Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 160: Karl Volk

Der Soldat Karl Volk wurde am 05.04.1889 in der niedersächsischen Stadt Braunlage geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 3. Kompanie des 92. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 02.08.1915 fiel er im Alter von 26 Jahren während der Vogesenkämpfe nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) am Schratzmännele.

Der Sterbeort von Karl Volk:

Man begrub Karl Volk auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr in Grab 84.

Das Grab von Karl Volk auf dem Soldatenfriedhof Ammerschwihr

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 101: Heinrich Gander

Der Soldat Heinrich Gander wurde am 22.04.1891 in Hofstätten geboren, einem Ortsteil der Gemeinde Wilgartswiesen im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 11. Kompanie des 18. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde am 30.10.1914 während der Schlacht bei Ypern bei einem Angriff auf die belgische Ortschaft Hollebeke schwer verwundet. Zwei Wochen später, am 13.11.1914, verstarb er im Alter von 23 Jahren in einem Lazarett in der hessischen Stadt Butzbach an seiner Verwundung.

Der Ort der schweren Verwundung von Heinrich Gander:

Über den Tag und die Umstände der schweren Verwundung von Heinrich Gander berichtet die Regimentsgeschichte des 18. bayerischen Infanterie-Regiments:

„30.10.1914 Angriff auf Hollebeke

Dichter Nebel lag am 30.10. über Flandern, als schon 7.30 Uhr vormittags Artillerie mit dem Einschießen auf die feindlichen Stellungen begann.Aber infolge des unsichtigen Wetters war das Einschießen erst gegen 9.30 Uhr vormittags beendet und gegen 10 Uhr ging die Infanterie zum Angriff vor. Schon 5 Uhr vormittags war die Hälfte des I./18 (1. und 4. Kompanie) hinter dem linken Flügel des III. Bataillons bereitgestellt worden., das über Nacht in Schützenlöchern 1 Kilometer südöstlich Caleute nach Ablösung der dortigen Heereskavalerie auf nahe Entfernung den feindlichen Schützen gegenüber lag. Der Rest des I. Bataillons verblieb zunächst hinter dem linken Flügel. Beide Bataillone warteten dann, bis das Zeichen zum Angriff gegeben wurde. Das III. Bataillon rechts, das I. links, brachen die Schützen etwa 10 Uhr vormittags gegen die feindlichen Stellungen vor, das III. Bataillon mit rechtem Flügel längst des von Partyntje-Ferme nach Norden führenden Weges – Calvaire, östlich Groenelinde Südwestecke des Schlossparkes von Hollebeke, linker Flügel Straße Garde Dieu – Caleute. Heftiges Artilleriefeuer empfing sie, aber dennoch gelang es mit den vordersten Teilen bis 11 Uhr vormittags das Valeutecabt. zu erreichen. Hier aber stockte zunächst der Angriff. Gegen Mittag fuhren war zwei Züge des 5. Feldartillerie-Regiments zur unmittelbaren Unterstützung der Infanterie vor, aber dennoch blieb zunächst der Angriff stecken, weil die feindlichen Maschinengewehre, gut eingenistet in den zahllosen Hecken und Büschen, auch vom Artilleriefeuer nicht sofort gefasst werden konnten. Dazu kam, dass nach der linken Angriffsgruppe (26. Infanterie-Division), infolge einer unbeabsichtigten Verschiebung der Angriffsziele der Anschluss verpasst wurde, so dass das I. Bataillon mit seinem linken Flügel in der Luft hing.

In dieser Lage kam das II. Bataillon zum Einsatz. Es war in der Nacht in Alarmquartieren in Houthem untergebracht, kam kurz nach Eröffnung des Artilleriekampfes am frühen Morgen in der Ortschaft selbst in schweres Artilleriefeuer und rückte zunächst an den Westausgang von Houthem und dann bis zur Kapelle 1 Kilometer nordwestlich davon vor. Hier gab der Brigadekommandeur Generalmajor Clauß an Hauptmann Ritter den befehl, mit dem halben II. Bataillon am linken Flügel der vorderen Gefechtslinie einzugreifen und den Angriff nach vorwärts zu reißen. Nach einem  Seitenmarsche von etwa 500 Metern nach links über ebenes Gelände wurde dann nach vorwärts eingeschwenkt und mit der 6. und 7. Kompanie in die Kompanien des I. Bataillons eingeschoben. Aber auch der Einsatz frischer Kräfte genügte nicht, um die Gefechtslinie vorzureißen. Erst nachdem ein Bataillon und die Maschinengewehr-Kompanie 22. Infanterie-Regiment sowie zwei Artilleriezüge eingesetzt worden waren, erkämpfte sich die Truppe nach vorwärts Raum und erreichte am Abend mit rechtem Flügel Calvaire und mit linkem Flügel Groenelinde. Der Kampf war außerordentlich verlustreich gewesen: 5 Meter vor einem in eine Hecke eingebauten englischen Maschinengewehr lag die Leiche des Majors Kopp (Major Julius Kopp, gefallen am 30.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block G, Grab 706), der freiwillig als 60jähriger Mann in das Feld gerückt war und nun wenige Tage nach seinem Eintreffen dortselbst den Heldentod gefunden, daneben Oberleutnant Munzert und Oberleutnant Lauerer. Verwundet wurden Oberleutnant Hoffa und die Leutnants der Reserve Braun und Kolbatz. Die Führung des II. Bataillons übernahm Hauptmann Höpfner.

Während so das 18. Regiment am linken Flügel der Division vorging und einen schönen Erfolg mit großer Tapferkeit erringen konnte, gelang es den rechten Nachbarn, dem 17. Infanterie-Regiment und Teilen des 22. Infanterie-Regiments den Schlosspark von Hollebeke in Besitz zu nehmen. Gegen 6 Uhr nachmittags war auch das Dorf Hollebeke in ihrer Hand und vom Feinde gesäubert. Beim Gegner waren englische Kavallerie und Artillerie auch etwas englische Infanterie und indische Truppen, es war kein starker aber ein zäher Feind, dem die Vorzüge des Geländes für die Verteidigung sehr zu statten kamen und der zudem in der Nähe von Groenelinde einige tiefe Schützengräben angelegt hatte. Die Brigade hatte einen Ruhmestag erlebt und General Clauß, der Kommandeur, wurde für sein umsichtiges und tapferes Verhalten und für den Erfolg, den seine Infanteriebrigade an diesem Tage erstritten, mit dem Max-Joseph-Orden ausgezeichnet. Dunst und Regen vermehrte am Abend die Dunkelheit, die nur von den brennenden Gehöften und Ortschaften erhellt wurde. Überall in Büschen und Hecken klagten Verwundete und lagen gefallene Helden. Totes Vieh lag umher, verwüstet waren die Höfe, niedergerissen die Zäune; schmutziger, vom Regen durchgeweichter Ackerboden dampfte von den Kämpfen des schweren Tages. Nach Einbruch der Dunkelheit waren die Truppen vollkommen zerstreut, die Mannschaften zum Tode ermüdet und erschöpft. Hauptmann Höpfner und Hauptmann Ritter machten sich auf den Weg, um während der Nacht die versprengten Teile zusammenzusuchen; – aber umsonst: die Achtzehner waren mit den übrigen Teilen der Brigade derart vermischt und über das Gelände zerstreut, dass man den Versuch, sie zu sammeln, aufgeben musste.“

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Man begrub Heinrich Gander auf dem Friedhof Butzbach in Abteilung E, Grab 2.

Das Grab von Heinrich Gander auf dem städtischen Friedhof von Butzbach

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 92: Heinrich Balser

Der Soldat Heinrich Balser stammte aus der hessischen Ortschaft Albach, einem Ortsteil der Gemeinde Fernwald. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 3. Kompanie des 222. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 07.12.1914 fiel er im Alter von 23 Jahren während der Schlacht bei Łódź in Polen.

Die Lage des Grabes von Heinrich Balser ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.

Gedenkstein für Wilhelm Balser und Heinrich Balser auf dem Friedhof von Fernwald-Albach

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 83: Ludwig Balser

Der Soldat Ludwig Balser stammte aus der hessischen Ortschaft Albach, einem Ortsteil der Gemeinde Fernwald, und lebte im Fernwalder Ortsteil Annerod. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 6. Kompanie des 168. Infanterie-Regiments. Am 28.07.1916 fiel er im Alter von 20 Jahren während der Schlacht um Verdun. Er wurde bei Thiaumont, Marville und Chaumont getötet.

Man begrub Ludwig Balser auf dem Soldatenfriedhof Romagne-sous-les-Cotes in Block 13, Grab 69.

Gedenkstein für Ludwig Balser auf dem Friedhof Fernwald-Albach

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 76: Heinrich Hardt

Der Soldat Heinrich Hardt wurde am 19.09.1889 in der hessischen Ortschaft Albach, einem Ortsteil der Gemeinde Fernwald, geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier und Reservist in der 11. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 29.10.1914 fiel er im Alter von 25 Jahren an der Somme bei bei Le Quesnoy, einem Ortsteil der französischen Gemeinde Parvillers-le-Quesnoy. Laut Volksbund fiel er zwischen dem 31.10.1914 und dem 02.11.1914.

Die Lage des Grabes von Heinrich Hardt ist unbekannt. Laut Volksbund wurde er vermutlich auf dem Soldatenfriedhof Montdidier in einem Massengrab beigesetzt.

Gedenkstein für Heinrich Hardt auf dem Friedhof von Fernwald-Albach

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 74: Wilhelm Euler

Der Soldat Wilhelm Euler stammte aus der hessischen Ortschaft Albach, einem Ortsteil der Gemeinde Fernwald. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 11. Kompanie des 186. Infanterie-Regiments. Am 17.02.1915 (Volksbund: 12.02.1915) fiel er bei Thélus nahe Arras.

Man begrub Wilhelm Euler auf dem Soldatenfriedhof St.-Étiennes-à-Arnes in Block 5, Grab 188.

Gedenkstein für Wilhelm Euler und seinen Bruder Philipp Euler in Fernwald-Albach

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 73: Philipp Euler

Der Soldat Philipp Euler stammte aus der hessischen Ortschaft Albach, einem Ortsteil der Gemeinde Fernwald. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 22.09.1914 fiel er im Alter von 27 Jahren bei Servon (Marne) in Frankreich.

Die Lage des Grabes ist unbekannt. Es ist jedoch naheliegend, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof an seinem Sterbeort Servon-Melzicourt beigesetzt wurde.

Gedenkstein für Wilhelm Euler und seinen Bruder Philipp Euler in Fernwald-Albach

 

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges – Sonderbeitrag: Karl Pfeffer

Der Soldat Karl Pfeffer wurde am 20.02.1895 in der hessischen Gemeinde Großen-Buseck geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 8. Kompanie des 81. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 11.10.1915 fiel er in Frankreich an der Westfront bei Ville-sur-Tourbe.

Die Lage des Grabes von Karl Pfeffer ist unbekannt. Vermutlich wurde er anonym in einem Massengrab auf dem wenige Kilometer von seinem Sterbeort entfernten Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt beigesetzt.

In seiner Heimatgemeinde Großen-Buseck gedenkt man Karl Pfeffer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2018/grossen-buseck_lk-giessen_wk1_wk2_hs.html

Gedenkstein für Karl Pfeffer auf dem Friedhof von Alten-Buseck
Gedenkstein für Karl Pfeffer auf dem Friedhof von Alten-Buseck

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 33: Wilhelm Richter

Der Soldat Wilhelm Richter stammte aus Eversburg, einem Stadtteil der niedersächsischen Stadt Osnabrück. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 9. Kompanie des 92. Infanterie-Regiments. Am 06.10.1915 wurde er bei Somme-Py schwer verwundet. Drei Wochen später, am 27.10.1915 starb er im Reservelazarett 2 der saarländischen Stadt Saarlouis.

Über den Tag der schweren Verwundung von Wilhelm Richter berichtet die Regimentsgeschichte des 92. Infanterie-Regiments:

„Ein neuer Tag kündet sich an, der 06.10. unvergesslichen Angedenkens. 43 Stunden hatte die Artillerievorbereitung des Feindes schon gedauert, davon 36 Stunden Trommelfeuer. Es war 7 Uhr vormittags. Da schwillt das Feuer zum rasenden Orkan an, um das letzte Leben zu vernichten. Alle Schlünde der feindlichen Batterien haben sich gleichzeitig geöffnet. Eine Viertelstunde hämmern die Granaten auf die Stellungen. Fliegerbomben vereinigen sich mit ihnen. Die Luft ist von einem Rauschen und Brausen erfüllt, sodass das Ohr keine Einzelschüsse mehr zu vernehmen vermag. Die Nervenstränge drohen zu zerreissen. Alles, was noch lebt, fühlt, dass der Augenblick der Entscheidung naht. Da schweigt mit einem Schlage die feindliche Artillerie. Noch ehe die Lähmung von der Seele der Grabenkämpfer zu weichen vermag, dringen mit wildem Geschrei marokkanische Truppen in ihren

phantastischen Gewändern, die Gewehre hochschwingend, in die Stellungen ein. Zum Hauptstoß auf beiden Seiten der Straße Souain – Somme Py haben sie angesetzt. Sie kommen! tönt ein lauter Schrei. Da erwachen die Grabenkämpfer zu neuem Leben, und heller Kampfeszorn sprüht aus ihren Augen. Da eilen die Mannschaften aus dem Unterstand in die Stellung, die nur noch aus Trichtern und Löchern besteht. Der Sturm trifft noch den rechten Flügel des I. Bataillons, ebenso ein Maschinengewehr des Zuges Hartmann. Das andere wird sofort in Stellung gebracht und eröffnet ein vernichtendes Feuer. Wilde Kämpfe Mann gegen Mann. Leutnant Meyer, 4. Kompanie, gibt seinen Leuten wiederum ein glänzendes Beispiel unerschrockener Tapferkeit. Handgranate auf Handgranate fliegt dem Feind entgegen. Da legt die eigene Artillerie Sperrfeuer vor die Stellung, Grabenstück auf Grabenstück wird vom Feinde gesäubert. Hier kommt der Feind nicht durch. 300 Tote bleiben vor dem Graben der 2. und 3. Kompanie, noch mehr vor dem der 4. Kompanie liegen.

Beim II. Bataillon bringen die wenigen Maschinengewehre dem Feinde, der hier nur zum Nebenangriff vorgeht, so starke Verluste bei, dass er sofort zusammenbricht. Neue Angriffe werden nicht mehr versucht. – Anders beim Leib-Bataillon. Hier hatte der Durchbruch vollen Erfolg. An zwei Stellen, bei der 11. und 12. Kompanie bricht der Feind durch. Wer sollte ihn noch aufhalten? Die meisten Verteidiger waren längst gefallen oder verwundet. Was hilft aller Mut der wenigen noch Lebenden, da die Überzahl so gewaltig ist, immer neue Wellen heranbrausen. Die letzten Verteidiger fallen im Nahkampf, getreu bis zum Tode. Nur verhältnismäßig wenige, meist verwundet, geraten in Gefangenschaft. 34 Mann der 12. Kompanie waren bereits gefallen und 60 verwundet. Von dem Rest von 80 Mann lassen die meisten ihr Leben bei dem Sturm. Bei der 11. Kompanie sind die Verluste ähnlich stark. Die 9. Kompanie konnte ihren Graben nach der linken Flanke abriegeln, wo der Maschinengewehr-Zug Hartmann dem Feind starke Verluste beibrachte. Leutnant der Reserve Hartmann selbst wurde schwer verwundet. Die Stellung der 9. Kompanie wurde mit Hilfe von herbeigeeilten Teilen der 5. Kompanie und eines Zuges Infanterie-Regiment 78 restlos behauptet. – Leutnant der Reserve Düngemann zeichnet sich durch seine Unerschrockenheit besonders aus und fordert seine zusammengeschmolzene Schar immer wieder zum Ausharren auf. Neben ihm der tapfere Unteroffizier Bröder, der den Heldentod findet, Vizefeldwebel Dohrmann, der ebenso wie der Gefreite Popper, der schon von Belgien her als kaltblütiger Kämpfer bekannt ist, sich das Eiserne Kreuz 1. Klasse verdient. Ferner der Vizefeldwebel Meiners, Unteroffizier Ahrens, Hagedorn, Luther und Musketier Steinborn. Ihnen ist es in erster Linie zu verdanken, dass der Feind an dieser gefährdeten Stelle nicht einbrach.

Die Marokkaner stoßen durch die Stellungen der 11. und 12. Kompanie und weiter östlich beim Infanterie-Regiment 91 weiter vor durch den Wald den Berghang hinab. Sanitätsmannschaften fallen in ihre Hand. Mehrere von ihnen, darunter Sanitäts-Unteroffizier Winkel, werden, obwohl sie keine Waffe führen, erschlagen. Assistenzarzt Dr. Lüders, beim Verbinden von Verwundeten beschäftigt, fällt in Gefangenschaft. Die Marokkaner erreichen den Gefechtsstand des Leib-Bataillons. In der einen Hälfte befinden sich 4 Schwerverwundete. Von dort führt unterirdisch ein Gang zum Bataillonsstab, in den die Feinde eindringen, ohne den Bataillons-Führer Major Kobus, seinen Adjutant Leutnant von Wülcknitz, die Telefonnisten Buhr und Schrader und den Burschen Simon zu entdecken, die sich im Dunkeln in einer Stollenvertiefung verbergen. Ein eindringender Marokkaner erschießt die Schwerverwundeten außer dem Reservisten Prüsse. Es wurde 8 Uhr 25 vormittags. Hauptmann Freiherr von Buttlar kehrt von der Stellung des I. Bataillons, da dort dir Gefahr behoben war, in seinen Gefechtsunterstand zurück, um Oberstleutnant Dürr Meldung zu erstatten, der sich bereits seit dem Abend zuvor dort aufhält. Ein Mann des Leib-Bataillons holte ihn ein und meldet, dass die Franzosen beim Leib-Bataillon durchgebrochen seien und dicht hinter ihm folgen. Auf 300 Meter Entfernung sieht Hauptmann Freiherr von Buttlar die feindlichen Schützen nahen. Oberstleutnant Dürr lässt schnell durch Oberleutnant Kutzen die Karten und Pläne der Stellung auf einem rasch entfachten Feuer vernichten. Schon hat der Feind das Gestrüpp bei dem Unterstand des I. Bataillons und dem ganz in der Nähe befindlichen Unterstand der Artillerie erreicht. Die Artilleristen, darunter Hauptmann von Kehler, werden aus ihrem Unterstand herausgezerrt, erstochen und erschlagen. Oberstleutnant Dürr glaubt, dass alles verloren ist und hält eine Verteidigung für nutzlos. Da kommt schon ein weißer Franzose mit gefälltem Bajonett auf den Unterstand des I. Bataillons zu. Hauptmann Freiherr von Butlar empfängt ihn kaltblütig mit der Pistole. Der Schuss versagt. Aber der Feind verschwindet. Eine Viertelstunde in höchster Aufregung vergeht. Es ist 8.45 Uhr vormittags. Inzwischen hört man draußen Feuer, das sich immer mehr verstärkt. Plötzlich wird die Tür zum Unterstand aufgestoßen und ein Soldat mit deutschem Helm ruft: „Lebt hier noch jemand?“ Es war der Führer der einen Kompanie des Infanterie-Regiments 78, dem Oberstleutnant Dürr schon vor der Rückkehr des Hauptmann Freiherr von Buttlar den Befehl zu Vorgehen erteilt hatte. So wurden die  Stäbe des Regiments und I. Bataillons aus einer höchst gefahrvollen Lage befreit, die vermutlich allen Eingeschlossenen dasselbe Schicksal bereitet hätte wie den Artilleristen im benachbarten Unterstand. Eine Ordonanz war während der Einschließung das Opfer eines verirrten Geschosses geworden. Unbemerkt war ihr Tod geblieben.

Die Marokkaner hatten sich auch bereits eine Batterie Feldartillerie 54 bemächtigt, die 400 Meter vom Gefechtsstand des II. Bataillons entfernt stand. Der Batterieführer, Hauptmann Bräuer, eroberte sie mit Hilfe der beiden Kompanien des Infanterie-Regiments 78, die sofort zum Gegenangriff vorging, zurück. 8.50 Uhr vormittags wurden auch drei Kompanien des Infanterie-Regiments 192 zum Gegenstoß angesetzt. Der Feind wurde zurückgeworfen und nach etwa 4 Stunden auch der eingeschlossene Stab des Leib-Bataillons befreit. Die 7. Kompanie unter Rittmeister Freiherr von Löhneysen ging aus der Flanke gegen die zurückweichenden Marokkaner vor und brachte ihnen starke Verluste bei. Auch Teile der 5. Kompanie beteiligten sich daran. Das I. Bataillon in der Stellung machte z. T. kehrt und beschoss den zurückweichenden Feind ebenfalls mit gutem Erfolg. 2 Uhr nachmittags war der größte Teil der Stellung des Leib-Bataillons wieder genommen. Bis 8 Uhr abends wurde um einzelne Grabenstücke im Handgranatenkampf noch heftig gekämpft. Dann war der Feind auch hier völlig erledigt und die Stellung restlos wieder in deutschem Besitz.

Der mit so großem Kraftaufwand ins Werk gesetzte Durchbruchsversuch der Franzosen war an der Zähigkeit der deutschen Infanterie gescheitert. Den Franzosen blieb ihr Ziel, das sie nach dem Befehl Joffres erreichen sollten, ohne Ruhe und Rast den Angriff fortzusetzen bis zum endgültigen Siege und den Feind aus dem Lande hinauszuwerfern, auch diesmal versagt. Auch Infanterie-Regiment 92 hatte dem Ansturm tapfer getrotzt.  Wo es aber dem Feinde gelang, in die Stellung einzudringen, konnten ihm nur noch wenige entgegentreten, die bis zum letzten Atemzug die Stellung verteidigten. Die schwere Nervenprobe war glänzend bestanden, und das Regiment hatte berechtigte Veranlassung, sich in stolzer Siegesfreude zu straffen.

Von der 11. und 12. Kompanie kehrten nur je drei Mann aus der Stellung zurück. Die 9. Kompanie hatte 30 Tote und 50 Verwundete. Sie verfügte z. Zt. nur über 40 Gewehre. Aber die Verluste des Feindes allein an Toten zählten nach vielen Hunderten. – Das Leib-Bataillon wurde am 06.10. abends durch das I. Bataillon Infanterie-Regiment 74 abgelöst und ging als Korpsreserve in das Lager Kaisertreu.

Die 6. Kompanie, seit 4 Uhr abends in der Reservestellung Infanterie-Regiment 91, wurde am 06.10. in die Stellung bei diesem Regiment eingesetzt und warf mit ihm die Franzosen wieder aus dem Graben heraus. Sie nahm dabei 3 französische Offizierstellvertreter und mehrere Mannschaften gefangen. Einige Gruppen waren in der allgemeinen Verwirrung in die Reservestellung des Infanterie-Regiments 78 gelangt. Sie beteiligten sich an der Wiedernahme der Geschütze und halfen nach Eintreffen von drei Munitionswagen der Batterie, unermüdlich Geschosskörbe heranzuschleppen, so dass diese bald wieder das Feuer aufnehmen konnte. Feldwebel Schmidt und Gehrke wurden verwundet, Offizierstellvertreter Bock starb den Heldentod. Am Abend dieses Tages konnte das Regiment endlich verpflegt werden.

Die Kraft der feindlichen Offensive war gebrochen. Zwar legte die feindliche Artillerie auch in den nächsten Tagen starkes Feuer auf die Stellungen um das Hintergelände, die beim I. und II. Bataillon größere Verluste bewirkten. Die Gräben der 1., 4. und 10. Kompanie hatten beim Angriff am 06.10. besonders gelitten. Sie mussten wieder verstärkt werden. Hauptmann Freiherr von Buttlar zeigte sich trotz der vorangegangenen Tage völlig auf der Höhe seiner bisherigen Leistungsfähigkeit.“

Man begrub Wilhelm Richter auf dem Garnisons-Friedhof Saarlouis Block 1, Reihe 2, Grab 16.

Grab von Wilhelm Richter auf dem Garnisonsfriedhof Saarlouis

Soldatenschicksale des 1. Weltkrieges Teil 31: Wilhelm Webel

Der Soldat Wilhelm Webel stammte aus Quedlinburg im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 9. Kompanie des 184. Infanterie-Regiments. Am 08.10.1915 wurde er während der Stellungskämpfe bei Cernay vor Reims bei der Ortschaft Cernay-lès-Reims schwer verwundet. Am 14.10.1915 verstarb er in einem Lazarett in der saarländischen Stadt Saarlouis an seinen Wunden.

Über den Tag und die Umstände der schweren Berwundung von Wilhelm Webel berichtet die Regimentsgeschichte des 184. Infanterie-Regiments:

„08.10.1915 Versuche der Franzosen, unseren rechten Flügel zu umfassen, werden rechtzeitig erkannt und blutig verhindert. Zwischen 3 und 5 Uhr nachmittags schwillt das Feuer des Gegners zum Trommelfeuer. Starke feindliche Angriffe folgen. Gegner wird vor der Front des Regiments überall abgewiesen, bricht jedoch weiter links durch und umfasst das Sachsenlager. Der hier befindliche Kommandeur des III. setzt die letzten Reserven zum Gegenangriff an, zersprengt mit wirkungsvollem Feuer die Kolonnen des Gegners. Gleichzeitig wird der vom Regimentskommandeur angesetzte Gegenangriff vom Klucklager her wirksam. Zahlreiche Gefangene; die blutigen Verluste des Gegners gehen in die Hunderte! Im schnellen Siegeslauf mit gewaltigem Hurra! wird der Gegner zurückgeworfen und die ganze Stellung wiedergewonnen.“

Man begrub Wilhelm Webel auf dem Garnisons-Friedhof Saarlouis in Block 1, Reihe 3, Grab 33.

Grab von Wilhelm Webel auf dem Garnisonsfriedhof Saarlouis