Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 607: Friedrich Scholl

Der Soldat Friedrich Scholl stammte aus Hertmannsweiler, einem Ortsteil der Stadt Winnenden im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Landsturmmann in der 16. Kompanie des 121. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 03.11.1914 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Man begrub Friedrich Scholl auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 462.

Das Grab von Friedrich Scholl auf dem Soldatenfriedhof Hohrod

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 606: Anton Baumeister

Der Soldat Anton Baumeister stammte aus der bayerischen Stadt Günzburg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Oberstleutnant und Stabskommandeur im Stab des II. Bataillons des 23. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 20.02.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Über den Todestag und die Todesumstände von Anton Baumeister berichtet die Regimentsgeschichte des 23. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Der neue Tag (20.02.1915) brachte wieder frischen Mut, insbesondere wurde freudig begrüßt, dass erneutes zusammengefasstes Artilleriefeuer von 10 Uhr vormittags ab die feindliche Stellung sturmreif schießen sollte.

Mit inzwischen geordneten Verbänden wurde um 11 Uhr vormittags zum vierten Sturm angetreten. In der Front unterstützt durch 12/bayerisches Landwehr-Infanterie-Regiment 3, von Süden her durch 3. Kompanie des Landwehr-Infanterie-Regiments 121, erkämpfte das Bataillon wieder Schritt für Schritt die Höhe bis zur Sturmentfernung.

Als es dem Bataillonskommandeur, Oberstleutnant z. D. Baumeister, schien, als käme der Angriff wieder ins Stocken, eilte er mit Handgranaten in der Hand in die dicht am Feind befindliche vordere Linie des Bataillons und feuerte durch sein Beispiel zum mutigen Vorwärtsstürmen an. Während unter seiner Führung die vordersten Reihen auf den Gegner eindrangen, brach der tapfere Held, der als verabschiedeter Offizier trotz vorgerückten Alters freiwillig zum Frontdienst zu den Fahnen geeilt war, von mehreren Geschossen tödlich getroffen, zusammen. Mit den Worten „Gott sei Dank, wir haben den Berg!“ fiel er an der Spitze seines Bataillons, ein leuchtendes Beispiel deutschen Heldenmuts und deutschen Pflichtgefühls. Bei dem Versuch, ihn zur Seite zu bringen, fielen drei Leute seines Bataillons, deren Namen dem Verfasser leider nicht bekannt geworden sind, erst dem vierten gelang es, den Sterbenden zu bergen.

Kurze Zeit darauf hatten die Gefechtsgruppen Utz, Eißenberger, Straßer und Zimmermann (die Kompanien waren vollständig vermischt) mit jugelndem Hurra die Höhe genommen, die vom Feinde in wilder Flucht geräumt wurde.

Die Verluste betrugen 36 Tote, 75 Verwundete, 38 Vermisste. Unter den Toten befand sich auch der tapfere Führer der 8./R. 23, Oberleutnant Neumeier, der, an der Spitze seiner Leute in den feindlichen Drahtverhau eingedrungen, von zwei feindlichen Geschossen getroffen, zu Boden sank.

Für den gefallenen Oberstleutnant Baumeister übernahm Hauptmann Utz die Führung des Bataillons.“

Man begrub Anton Baumeister auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 463.

Das Grab von Anton Baumeister auf dem Soldatenfriedhof Hohrod

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 605: Josef Lang

Der Soldat Josef Lang stammte aus der bayerischen Gemeinde Tittling. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Offiziersstellvertreter in der 5. Kompanie des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 22.07.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) am Lingekopf.

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Lang berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Am 22. Juli um 5.30 Uhr vormittags setzte starkes Artilleriefeuer leichten und schweren Kalibers auf die Hauptstellung am Lingekopf ein, wodurch die 8. Kompanie schwere Verluste erlitt. (Leutnant Drangmeister gefallen). Auch bei der in Reserve befindlichen 6. Kompanie gab es Verluste.

Als zwischen 9 Uhr und 10 Uhr vormittags das Artilleriefeuer schwächer wurde, ließ der Kommandeur von II./Landwehr-Infanterie-Regiment 1 in Erwartung des Infanterieangriffs die Hauptstellung am Lingekopf noch durch zwei Züge verstärken, nahm sie aber alsbald wieder zurück, weil neuerdings heftiges Artilleriefeuer, untermischt mit Infanterie- und Maschinengewehrfeuer, eingesetzt.

12 Uhr mittags verlegte die feindliche Artillerie ihr Feuer nach rückwärts, was auf einen bevorstehenden Angriff deutete. Deshalb erhielt die 6. Kompanie den Befehl, die Hauptstellung am Lingekopf durch sämtliche drei Züge zu verstärken. Tatsächlich setzte auch gleich darauf der Angriff ein. Der Feind griff den ganzen Lingekopf an und gelangte bis zu dem durch Artilleriefeuer stark beschädigten Drahthindernis vor der Lingekopfstellung, durch welches er an einigen Stellen durchdrang. Beim Vorgehen versteckten sich die französischen Alpenjäger sehr gewandt hinter Steinblöcken und Büschen. Sie feuerten weiße und rote Signalkugeln ab. Infolge unseres heftigen Infanteriefeuers gelang es ihnen jedoch nicht, obwohl sie sich stellenweise im toten Winkel Deckung verschaffen konnten, an die Hauptstellung heranzukommen. Als sie die Unmöglichkeit hiezu erkannt hatten, versuchten sie, wie durch eine von der Nordseite des Lingekopfs vorgeschickte Patrouille erkundet wurde, sich unter Benützung des toten Winkels etwa 100 Meter vor der Lingekopf-Stellung einzugraben. Einem von Norden her vorgeschickte Halbzug der 10. Kompanie Landwehr-Infanterie-Regiment 3 gelang es, durch Flankenfeuer diesen Versuch zu vereiteln. Auch durch Flankenfeuer eines Maschinengewehrs aus Bastion I auf dem Eichenrain wurde der Lingekopf-Hang bestrichen, was die Lage wesentlich erleichterte. Dem weiteren Versuch der Franzosen, ein Maschinengewehr heranzubringen, wurde mit Handgranaten wirksam begegnet. Zwischen 4 Uhr und 5 Uhr 30 nachmittags lag starkes Artilleriefeuer auf dem Bärenstall, zwischen 6.30 Uhr und 8.30 Uhr abends desgleichen auf Schratzmännele, Lingekopf und Lingehang.

Bei diesen Kämpfen zeichnete sich besonders Wehrmann Josef Sattler der 8. Kompanie aus. Nachdem Zugführer, Leutnant Drangmeister, und stellvertretender Zugführer, Unteroffizier Oelkofner, gefallen waren, übernahm bei Beginn des Angriffs Sattler die Führung von drei Gruppen, warf die Franzosen zurück und brachte durch Handgranaten einen Versuch des Feindes, sich ungefähr 100 Meter vor der Stellung im toten Winkel einzugraben, zum Scheitern. Den Gefreiten Digeser, der bei dieser Gelegenheit schwer verwundet wurde, holte er zwei Stunden später herein. Fürsein Verhalten wurde ihm das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen und durch den Regimentskommandeur persönlich überreicht.“

Man begrub Josef Lang auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 280.

Das Grab von Josef Langgartner auf dem Soldatenfriedhof Hohrod

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 604: Xaver Rittler

Der Soldat Xaver Rittler stammte aus Nordhofen, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Deisenhausen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Landwehrmann in der 7. Kompanie des 12. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 03.12.1914 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) am Rabenbühl.

Man begrub Xaver Rittler auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 278.

Das Grab von Xaver Rittler auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 603: Xaver Trunz

Der Soldat Xaver Trunz stammte aus der bayerischen Ortschaft Dösingen, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Westendorf. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 1. Kompanie des 12. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 09.11.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) nahe Diedolshausen (französisch: Le Bonhomme).

Man begrub Xaver Trunz auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 30.

In seiner Heimatgemeinde Westendorf gedenkt man Xaver Trunz noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/westendorf-doesingen_wk1u2_bay.htm

Das Grab von Xaver Trunz auf dem Soldatenfriedhof Hohrod

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 602: Josef Plendl

Der Soldat Josef Plendl stammte aus der bayerischen Ortschaft Taiding. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Landwehrmann in der 1. Kompanie des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 01.01.1916 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) am Barrenkopf.

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Man begrub Josef Plendl auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 29.

Das Grab von Josef Plendl auf dem Soldatenfriedhof Münster

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 601: Georg Zabel

Der Soldat Georg Zabel stammte aus Bützen bei Nienburg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier in der 6. Kompanie des 78. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 31.08.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nahe der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Man begrub Georg Zabel auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 4, Grab 125.

In seiner Heimatgemeinde Landesbergen gedenkt man Georg Zabel noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2009/landesbergen_1870-71_wk1u2_ns.htm

Das Grab von Georg Zabel auf dem Soldatenfriedhof Münster

Sonderbeitrag: Josef Greinwald

Der Soldat Josef Greinwald stammte aus der bayerischen Stadt Füssen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 4. Kompanie des 3. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 05.09.1914 fiel er während der Kämpfe nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter).

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Greinwald berichtet die Regimentsgeschichte des 3. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:

Das Regiment verbrachte die Nacht im Wald von Machieles.
Um 5° morgens am 5.9. traf der Befehl ein: Das Regiment geht sofort über Urbeis zurück. Ein Bataillon besetzt die Höhe nördlich von Urbeis beim Grand Faudé, ein Bataillon die Höhe südlich von Urbeis, den Ausläufer des Eichenrains, mit zwei Bataillonen einschließlich eines Bataillons des R[eserve]‑Inf[anterie]‑Reg[iments] 12 die Höhen östlich Lannach. Die vorgeschobenen Bataillone bei Grand Faudé und Eichenrain haben so lange zu bleiben, bis die Kolonne Hübner sich nach Diedolshausen verschoben hat.

Die Freigabe des Eichenrains, die noch dazu aus Mißverständnis zu früh geschah, hat sich bitter gerächt.

Um 2 Uhr kam der Befehl, daß zur Unterstützung des Angriffes auf Diedolshausen je eine Kompagnie nach dem Machieles‑Wald und nach dem Schwarzberg vorzuschieben sei. Durch lebhafte Streifen beider Kompagnien sollte der Eindruck eines geplanten Angriffs hervorgerufen werden. Der vorzeitige Wegzug vom Eichenrain hatte dem Gegner die Bahn frei gemacht, er schob sich unbemerkt vor und als die beiden Kompagnien ihren Zielen zustrebten, wurden sie mit kräftigem Feuer überfallen, besonders die 4. Komp., die nach Machieles bestimmt war, litt stark. Gefallen: Hptm. Keller, 7 Mann; verwundet und vermißt 28 Mann.

Das Regiment blieb mit zwei Bataillonen für die Nacht in Urbeis, um ein Nachrücken des Gegners aufzuhalten.

Damit war das Regiment in seinem Abschnitt gelandet, den es für die nächsten vier Jahre zu halten hatte.

Man begrub Josef Greinwald auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 1, Grab 25.

In seiner Heimatstadt Füssen gedenkt man Josef Greinwald noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2019/fuessen_lk-ostallgaeu_wk1_bay.html

Das Grab von Josef Greinwald auf dem Soldatenfriedhof Hohrod

Sonderbeitrag: Saly Thannhauser UNFERTIG

Der Soldat Saly Thannhauser wurde am 22.10.1884 in Kriegshaber geboren, einem Ortsteil der bayerichen Stadt Augsburg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Landsturmmann in der 5. Kompanie des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 01.08.1915 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) an der Bayernhütte.

Über den den Todestag von Saly Thannhauser berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Am 1. August nachts 3 Uhr setzte außerordentlich starkes feindliches Artilleriefeuer ein, das abermals einen neuen Angriff des Feindes erwarten ließ. II./1. wurde wieder alarmiert und rückte nach 855 vor; abends wurde die 6. und 8. Kompanie bei starkem feindlichen Artilleriefeuer nach Bärenstall vorgezogen. Sie legten den Weg in Gruppensprüngen zurück, erlitten aber schon hier Verluste. Am späten Abend griffen die Franzosen auch wirklich an und es gelang ihnen auch am Schratzmännele in unseren Graben (am Steinbruch) einzudringen. Aus einem Teil wurden sie durch die sofort nach Ankunft eingesetzten zwei Züge der 6. und 8. Kompanie wieder hinausgeworfen.“

Man begrub Saly Thannhauser auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 28.

Das Grab von Saly Thannhäuser auf dem Soldatenfriedhof Hohrod

Sonderbeitrag: Wilhelm Cohn

Der jüdische Soldat Wilhelm Cohn wurde am 02.02.1882 in Fraustadt (seit 1945 polnisch: Wschowa) geboren und lebte in Frankfurt am Main. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 3. Kompanie des 81. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 28.08.1914 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter). Wilhelm Cohn wurde 32 Jahre alt.

Über den Todestag und die Todesumstände von Wilhelm Cohn berichtet die Regimentsgeschichte des 81. Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Die Nacht verlief ungestört und doch hatte man sie wie später bekannt wurde, mit Alpenjägern zusammen im gleichen Orte verbracht. Um 4.30 Uhr früh wurde der Weitermarsch in Richtung Kaysersberg angetreten. Das Regiment sollte gegen Flanke und Rücken des auf der „Hohen Schwärz“ nördlich Kayersberg vermuteten Feindes vorgehen. Die Kompanien waren nach dem Durcheinander des vergangenen Abends wieder einigermaßen geordnet worden. Man war froh, aus dem engen Kessel heraus zu kommen. Auf dem Marsch durch das von beträchtlichen Höhen eingefasste Tal bildete die 10. Kompanie als Artilleriedeckung bzw. Sicherung der Bagage den Schluss. Gemächlich zogen die knarrenden Fuhrwerke ihres Weges. Die Fouriere teilten im Fahren ihre Brote aus, Bataillonsschreiber, Zahlmeister saßen rauchend auf den beladenen Wagen. Da plötzlich krachte es rechts oben und prasselte etwas zwischen die Kolonnen. Der erste Morgengruß des Feindes! Erschreckt fuhren die Pferde empor, die Fuhrleute hieben auf die Tiere ein, die Reiter sprangen aus den Sätteln. Die Leute warfen sich an den Straßenrand, rissen die Gewehre in Anschlag und blindlings krachten die Schüsse zu einem Gegner hinauf, den niemand sah. Die französischen Kugeln hatten dem Regiment den ersten Toten abgefordert. Durch den Kopf getroffen war der Wehrmann Kees (richtig: es war der GEFREITE Eugen KÄS aus Ehrenstetten, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 1, Grab 124) der 10. Kompanie auf der Straße zusammengebrochen. Die gleiche Kugel hatte seinem Kameraden, der ihm zur Seite ging, dem Wehrmann Wagner, den Arm zersplittert. Gegolten hatte sie Hauptmann Klein, der wenige Schritte vor den beiden Ritt. Doch seine Todesstunde sollte erst später schlagen. Gebüsche und Gehölze des Talhanges wurden mit einem heftigen Feuer beschickt. Der unsichtbare Feind antwortete. Droben lagen einige Häuser, dort steckte der Franzose; es war zweifellos. Also ein Zug hinauf und den roten Hahn auf die Dächer, die dem Feinde einen Hinterhalt boten! Bald sah man leichten Rauch aus den Dachluken eines Hauses steigen. Händeringend liefen die Bauern heraus, zerrten das Vieh aus dem Stall. Jeden Augenblick musste die Flamme aus dem First herausschlagen. Doch der Rauchschwaden verzog sich. War es Mitleid, das die schon entfachte Flamme wieder erstickte? Es war noch deutscher Boden, wo dies gewaltsame Spiel anhob. Konnten die hilflosen Bauern es den Franzosen verwehren, wenn er ihre Fenster zu Schießscharten machte?

Gleichwohl hegten die Wehrleute ein großes Misstrauen gegen die Bevölkerung, die ihnen durch ihre Mischsprache einen feindlichen Eindruck machte. Argwöhnisch wegen vergifteter Getränke entspannen sich die biederen Krieger, dass man das Angebotene den Verdächtigen zuerst trinken lassen müsse, gossen es aber, durstig wie sie meist waren, bald durch die eigene Kehle, ohne erst abzuwarten, ob es dem Bauern von dem Probetrunk nicht übel werde. –

Das Regiment näherte sich Kaysersberg; dauernd pfiffen von rechts und links einzelne Kugeln herab. In weiten Netzen spann sich der Feind auf den Höhen umher, schwer fassbar. Doch es galt, hindurch zu greifen, um ihn endlich Auge in Auge zu bekommen.

Das Tal weitete sich um Kayersberg zu einer größeren Breite aus. Von dort her erscholl Kanonendonner. Das Regiment rückte in das alte Städtchen ein. Es konnte noch nicht lange von den Franzosen verlassen sein. Eine Trikolore hing noch am Rathause, am Brunnen ein Plakat: „Il est interdit de boire.“ Der Franzose hatte sich hier schon heimisch gemacht. Ohne Aufenthalt ging es durch die Stadt hindurch. Drüben, kaum 2 Kilometer weiter lag Kienzenheim. Es hieß, dort hätten sich die Franzosen eingeschanzt, etwa 200 – 300 Mann. „Radfahrer voraus, aufklären“, befahl Oberleutnant Vogel. Die Räder von etwa 40 Fahrern eilten über die glatte Straße. Eine Salve krachte am Eingang des Dorfes. Der Gefreite Diez stürzte zusammen. Dies anderen warfen sich links und rechts der Straße in die Gräben, breiteten sich unter dem Schutze der Rebengärten aus und eröffneten das Feuer. Der Feind versuchte eine Umgehungsbewegung. Offizier-Stellvertreter Vogel zog sich zurück; 3/4 Stunden lang hatte er mit seinem Fahrer Stand gehalten. Doch es kam keine Hilfe. Das I. Bataillon hatte als Vorhut in den Straßen von Kaysersberg gedeckt bereitgestanden. 7.25 Uhr erhielt es den befehl zum Angriff auf Kienzheim. Die 1. Kompanie unter Hauptmann Reinhardt entwickelte sich südlich der Straße Kaysersberg-Kienzheim, die 3. Kompanie unter Hauptmann Michelis nördlich derselben. Die 4. Kompanie hielt rechts gestaffelt die zweite Linie. Es war 8 Uhr vormittags. Die Vorgehenden ließen die ersten toten Franzosen hinter sich; der eine lag mit zerschossenem Kopf an der Straße. Mühsam arbeiteten sich die Leute durch die Reben vorwärts. Über ihre Köpfe hinweg sausten von links her die deutschen Geschosse, schlugen in Ammerschweier, das ebenfalls vom Feinde besetzt war, ein. Vom Dorfeingang her, sowie aus den Weinbergen nördlich und südlich des Ortes richtete sich ein heftiges Feuer gegen die anrückenden Schützenlinien. Bei den ersten Häusern zog eine Fassbarikade quer über die Straße. Dahinter blitzte es auf. Dunkelblaue Tellermützen lugten über die Fassränder, verschwanden – Alpenjäger. Mit Hurrah warfen sich die Wehrleute ihnen entgegen. Der Feind hielt nicht stand. Tornister, Munition lagen hinter den Fässern, als die ersten 81er heransprangen. Durch die Gassen ging die Verfolgung, dann auf der anderen Seite wieder heraus gegen Sigolsheim und Ammerschweier. Teile der 1. und 4. Kompanie erhielten dabei flankierendes Feuer vom Katztal her. Oberleutnant Seifert und Offizier-Stellvertreter Höfer wurden schwer verwundet. Währenddessen hatten auch die 3. und 2. Kompanie die Richtung auf das befestigte Ammerschweier genommen. Sein Bahnhof wurde trotz heftigen Widerstandes der Alpenjäger, die sich namentlich in einer kleinen Kapelle erbittert verteidigten, erstürmt. Die Kompanien entwickelten sich dann, die Stadt östlich umgehend, gegen die südöstlich von ihr gelegenen Weinberge, wohin sich die Franzosen zurückgezogen hatten. Währenddem griff das III. Bataillon von Kaysersberg aus Ammerschweier von Südwesten her an. Zweimal musste man einen Bach durchwaten, wobei die Wehrleute ihren Bataillonsführer, derb zugreifend, fast hinübertrugen. Dann drang Major Rördansz an der Spitze seines Bataillons in den Ort ein. Es entspann sich ein Straßenkampf; die Schüsse krachten aus Kellerlöchern und Fensterläden. Doch vom Osten her drangen Teile des I. Bataillons herein. Der Gegner wich nach Südwesten zurück. Es wurden acht Gefangene vom III. Bataillon eingebracht, weitere vier „schenkte“ Hauptmann Moritz, der Führer der 12. Kompanie, dem bayerischen 15. Reserve-Regiment, das von Nordosten her kommend, in den Kampf eingriff. Aus den Papieren eines am Bahnhof Ammerschwier gefallenen französischen Oberleutnants ging hevor, dass man dem Vorpostengros der „gemischten Brigade der Schlucht“ deren Hauptmacht wahrscheinlich bei „Drei Ähren“ stand, ein Treffen geliefert hatte. Die Alpenjäger, denen das Regiment hierbei begegnet war, sollten ihm in der Folgezeit noch schwer zu schaffen machen. Frankreich hatte es der italienischen Neutralität zu verdanken, dass es seine Alpengrenzen von Kriegsbeginn an von den Alpenjägern Saboyens und der Dauphinee entblößen und diese Kerntruppen im Vogesengebirge verwenden konnte. 11 Uhr vormittags kam Befehl, Landwehr-Infanterie-Regiment 81 solle sich zur weiteren Verwendung in Kayersberg bereitstellen. Die Bataillone sammelten sich dorthin. Zuerst fehlte eine ganze Anzahl von Leuten bei den Kompanien. Doch die meisten fanden sich nach und nach ein. Sobald einer der Vermissten wieder bei den Kameraden eintraf, wurde er mit Hurrah empfangen. Eine besonders stürmische Begrüßung wurde Hauptmann Michelis und Leutnant Weniger zuteil, als sie – der Abmarschbefehl hatte sie zu spät erreicht – endlich mit 25 Mann eintrafen. Man trug sie auf den Schultern unter Freudenrufen zur nächsten Kneipe. Das Regiment hatte seine Feuertaufe bestanden. Els Unteroffiziere und Mannschaften waren gefallen. An Offizieren waren drei, Oberleutnant Seifert, sowie der Offizier-Stellvertreter Höfer und Delliehausen, an Unteroffizieren und Mannschaften zwölf verwundet. Am Nachmittag lagen die Verwundeten im Krankenhause von Kaysersberg in sauberen Betten in freundlicher Hut der Schwestern. Major Müller besuchte dort seine Getreuen und legte ihnen Blumen auf die Brust.

In den altertümlichen Straßen von Kaysersberg herrschte, während noch das Artilleriefeuer auf den Höhen dröhnte, ein bewegtes Leben. Man fand die Kaysersberger entgegenkommender als man anfangs erwartet hatte, denn die in nicht geringer Zahl vorhandenen Franzosenfreunde waren durch das brüske Auftreten ihrer „Befreier“ stark ernüchtert worden. Man stellte sich freundlich zu den Siegern, tischte seinen Wein, tischte sogar gute Ratschläge auf: „Hütet euch vor den Alpenjägern. Ihr zieht bequemlich die Täler entlang. Auf den Höhenweg aber überschleicht euch der Feind. Eure schweren Kanonen kleben an den Passstraßen. Mit Maultieren schafft euer Gegner seine leichten Gebirgsgeschütze bergan und sendet seine Geschosse aus Hochschluchten auf euch herab, wo eure Artillerie ihn nicht findet:“Die Wahrheit dieser Warnungen sollte sich bald erweisen. – Zunächst aber freuten sich die Wehrleute in Quartieren und Gasthöfen ihres ersten Waffenerfolges. Am Marktplatz liegt ein Hotel. Dort ging es lebhaft her. Der Divisionsstab hatte sich in die behaglichen oberen Räume eingetan. Er gab die besten Aufträge zur Küche hinab. Doch was dort unten für ihn sott und schmorte, holten sich andere feldgrauen Gäste aus den prasselnden Pfannen. Das dauerte so lange, bis ein Donnerwetter aus der Abgeschiedenheit des hungernden Stabes zur Küche hinunterfuhr und das Hotel mit der Ausschließung der zudringlichen Mitesser bedrohte.“

Man begrub Wilhelm Cohn auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in Block 3, Grab 464.

Polen Das Grab von Wilhelm Cohn auf dem Soldatenfriedhof Hohrod