Münster anstiegen; Kirchturm und Dächer des Städtchens wurden allgemach sichtbar. Links hatten wir das ziemlich breite Münstertal, rechts ragten neben der Straße steile bewaldete Hänge auf; lange Reihen von Kopfscheiben hatten die Franzosen dort oben vor dem Waldrand aufgestellt; wir sollten wohl da hinauf einen Angriff in Szene setzen.

Mädchen kamen uns entgegengeradelt. „Seid ihr endlich da?“, aus allen Häusern winkten die Münsterer, und überall wurden uns Erfrischungen angeboten. „Gestern Abend sind sie abgezogen. Aber Vorsicht: hinter der Stadt sitzen sie in den Bergen!“

Die Vorhut erhielt Befehl, über den Reichackerkopf auf den „Sattel“ und den „Sattelkopf“ zu marschieren; II./L. 121 hatte im „Kleintal“, nördlich davon, die Linie Weiher-Widenthal zu erreichen und mit der bayerischen Landwehr auf den Höhen rechts Verbindung zu suchen; der Rest der Brigade sollte der Vorhut folgen.

11.30 Uhr trat 15./L. 121 als Spitze an; das II. Bataillon zog sich nach seinem nordwestlichen Ortsausgang und schickte die 6. Kompanie zur Aufklärung und Flankendeckung gegen die kahlen Felshänge von Hohrodberg halbrechts hinauf.

300 Meter weit war die 15. Kompanie aus Münster die Bergstraße nach dem Reichackerkopf angestiegen, als an den „Spitaläckern“ aus naher Entfernung ein schwerer Infanteriefeuerüberfall auf sie niederging, der nur zu gut lag. Es kam aus Dickicht, Gehölz und dem Waldrand oberhalb – die Warnung der Männer von Münster: hier hatten sie gelauert und uns dicht herankommen lassen. So rasch das böse Gelände es zuließ, entwickelte die 15. beiderseits des Fahrwegs ihre Schützen, – Raum dazu fehlte, da der Berg rechts scharf abfiel, zur Linken steil aufstieg und begann gegen den Feind zu klimmen. Die 13. Kompanie trat ins Gefecht, dann 14. und 16./L. 121, die Schützenlinie beiderseits verlängernd; hierauf wurde das I. Bataillon eingeschoben. Der Regimentskommandeur und beide Bataillonskommandeure führten ihre Truppen persönlich vor, gruppenweise im heftigsten Feuer, so gut es ging; furchtbar hinderte die Enge der Örtlichkeit jede einfachste Bewegung. Unsere Verluste wuchsen rapid; Oberstleutnant Brock, unser Regimentskommandeur Oberstleutnant Bechtiger, der Adjutant des I., Oberleutnant Paul, die Oberleutnants Schittenhelm und Stübler, Kompanieführer der 16. und 3., Leutnant Müller, 2., einen nach dem andern rafften die Feuergarben der Franzosen in einer Viertelstunde fort, wie sie ihre Leute vorbrachten, und um sie ihre Zug- und Gruppenführer, ihre Mannschaften, und die Zahl der Toten und Verwundeten schwoll mit jeder Minute weiter an. An einheitliche Leitung war nicht zu denken; jeder Führer suchte mit den nächstliegenden Leuten auf dem steinigen Boden aufwärtskriechend, an Wurzeln und Gesträuch sich hochziehend, Überblick und Schussfeld, jeder einzelne kämpfte wütend für sich gegen die Hunde in ihren Buschverstecken und Bäumen oben.

Inzwischen hatte das II. Bataillon, beim Verlassen des Nordwestrands von Münster heftig, aber wirkungslos von französischen Batterien beschossen, sein Ziel Weiher fahren lassen und sich in breiter Front quer durch die Fecht und das „Kleintal“ auf den Gefechtslärm am Reichackerkopf zugestürzt; die feindliche Artillerie folgte ihm durch den Grund mit ihren Granaten und Schrapnells. Es lief den Reichackerkopf von Norden an. Am linken Flügel unserer Linie griff III./L. 121 mit 3 Kompanien und Maschinengewehren ein, Front nach Nordost und fand brauchbares Schussfeld. Der konzentrische Druck duckte die Franzosen, unser zunehmendes Feuer wirkte und sie wurden bescheidener. Unsere Batterie ließ vom Nordwestrand von Münster ihre Schüsse gegen rückwärtige Ziele beim Feind krachen; sie tat gut, sich nicht in das Infanteriegefecht zu mischen, von dessen Stand von unten nichts zu erkennen war. Genug, dass Gruppen des IV. mit ihren blaueb Röcken von eigenen Verstärkungen für Franzosen gehalten und von hinten beschossen worden waren.

Wir waren so weit: Sturm. Mit Zusammenraffung allerKraft war die Linie sich den letzten Sprung über die felsigen Hänge aufwärts und brach in den Wald ein; einiges Handgemenge, ein paar Gefangene, im übrigen flüchtete der Feind. Erschöpft und keuchend nahm die Truppe die Verfolgung auf; sie führte über die obere „Hangstraße“ auf den „Sattel“ zu; Tornister, Waffen und Kleidungsstücke der Franzosen markierten ihren Weg. Beim Wegekreuz am Osthang der Kuppe 771 sammelten und ordneten sich unsere vier Bataillone, dann wurde die Höhe 771 besetzt; Reichackerkopf und Mönchberg waren überwunden.

Der nächste Waldberg in Richtung auf den Vogesenkamm und die deutsche Grenze ist der „Sattelkopf“, von dem nach Stoßweiher, wie in entgegengesetzter, südlicher Richtung tief eingeschnittene Wiesentäler abfallen; jenseits setzt die Walddecke des Sattelkopfmassivs dicht oberhalb des „Sattels“ an. Am Waldrand stehen die „Sattelhäuser“, wenige einzelne Grbäude.

Unsere Bataillone hielten rückwärts der diesseitigen Waldgrenze, um zunächst mit schwachen Patrouillen auf den Wiesengrund vorzufühlen. Und kaum waren diese aus den Bäumen angetreten, als wildes Infanterie- und Maschinengewehrfeuer von drüben auf sie einschlug; Hauptmann Lang, der Kompanieführer der 1. wurde tödlich getroffen. Der Feind hielt im übrigen vielfach zu hoch, so dass uns weitere Blutopfer erspart blieben. Was uns interessierte, wussten wir nun und zogen die Aufklärer zurück, denen der Boden auf ihrem dem Gegner zugeneigten Wiesenhang heiß genug geworden war.

Zwecklos, den Sattelkopf ohne Vorbereitung anzurennen; er war ohne schwere Einbußen nur zu stürmen, wenn seine Verteidiger während unseres Vorgehens durch den Wiesengrund von Artillerie und Maschinengewehren niedergehalten wurden und dafür war’s zu spät; der Abend war da. Ein dünner Schützenschleier wurde als Sicherung an den Waldrand postiert, dahinter legten sich die Reste der geschlossenen Kompanien; einige Reserven wurden ans Wegekreuz zurückgenommen. Die Verpflegungsoffiziere brachten um Mitternacht Leiterwagen voll Brot und Fleischkonserven vor, aber die Truppe wollte nicht viel davon wissen, obschon sie den Tag über nichts gegessen hatte. Besser etwas Schlaf, der auf dem feuchten Waldbosen in der Nachtkühle nicht recht kommen wollte. Zu gleicher Zeit befahl die Brigade, bei Tagesanbruch den Sattel anzugreifen. Ohne Vorbereitung und Feuerunterstützung durch Artillerie? Gleichgültig; nur Ruhe jetzt! Zwei Stunden später wurde die Räumung der Höhen in völliger Stille angeordnet; 4.30 Uhr morgens war damit zu beginnen und der Verstand stand uns vollends still: den Reichackerkopf und den Mönchberg, die eben unter schweren Verlusten gestürmt waren, räumen?

Die Beweggründe zu dieser Entschließung? Jenseits des Großtals, beim Hörnleskopf, Hohrodberg und Hohrod, im bayerischen Abschnitt, schien es nicht nach Wunsch gegangen zu sein. Unsere 6. Kompanie hatte auf ihrer Erkundung nahe bei Hohrod Kampfspuren, ein zerschossenes Geschütz und anderes angetroffen, Bayern nicht. Die auf die Höhe nordwestlich Münster vorgeschiebenen Züge der 6. und 7./L. 121, unsere Artilleriebedeckung, Flankensicherung und Verbindungstruppe nach Norden hatte bis in den Nachmittag nach rechts hinauf Fühlung mit einem bayerischen Unteroffiziersposten im Hof Bergbrochen gehabt, abends war Bergbrochen plötzlich von Franzosen besetzt und dass die Bayern ohne Nachricht abgezogen waren, kostete uns einen Mann, den der Feind aus unserer nächsten Verbindungspatrouille abschloss. Sie waren demnach zurückgegangen, die Franzosen gefolgt, und wenn der Gegner auf den nördlichen Münstertalbergen über Münster vorgekommen war, so beherrschte er unsere Zufahrtsstraße und konnte uns abschneiden. Später hörten wir, dass auch vom Gebweilertal her Alpenjäger mit Gebirgsartillerie gemeldet waren, kurz, es war in unserem Rücken wohl nicht geheuer und was die Einnahme und Wiederaufgabe einiger Berge angeht, so war man damals und im Bewegungskrieg überhaupt nicht überbedenklich. Im dämmernden Morgen stiegen die Bataillone schweigend wieder ins Tal hinab, vorbei an den beiderseits des Weges liegenden stillen Kameraden und den gefallenen Franzosen, von denen viele durch unsere Krankenträger und die Hilfe leistenden Einwohner von Münster noch nicht hatten geborgen werden können; die Verluste waren zu groß gewesen. Dann durch das schlummernde Münster; an seinem Ortsausgang wurde gesammelt. – Einer aber war auf dem Reichackerkopf geblieben: der lange Vizefeldwebel und Offiziersaspirant Brudermüller – „natürlich wieder ein früherer Einjähriger“ – hatte abseits seiner Kompanie unter einem lauschigen Strauch den Abmarsch und alles miteinander verschlafen und war in der Dunkelheit auch nicht vermisst worden; es fehlten so viele. Als er erwachte, war’s hell um ihn und alles leer, worauf er, allein der Verteidigung des Reichackerkopfes sich nicht gewachsen fühlend, beunruhigt den Rückzug antrat und bei der Rückmeldung in seiner Kompanie kein geringes Gelächter hervorrief. Es pflanzte sich durch das ganze Regiment fort und tat wunderbar gut; ermuntert und schon etwas gehoben gingen wir in den neuen Tag.“

Man begrub Johann Rudolf auf dem Soldatenfriedhof Munster in Block 1, Grab 19.

In seiner Heimatstadt Creglingen gedenkt man Johann Rudolf noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2011/creglingen_main-tauber-kreis_wk1_wk2_bawue.html

Das Grab von Johann Rudolf und Josef Schoenen auf dem Soldatenfriedhof Münster